El Salvador

20. August 2019 10:35; Akt: 20.08.2019 10:40 Print

Nach Totgeburt doch nicht wegen Mordes verurteilt

Abtreibung wird in El Salvador hart bestraft. Auch Totgeburten führen häufig zu Mordvorwürfen. Eine Frau wurde nun aber freigesprochen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In einem aufsehenerregenden Prozess ist in El Salvador eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Totgeburt vom Mordvorwurf freigesprochen worden. Ein Richter in der Stadt Ciudad Delgado urteilte am Montag, dass es keine ausreichenden Beweise gegen die 21-jährige Evelyn Hernández gebe. Die Staatsanwaltschaft hatte 40 Jahre Gefängnis gefordert.

In dem zentralamerikanischen Land herrscht ein drakonisches Abtreibungsrecht. Frauen, die ihr Kind verlieren, wird häufig Mord zur Last gelegt.

Kind auf Toilette zur Welt gebracht

Hernández zeigte sich erleichtert nach ihrem Freispruch: «Ich bin glücklich», sagte die 21-Jährige. «Gott sei Dank wurde heute Gerechtigkeit gesprochen.» Die fast drei Jahre, die sie bereits im Gefängnis saß, seien eine «harte Zeit» gewesen.

Hernández hatte im April 2016 in einer Toilette ein Kind zur Welt gebracht. Die junge Frau beteuert, das Baby sei bei der Geburt bereits tot gewesen. Trotzdem wurde sie festgenommen. Im Juli 2017 wurde sie wegen Mordes zu 30 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde aber später aufgehoben, der Fall wurde deswegen neu verhandelt.

Mordanklage nach Totgeburt

In El Salvador sieht das Strafrecht bei Abtreibungen zwischen zwei und acht Jahren Haft vor. Staatsanwälte und Richter stufen Fälle, in denen Kinder tot zur Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben, aber häufig als Mord ein – darauf stehen zwischen 30 und 50 Jahre Haft. Menschenrechtsaktivisten verurteilen dies scharf.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüsste am Montag den Freispruch für Evelyn Hernández. El Salvador müsse nun der «diskriminierenden Praxis der Kriminalisierung von Frauen» ein Ende setzen.

Keine Frau dürfe wegen Mordes angeklagt werden, weil sie einen medizinischen Notfall erlitten habe. Auch müssten die «drakonischen Regeln gegen Abtreibungen» abgeschafft werden. Derzeit sitzen in El Salvador 16 Frauen wegen Abtreibungen oder Totgeburten im Gefängnis.

(L'essentiel/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.