Russischer Regierungskritiker

23. August 2020 16:05; Akt: 23.08.2020 16:15 Print

Nawalny wäre nicht der erste ermordete Kreml-​​Kritiker

Die Liste an russischen Oppositionellen, die ermordet, vergiftet oder verletzt wurden, ist lang. Alexej Nawalny wäre nur das jüngste Beispiel.

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Kremlkritiker wie Alexej Nawalny leben gefährlich in Russland. Der 44-Jährige ist schon mehrfach öffentlich attackiert worden. Und nicht das erste Mal gibt es den Verdacht einer Vergiftung wie jetzt in Omsk.

Die Liste ermordeter, vergifteter und verletzter Kremlgegner ist lang, aber das staatlich kontrollierte Fernsehen findet das kaum erwähnenswert. Die Chefredakteurin des Fernsehsenders Russia Today, Margarita Simonjan, schrieb bei Twitter mit Blick auf die Meinung russischer Ärzte lapidar, dass Nawalny vor seinem Flug mal hätte etwas Zucker zu sich nehmen sollen. Dann wäre ihm nicht schlecht geworden. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch zeigte sich entsetzt ob dieser Kälte.

« Die Geschichte der Vertreter der russischen Opposition, die vergiftet wurden, ist lang. »

Nawalnys Familie geht von einem Giftanschlag aus – auch weil es andere Fälle und vor allem viele Motive gibt.«Die Geschichte der Vertreter der russischen Opposition, die vergiftet wurden, ist so lang, dass es schon fast langweilig ist, sie aufzuzählen», meinte nun die russisch-amerikanische Autorin Masha Gessen mit Blick auf Nawalny.

Der Putin-Kritiker Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einem Anschlag mit dem Strahlengift Polonium 210. Im selben Jahr wurde auch die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja, die für die Zeitung Nowaja Gaseta arbeitete, erschossen. Das war zwei Jahre, nachdem ihr – wie jetzt Nawalny – im Flugzeug schlecht wurde. Auch sie musste wegen einer schweren Vergiftung behandelt werden.

Der Journalist Wladimir Kara-Mursa, war 2015 mit Nieren- und Lungenversagen dem Tod nah war. In seinem Organismus waren viele Schwermetalle gefunden worden – woher sie kamen, blieb unklar. Er hatte für den Oppositionspolitiker Boris Nemzow gearbeitet, der 2015 in der Nähe der Kremlmauern erschossen wurde.

Kaum ein Fall ist aufgeklärt

Es gibt auch Beispiele, die vergleichsweise glimpflich ausgehen, wie bei der Menschenrechtsanwältin Karinna Maskalenko, die in ihrem Auto einmal Quecksilber fand, dessen Dämpfe giftig sind. Sie klagte über Unwohlsein und fand dann den gefährlichen Stoff.

Die Drahtzieher dieser Anschläge können sich meist sicher fühlen in Russland. Bisher ist kaum einer dieser Fälle mit weltweiter Beachtung aufgeklärt.

Alexej Nawalny gehört seit Jahren zu den schärfsten Kritikern von Wladimir Putin. Er greift mit seinen Enthüllungen über Korruption im Staatsapparat und über das enge Machtgeflecht der Oligarchen mit dem Kreml die Mächtigsten in seiner Heimat an. Auch die Geheimdienste. Entsprechend groß ist die Anzahl seiner Feinde. Immer wieder gibt es Razzien in seinen Büros landesweit.

(L'essentiel/sda)

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