Töchter des Dubai-Emirs

25. Februar 2021 19:00; Akt: 25.02.2021 19:16 Print

Prinzessin Latifa bittet um Hilfe für ihre Schwester

Sheikah Latifa fleht in Videos um ihre Freilassung aus ihrer Gefangenschaft. Doch sie denkt auch an ihre ältere Schwester. Beide sind entführt und zuhause festgesetzt worden.

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Die Tochter des Emirs von Dubai, Sheikha Latifa, macht aus ihrer mutmaßlichen Gefangenschaft in Dubai auf das Schicksal ihrer älteren Schwester Shamsa aufmerksam – und fleht die britischen Behörden an, aktiv zu werden. Prinzessin Shamsa war im Jahr 2000 entführt und nach Dubai gebracht worden. Damals war sie 18 Jahre alt. Sie wurde seither nie mehr öffentlich gesehen.

Shamsa war während ihrer Ferien in England aus einem Anwesen ihres Vaters Sheikh Mohammed bin Rashid al-Maktoum in der englischen Grafschaft Surrey geflohen. Nach zwei Monaten auf der Flucht hätten die Männer ihres Vater sie gefunden, «unter Drogen gesetzt», zurück nach Dubai gebracht und «eingesperrt», schreibt Shamsas jüngere Schwester in einem Brief, der BBC vorliegt.

Brief wurde der Polizei übergeben

Das handgeschriebene Schreiben soll aus dem Jahr 2019 stammen, als die heute 35 Jahre alte Latifa nach ihrer eigenen missglückten Flucht in einer Villa in Dubai eingesperrt worden war. Um zu vertuschen, dass sie Kontakt zur Außenwelt hatte, soll der Brief auf ein früheres Datum datiert worden sein.

Freunde von Sheikha Latifa haben der Polizei von Cambridgeshire den handgeschriebenen Brief übergeben. Die Polizei bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Existenz des Briefes. Er werde als Teil einer «laufenden Überprüfung» der Ermittlungen zum Verschwinden von Prinzessin Shamsa «untersucht».

Die Polizei in Cambridge hatte bereits 2011 Ermittlungen in dem Entführungsfall Shamsa aufgenommen. Diese führten allerdings nicht zum Erfolg – auch weil Ermittler nicht vor Ort in Dubai ermitteln konnten. Einer der Ermittler, der fliegen wollte, erklärte der BBC: «Man hat mir keine Begründung gegeben, wieso ich nicht nach Dubai darf.»

Emir von Dubai hat mächtige Verbindungen

Dennoch wurden die Untersuchungen mehrfach wieder aufgenommen. Erst letztes Jahr hatte ein Londoner Gericht Sheik Mohammed für die Entführungen Latifas und ihrer älteren Schwester sowie für die Einschüchterung einer seiner Ehefrauen verantwortlich gemacht. Im Zusammenhang mit dem jetzt bekanntgewordenen Brief heißt es von der Polizei, es sei bei diesem «komplizierten und ernsten Fall» nicht angemessen, Details in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Auch die Regierung wollte die jüngsten Entwicklungen auf Anfrage der BBC nicht kommentieren.

Der Emir von Dubai hat in Großbritannien mächtige Verbindungen: Der Freund von Queen Elizabeth besitzt auf der Insel so viel Privatland wie kaum ein anderer und wird von London hofiert, welches Dubai und die Vereinten Arabischen Emirate als Schlüsselverbündeter und Geschäftspartner in der Region betrachtet.

«Shamsa ist nicht mehr Shamsa»

Sheikha Latifa zufolge verbrachte ihre Schwester Shamsa nach ihrem Fluchtversuch acht Jahre in einem Gefängnis, wo man sie auch körperlich misshandelte, in dem man ihre Fußsohlen schlug. Sie sei 2008 «entlassen» worden. «Sie musste an der Hand herumgeführt werden. Sie konnte ihre Augen nicht öffnen. Man hatte ihr so viele Pillen gegeben, um sie zu kontrollieren. Sie war wie ein Zombie», so Latifa.

Eine Cousine der beiden bestätigt das: «Sie wurde ruhig gestellt. Alles, was sie jetzt tat, wurde kontrolliert. Sie hatte keinen Funken mehr, keinen Kampfgeist. Da gab es nichts mehr. Sie war nur noch eine leere Hülle». 2019 traf Latifa ihre Schwester wieder – nach ihrem eigenen gescheiterten Fluchtversuch. Ihre Cousine warnte sie vor: «Du wirst sie nicht mehr wieder erkennen. Sie wurde derart unter Droge gesetzt. Sie ist am Leben. Aber Shamsa ist nicht mehr Shamsa.»

Prinzessin Latifa berichtete seit ihrem Fluchtversuch in Videos, wie sie ohne frische Luft, Zugang zur Außenwelt oder medizinischer Versorgung in einer Villa in Dubai festgehalten und bedroht werde. Freunde stellten der BBC kürzlich weitere Videos zur Verfügung, nachdem sie monatelang nichts mehr von der Prinzessin gehört hatten. Die Vereinten Nationen forderten ein Lebenszeichen. Latifas Familie ließ erklären, die Sheikha werde «zuhause betreut».

AI: Politik der systematischen Unterdrückung

«Dubai hat diese glitzernde, moderne Fassade, aber das Personenstandsrecht ist noch stark von traditioneller islamischer Rechtsprechung geprägt», sagt der Direktor des GIGA Instituts für Nahost-Studien in Hamburg, Eckart Woertz, der Deutschen Presse-Agentur. Die sozialen Rollen, Rechte und Pflichten von Männern und Frauen unterschieden sich erheblich – wenngleich nicht so extrem wie vor wenigen Jahren noch im Nachbarland Saudi-Arabien. Dort durften Frauen bis vor einiger Zeit weder alleine Auto fahren, noch das Land ohne die Erlaubnis eines männlichen Vormunds verlassen.

Familien sind nach Angaben des Wissenschaftlers ein sehr abgegrenzter Bereich für die emiratische Bevölkerung. «Die generelle Einstellung ist: Da mischt man sich nicht ein – schon gar nicht bei einem Scheich.» Im Falle der Prinzessin wäre eine offene Diskussion etwa in sozialen Medien auch gefährlich. «Da weiß jeder, dass ihm, wenn er jetzt anfangen würde, auf Twitter Solidaritätsbotschaften loszuschicken, eine Gefängnisstrafe drohen kann.»

«Die Behörden der VAE verfolgen eine Politik der systematischen Unterdrückung jeglicher Form von Dissens oder Kritik», sagte kürzlich auch Lynn Maalouf, die stellvertretende Direktorin für den Nahen Osten und den Norden Afrikas bei Amnesty International. Aktivisten, Richter und Journalisten würden willkürlich inhaftiert, misshandelt und gefoltert. Der Fall von Sheikha Latifa und Sheikha Shamsa seien «einfach das öffentlichste Beispiel für dieses alarmierend bedrückende Klima.»

Im Video: Prinzessin Latifa nahm heimlich Videos aus ihrer Gefangenschaft in Dubai auf. Auch von ihr hörten ihre Freunde seit Monaten nichts mehr.

(L'essentiel/gux/DPA)

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