Feuer im Amazonas

22. August 2019 13:52; Akt: 22.08.2019 13:53 Print

Pro Minute brennen 1,5 Fußballfelder an Wald ab

Welche Auswirkungen haben die Brände im Amazonas-Gebiet auf die Umwelt? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu einem der schlimmsten Brände in Brasilien.

Bilder zeigen, wie die Pflanzenwelt, aber auch Tiere unter der Katastrophe leiden. (Video: Wibbitz)

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Wie schnell verbreiten sich die Brände?

Laut dem brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE verbreitet sich das Feuer rasant: Pro Minute wird eine Fläche von 1,5 Fußballfeldern zerstört. Wie groß die Fläche ist, die derzeit brennt, ist noch unklar. Aber für Umweltaktivist Thomas Lovejoy steht schon klar: «Das ist eines der schlimmsten Feuer, die es je im Amazonas-Gebiet gab», sagt er zum «National Geographic» . Erst kürzlich hatte auch das INPE Zahlen vorgelegt, wonach es in Brasilien in diesem Jahr so viele Waldbrände gab wie nirgendwo sonst in der Region.

Welche Auswirkungen haben die Brände für Klima und Natur?

«Der Schaden ist irreparabel. Das ist der größte Verlust in den letzten drei Jahrzehnten», sagt Jerônimo Sansevero, Professor für Umweltwissenschaften an der Universität Rio de Janeiro, zu BBC. Der brasilianische Forstingenieur Eraldo Matricardi, Professor an der Uni Brasília, ist ähnlicher Meinung: «Die Umweltauswirkungen der Brände im Amazonas werden alle Regionen des Landes betreffen. Das zeigte am Montagnachmittag das Wetterphänomen, bei dem sich der Himmel über São Paulo verdunkelte.»

Durch Brandrodungen wird der Boden zunächst genährt. Matricardi vergleicht diese Taktik mit dem Konsum von Alkohol. «Zuerst bringt es einen Nutzen, aber dann kommt die Realität, wie wenn man trinkt: Zuerst kommt ein Glücksgefühl auf, aber am Schluss haben Sie einen Kater.»

Wie lange wird es dauern, bis sich das Gebiet erholt?

«Wenn wir optimistisch bleiben, dann wird es mindestens 20 Jahre dauern, bis sich das zerstörte Gebiet erholt hat», erklärt Wissenschaftler Sansevero weiter. Im schlimmsten Fall wird es sich aber nie mehr erholen. Es käme darauf an, welche Auswirkungen die Brände auf die Pflanzenwelt haben. Sansevero vergleicht es mit einer traumatischen Situation wie beim Menschen. «Einige werden ein Trauma besser überwinden, bei anderen ist das Leben nach einem Trauma nie mehr so, wie es einmal war.»

In Gebieten, in denen der Boden stark beeinträchtigt wurde, etwa vom Bergbau, ist es unwahrscheinlicher, dass die ursprüngliche Vegetation wiederhergestellt wird, meint der Umweltexperte. Hingegen Landwirtschaftsregionen, die noch nie gelitten haben, könnten sich nach einem Brand besser erholen.

Welche Rolle spielt die Politik?

Jair Bolsonaro (64), seit Anfang 2019 Staatspräsident Brasiliens, gilt als rechtspopulistisch und «brasilianischer Donald Trump». «Der Regenwald gehört Brasilien, nicht euch», lässt er die Welt wissen. In seinem Wahlkampf hat Bolsonaro einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt. Er ist ein Freund der Agrarlobby, dem die Landwirtschaft wichtiger ist als der Umweltschutz. Das Brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) hatte berichtet, dass im Juni 88 Prozent mehr Regenwald abgeholzt worden waren als im gleichen Monat des Vorjahrs. Bolsonaro kritisierte die Zahlen, warf der Weltraumagentur vor, im Dienste ausländischer Umweltschutzorganisationen zu stehen. Nachdem INPE-Präsident Ricardo Galvao die Berichte mehrfach verteidigte, wurde der «Wächter des Regenwalds» nach eigenen Aussagen deswegen von Bolsonaro entlassen.

Welche Funktion haben die Regenwälder?

Die Regenwälder gelten als Klimaanlage der Erde. Sie binden einerseits CO2 aus der Atmosphäre, anderseits verdunsten sie gewaltige Mengen Feuchtigkeit. Diese Wolken, auch «fliegende Flüsse» genannt, steigen in die Höhe und kühlen die Atmosphäre ab. 25 Prozent des ursprünglichen Regenwaldes sind bereits vernichtet. Trotzdem wird weiter gerodet. Laut WWF wird jede Minute eine Fläche zerstört, die 35 Fußballfeldern entspricht. Die Abholzung reduziert die Funktion des Regenwaldes als Kohlenstoffspeicher und damit Bremse des Treibhauseffekts. Die Verbrennung des Waldes setzt neue Treibhausgase frei.

(L'essentiel/kle/mg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Saupreis am 22.08.2019 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch total egal ob der Regenwald nennt oder abgeholtzt wird. Ich bin froh dass ich schon so alt bin, das ich evtl. noch 10 Jahre lebe. Mal ehrlich, die Menschheit ist die Fundstellen Schöpfung der Natur. Kein Tier ist so dumm und verbraucht die Ressourcen, die es zum Leben braucht.

  • Niemand am 22.08.2019 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Der Herr Schneider hat bis jetzt nichts unternommen. Über Milliarden von Euros wurden schon verbrannt.

  • Onkraut am 22.08.2019 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die meescht Feieren sin freiwelich geluecht gin. Wu as do die Rechnung mam CO2 Verbrauch fir Brasilien? die misten elo die Emisionscertifikater hei an Europa kaafen.Madame Dieschburg,reklameiert mol do,do as Goss ze kreien,an nit bei dem lezebuerger Volek,waat mol keen Feier am Gaard mie darf machen.An wu as Greta,aset deem nach schlecht op der Croisière?

Die neusten Leser-Kommentare

  • schwarzer Rauch der Agrarverseucher am 23.08.2019 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Der von chronischer Idiotie befallene faule Ipotglotzende moderne massivCO2produzierende Agrarindustriemensch verspielt seine Lebensgrundlagen u die von vielen Tieren u Pflanzen hirnlos u ohne Verstand ... die Agrarwirtschaft hat sich mit chemischen Kampfmitteln gegen alles Leben zum politischlegalisierten Lobbymordinstrument raufgemausert, das sich die ganze Erde gratis untertan macht, um alles Leben dort zu töten u hinterhältig zu verwüsten, um die ganze Erde an sich zu reissen, um sie geldprofitreich zu vergiften, um sie dann ausgebeutet verödet vergiftet u leblos zurückzulassen ...

  • St. Flatschert am 22.08.2019 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Notre-Dame ist gelöscht !!!!!

  • Saupreis am 22.08.2019 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch total egal ob der Regenwald nennt oder abgeholtzt wird. Ich bin froh dass ich schon so alt bin, das ich evtl. noch 10 Jahre lebe. Mal ehrlich, die Menschheit ist die Fundstellen Schöpfung der Natur. Kein Tier ist so dumm und verbraucht die Ressourcen, die es zum Leben braucht.

  • Onkraut am 22.08.2019 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die meescht Feieren sin freiwelich geluecht gin. Wu as do die Rechnung mam CO2 Verbrauch fir Brasilien? die misten elo die Emisionscertifikater hei an Europa kaafen.Madame Dieschburg,reklameiert mol do,do as Goss ze kreien,an nit bei dem lezebuerger Volek,waat mol keen Feier am Gaard mie darf machen.An wu as Greta,aset deem nach schlecht op der Croisière?

  • Niemand am 22.08.2019 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Der Herr Schneider hat bis jetzt nichts unternommen. Über Milliarden von Euros wurden schon verbrannt.