Explosion in Beirut

05. August 2020 07:13; Akt: 05.08.2020 08:45 Print

Mindestens 100 Tote und 4000 Verletze in Beirut

Blutende Menschen irren durch Schutt und Staub, nachdem Beirut von einer riesigen Explosion erschüttert wurde. Auslöser dafür könnte eine sehr große Ladung Ammoniumnitrat sein.

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Nach der gewaltigen Detonation in Beirut mit mindestens 100 Toten und 4000 Verletzten beginnt im Libanon die Suche nach möglichen Ursachen. Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr große Menge Ammoniumnitrat: Schätzungsweise 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Ministerpräsident Hassan Diab dem Präsidialamt zufolge. Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es am Dienstag nicht.

Die Explosion stürzte die libanesische Hauptstadt, deren Bevölkerung derzeit schon unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise leidet, in noch tieferes Chaos. Durch die Erschütterung zerbarsten Fenster, Trümmerteile schlugen Löcher in Wände. Blutende Menschen wanderten durch Schutt und Staub, einige Straßen waren voller Glasscherben. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. Beirut, in dessen Großraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt.

Raketenantrieb und Dünger

Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dient, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Herstellung von Düngemittel. Die farblosen Kristalle befanden sich auch in dem Gefahrgutlager der chinesischen Hafenstadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen getötet wurden. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz.

Der Stoff könnte von einem Frachtschiff stammen, dem libanesische Behörden laut Berichten im Jahr 2013 wegen verschiedener Mängel die Weiterfahrt untersagt hatten. Das Schiff war demnach von Georgien aus ins südafrikanische Mosambik unterwegs. Der Besatzung gingen dann Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt. Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

Riesige Pilzwolke

Bei der Detonation hatte sich eine riesige Pilzwolke am Himmel gebildet. Eine Druckwelle breitete sich blitzschnell kreisförmig aus. Noch Kilometer weiter gab es Schäden. Beschädigt wurden der Regierungspalast, die finnische Botschaft und die Residenz von Ex-Ministerpräsident Saad Hariri. Am Suk Beirut, einer modernen Einkaufsgegend, zerbarsten Fensterscheiben. Auch ein Schiff der UN-Friedenstruppen im Libanon (Unifil) wurde beschädigt. Es seien Blauhelm-Marinesoldaten verletzt worden, teilte die Mission mit.

Präsident Michel Aoun rief für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein, um die Ursachen der Explosion zu klären. «Ich werde nicht ruhen, ehe ich den Verantwortlichen kenne und ihm die härteste Strafe gebe», sagte Aoun laut Zitaten des Präsidialamts bei Twitter. Regierungschef Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer. Für die Stadt wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

EU und Frankreich bieten Hilfe an

Die Europäische Union und Frankreich - frühere Mandatsmacht des Libanon - stellten Hilfen in Aussicht. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte bestürzt und drückte den Familien der Opfer sein «tiefstes Beileid» aus. US-Präsident Donald Trump schien den Vorfall als Anschlag einzustufen: Seine «Generäle» gingen von einer Art Bombe aus, sagte Trump im Weißen Haus. Die Explosion deute nicht auf einen Unfall hin, sagte Trump unter Berufung auf seine Militärberater.

Selbst Israel, das mit dem benachbarten Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, bot über ausländische Kanäle «medizinische humanitäre Hilfe» an. Offiziell befinden sich beide Länder noch im Krieg. Spekulationen, dass Israel hinter der Explosion stecken könnte, räumte Außenminister Gabi Aschkenasi aus.

(l'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 05.08.2020 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Arte gab es einen Bericht über die Anschlagsicherheit von Atomkraftwerken, schlicht und ergreifend apokalyptisch, und sogenannte moderne Atomkraftwerke sind kein Deut besser , Regierungen auf der ganzen Welt haben zu verschiedenen Themen verschiedene Auffassungen, aber hier sind sie sich alle einig : die Sicherheitslage der Atomkraftwerke muss unter allen Umständen geheim bleiben. Gefahrengutlager wie in Beirut sind da verhältnismässig noch harmlos aber es zeigt allgemein den Geisteszustand des Menschen auf, Frage bleibt welcher Atommeiler geht als nächster in die Luft ?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Julie am 05.08.2020 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Arte gab es einen Bericht über die Anschlagsicherheit von Atomkraftwerken, schlicht und ergreifend apokalyptisch, und sogenannte moderne Atomkraftwerke sind kein Deut besser , Regierungen auf der ganzen Welt haben zu verschiedenen Themen verschiedene Auffassungen, aber hier sind sie sich alle einig : die Sicherheitslage der Atomkraftwerke muss unter allen Umständen geheim bleiben. Gefahrengutlager wie in Beirut sind da verhältnismässig noch harmlos aber es zeigt allgemein den Geisteszustand des Menschen auf, Frage bleibt welcher Atommeiler geht als nächster in die Luft ?