Gesinnungswandel

18. Oktober 2017 17:34; Akt: 18.10.2017 17:40 Print

Neonazi steigt aus und outet sich als schwul

Rund 40 Jahre lang schürte er Hass auf Ausländer, Juden und Homosexuelle. Nun bemerkte er, dass er schwul ist und jüdische Wurzeln hat.

Nach 40 Jahren Hass hatte der ehemalige Neonazi-Anführer nun einen Sinneswandel.

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«Ich sah, wie Menschen auf der Straße misshandelt, beschimpft und angespuckt wurden – erst als es auch mir passierte, merkte ich plötzlich, dass das, was ich tat, falsch ist», sagt Kevin Wilshaw, ein prominenter ehemaliger Neonazi-Anführer den britischen Channel 4 News.

«Es ist ziemlich selbstsüchtig, das so zu sagen, aber es ist wahr», kommentiert er seine späte Einsicht. 40 Jahre lang war Wilshaw in der neonazistischen National Front und in der rechtsextremen British National Party (BNP) aktiv. Er organisierte öffentliche Neonazi-Aufmärsche, gern ließ er sich dabei in Nazi-Uniform ablichten.

Homophobie brachte den Sinneswandel

Noch zu Beginn des Jahres trat er als felsenfester Neonazi auf. Dann kam der Sinneswandel. Wilshaw gestand sich ein, dass er homosexuell ist. Da wurde er erstmals selbst zum Opfer von genau den Attacken, die er sonst so gerne austeilte. «In der Gesellschaft ist Homosexualität akzeptiert, in diesen Gruppen nicht», erklärt der nun reuige Neonazi.

Plötzlich selbst Opfer

Er habe das am eigenen Leib erfahren müssen, als er von seinen Gesinnungsgenossen verdächtigt wurde, schwul zu sein. Ähnlich erging es ihm auch mit seinen jüdischen Wurzeln. Seine Mutter hatte jüdische Vorfahren.

Das war Wilshaw allerdings bereits bewusst, als er antisemitische Hetze verbreitete. Gegen «die Juden» zu hetzen sei einfach gewesen, weil es nach einer gesichtslosen Masse klingt.

Erst in der Auseinandersetzung mit seinen eigenen jüdischen Wurzeln sei ihm dieser Fehler bewusst geworden. Nun werde er von «abscheulichen Schuldgefühlen» wegen seiner früheren Taten und Worte geplagt, sagt er Channel 4 News.

Doch nichts gelernt?

Eine Aussage des bekehrten Neonazi lässt an der Einsicht dann doch zweifeln. «Ich will die verletzten, die diesen Müll propagieren», sagt er im Interview über seine ehemaligen Gesinnungsgenossen. Er wolle ihnen zeigen, was es heißt, Opfer der neonazistischen Propaganda zu sein.

Viele Internet-Nutzer haben jedenfalls wenig Mitleid mit dem reuigen Rechtsradikalen. «Ich wurde zum Glück nie Opfer von gewaltsamen Attacken, aber das muss ich auch nicht, um zu kapieren, dass es falsch ist», meint etwa eine Userin. Viele pflichten ihr bei. «Er ist ein Trottel. Aber zumindest versucht er wenigstens, sich zu bessern», gesteht ihm ein anderer zu.

(L'essentiel/red)

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