Erwachsener mit Masern

10. März 2019 14:06; Akt: 10.03.2019 14:09 Print

«Meine Eltern wurden von Impfgegnern reingelegt»

Joshua Nerius aus Chicago erkrankte mit 30 Jahren an Masern. Jetzt warnt er vor den schlimmen Folgen der Kampagne der Impfgegner.

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Der 30-jährige Joshua Nerius meldete sich mit hohem Fieber und einem Ausschlag am ganzen Körper im Krankenhaus. Die Ärzte verschrieben Antibiotika, doch das half nichts. Nerius' Zustand verschlechterte von Stunde zu Stunde.

Als er erneut den Notfall aufsuchte, fragte ihn der Arzt, ob er gegen Masern geimpft sei. Keine Ahnung. Er schickte seiner Mutter ein SMS – und zurück bekam er ein Emoji mit einem nach unten zeigenden Daumen.

So krank, dass er kaum noch gehen konnte

Prompt landete der Patient in einem Isolationsraum im Northwestern Memorial HoKrankenhaus in Chicago. Nerius wurde so krank, dass er kaum noch allein gehen konnte. Im Laufe weniger Tage verlor er über 11 Kilo. Schließlich dauerte es mehrere Monate, bis er sich erholte. Das war vor drei Jahren, doch der Software-Entwickler nervt sich noch heute über seine Eltern, die ihn nicht geimpft hatten.

Der Nordwesten der USA wird derzeit von einer Masern-Epidemie heimgesucht - und der 30-Jährige wendet sich mit einer starken Botschaft an die Impfgegner-Gemeinschaft: «Ich bin sehr wütend. Meine Eltern dachten, sie machen das Beste für mich. Sie wurden aber von Impfgegnern in die Irre geführt», sagt Nerius zum Sender CNN.

Er könne aus eigener Erfahrung berichten, wie böse es enden könne, wenn man als Erwachsener mit dem Masernvirus angesteckt werde. Er selber holte sich die Krankheit während der Uni-Abschlussfeier seiner Schwestern im Mai 2016 ein.

Kaum einer Maßenepidemie entkommen

Bei der Rekonstruktion des Falles stellte das US-Gesundheitsministerium von Illinois später fest, dass ein Gast, der kurz vor der Feier eine Reise ins Ausland gemacht hatte, den höchst ansteckenden Virus in die USA eingeführt hatte.

«Ich habe an jenem Abend nur mit Mitgliedern meiner Familie geredet, die alle gesund waren. Also muss sich das Virus über eine Person übertragen haben, die zufällig an mir vorbeilief», erzählt Nerius. Es graust ihn heute noch, daran zu denken, dass er am Tag nach der Feier nach Las Vegas an eine Tech-Messe reiste. «Ich war zu jenem Zeitpunkt noch nicht ansteckend. Ich weiß aber nicht, was sonst passiert wäre. Ich erinnere mich noch daran, wie ich an dem Tag Hunderten von Menschen die Hand schüttelte.»

Social Media soll aufhören, Fake News zu verbreiten

Nerius ist mit seinem Ärger gegenüber seinen Eltern nicht allein. Auch der 18-jährige Ethan Lindenberger ließ sich erst kürzlich impfen, als er entdeckte, dass er sein Leben lang wehrlos gegen Krankheiten wie Hepatitis, Polio, Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken war.

Lindenberger hatte vor einigen Wochen eine Debatte in den USA ausgelöst, als er auf einer Onlineplattform ankündigte, sich jetzt, da er volljährig sei, impfen zu lassen, weil seine Eltern «so doof» gewesen seien, dass sie Impfstoffe für «eine Art Verschwörung der Regierung» hielten. «Nur Gott weiß, wieso ich noch am Leben bin», schrieb der Teenager.

Seine Kampagne brachte ihm eine Einladung zum US-Senat für vergangenen Dienstag ein, wo Lindenberger seinen Fall exponierte und die Regierung forderte, sich «gegen die Desinformationsstrategie der Impfgegner auf Social Media einzusetzen».

(L'essentiel/kle)

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