Polizeigewalt in den USA

26. August 2021 07:16; Akt: 26.08.2021 07:23 Print

Polizist schlug schwarzen Fahrer mit Taschenlampe

Im südlichen US-Staat Louisiana prügelte ein weißer Polizist einen schwarzen Autofahrer nieder. Nun taucht das Video vom Vorfall auf – die Polizei hatte es lange geheim gehalten.

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Ein weißer Polizist in den USA hat laut Videoaufnahmen aus einer Body-Cam der Polizei ohne ersichtlichen Grund mit einer Taschenlampe auf einen Schwarzen eingeprügelt und ihn schwer verletzt. Mehr als zwei Jahre lang wurden die brutalen Videoaufnahmen geheim gehalten, bevor sie nun von der Nachrichtenagentur AP erlangt wurden.

Zu sehen ist, wie der damalige Polizist des US-Staats Louisiana 18 Mal mit einer großen Taschenlampe aus Aluminium auf den schwarzen Autofahrer einprügelt, nachdem dieser wegen eines Verkehrverstoßes gestoppt wurde. «Ich leiste keinen Widerstand», ruft der angegriffene Aaron Larry Bowman auf den Aufnahmen mehrmals. Zwischen den Schlägen sind Schreie zu hören.

18 Schläge in 24 Sekunden

Der Zwischenfall endete für den 46-jährigen Bowman im Mai 2019 mit einem Kieferbruch, drei gebrochenen Rippen, einem gebrochenen Handgelenk und einer klaffenden Kopfwunde, die mit sechs Stichen genäht werden musste.

An dem Abend, als Bowman im Verkehr wegen der Nutzung der falschen Spur gestoppt und von Polizisten zu Boden gebracht wurde, kam der 31-jährige Polizist Jacob Brown erst verspätet hinzu. Er sei «in der Gegend» gewesen und habe versucht, sich zu beteiligen, erklärte er. Der Polizist soll laut Ermittlungsbericht den 46-Jährigen 18 Mal in 24 Sekunden geschlagen haben.

Der Polizist Jacob Brown schlug 18 Mal in 24 Sekunden auf dem schwarzen Autofahrer ein. (Ouachita Parish Sheriff’s Office)

Weiterer Vorfall auf Video festgehalten

Bowman versuchte laut Aufnahmen mehrfach zu erklären, dass er Dialysepatient sei, sich keines Vergehens schuldig gemacht habe und keinen Widerstand leiste. Der 31-Jährige erklärte später, sein mutmaßliches Opfer habe einen Polizisten geschlagen und seinerseits mit den Schlägen gefügig gemacht werden sollen.

Nur drei Wochen davor hatten Polizisten derselben Dienststelle auf einen anderen schwarzen Autofahrer eingeprügelt, der im Polizeigewahrsam am Straßenrand im Nordosten Louisianas zu Tode kam. Auch die Polizeiaufnahmen des Todes von Ronald Greene gelangten erst in diesem Jahr durch eine Veröffentlichung der Nachrichtenagentur AP an die Öffentlichkeit. Strafverfolger des Bundes untersuchen nun beide Zwischenfälle in einem sich ausweitenden Fall von Polizeibrutalität und möglichen Vertuschungen bei der Polizei.

Polizei sagte, das Video der Body-Cam existiere nicht

Die Polizei von Louisiana untersuchte den nun bekannt gewordenen Fall erst 536 Tage danach – obwohl er mit Hilfe einer Körperkamera der Polizei aufgezeichnet worden war. In einer Mitteilung vom Mittwoch schrieb die Polizei nun, der Polizist habe «exzessiv» und in einer nicht zu rechtfertigenden Weise gehandelt, sowie das Video seiner Körperkamera absichtlich falsch etikettiert. Der Verteidiger des 46-Jährigen sagte, man habe ihm zunächst erklärt, es gebe kein Video einer Körperkamera.

Vor seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst im März wurden für den Polizisten 23 Fälle von Gewaltanwendung seit 2015 aktenkundig, 19 davon richteten sich gegen schwarze Menschen, wie aus Polizeidaten hervorgeht.

Neben der Untersuchung auf Bundesebene wird gegen den weißen Polizisten in Louisiana in dem Fall wegen Körperverletzung und Dienstvergehen ermittelt. Daneben gibt es Ermittlungen wegen zweier gewaltsamer Festnahmen schwarzer Autofahrer. Über eine davon hatte er in einer Chatgruppe vor anderen Polizisten geprahlt, es wärme sein Herz, dem jungen Mann eine Lehre erteilt zu haben.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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