Literaturnobelpreis

11. Dezember 2019 07:54; Akt: 11.12.2019 07:57 Print

Proteste während Preisübergabe an Handke

Die Überreichung des Literaturnobelpreises an Peter Handke hat erneut für große Empörung gesorgt. Der Schriftsteller seinerseits hüllt sich in Schweigen.

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Begleitet von Protesten ist der österreichische Schriftsteller Peter Handke in Stockholm mit dem diesjährigen Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden.

Neben ihm nahmen am Dienstag auch die polnische Autorin und Preisträgerin für das Jahr 2018, Olga Tokarczuk, sowie zwölf Wissenschaftler in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft ihre Nobelmedaillen und -diplome bei einer feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus entgegen.

Zeitgleich zum anschließenden Nobelbankett wurde auf dem nahegelegenen Norrmalmstorg gegen die Vergabe an Handke wegen dessen umstrittener Positionierung im Jugoslawien-Konflikt protestiert.

Kontroverse blieb unerwähnt

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Anders Olsson, ließ die Kontroverse in seiner Laudatio auf Handke unerwähnt. Als Schwedens König Carl XVI. Gustaf die Auszeichnung überreichte, gab es aus dem Publikum höflichen Applaus und keine Pfiffe.

Die Akademie hatte ihre Entscheidung für Handke im Vorfeld vehement verteidigt. Man müsse zwischen der Person und ihrem literarischen Werk unterscheiden, hatte sie erklärt.

Handke hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede.

Proteste aus EU, Türkei und Serbien

Dass die Schwedische Akademie ausgerechnet ihn auszeichnete, erzürnte nicht nur Organisationen wie die Mütter von Srebrenica und die Gesellschaft für bedrohte Völker. Staaten wie das EU-Land Kroatien und die Türkei verzichteten aus Protest gegen Handke auf die Teilnahme ihrer Botschafter an der Preisverleihung.

Zum abendlichen Protest auf dem Norrmalmstorg, auf dem bereits zu Balkankriegszeiten Kundgebungen gegen den Konflikt abgehalten worden waren, kamen nach Schätzungen zunächst etwa 200 Teilnehmer. «Handkes Literatur schreibt die Geschichte um, er stellt einen Genozid infrage, der bewiesen worden ist», sagte eine der Initiatorinnen, Teufika Sabanovic, der Nachrichtenagentur DPA. Sie glaube nicht daran, dass sich Handke eines Tages doch noch bei den Völkermordopfern entschuldigen werde.

Keine Fragen beantwortet

Handke habe bereits auf der Pressekonferenz in der Schwedischen Akademie eine goldene Gelegenheit verstreichen lassen, auf Fragen zu seiner Haltung zum Jugoslawien-Konflikt angemessen zu antworten, sagte Sabanovic.

Auf der Demonstration sagte die Teilnehmerin Halima Subasic, sie sei zu dem Protest gekommen, um ihre Solidarität mit den Völkermordopfern zu zeigen. «Man kann das alles nicht vereinfachen und bloß sagen, man müsse zwischen Literatur und der Person unterscheiden.»

Bereits am Vormittag hatten Demonstranten schwedischen Medienberichten zufolge direkt vor dem Konzerthaus ein Transparent in die Höhe gehalten, auf dem Handke aufgefordert wurde, bei den Opfern des Völkermords von Srebrenica um Entschuldigung zu bitten.

Völkermord geleugnet

«Wie könnt ihr es wagen, Peter Handke den Nobelpreis zu geben?», fragte auch der Theaterregisseur und Schriftsteller Jasenko Selimovic, der 1992 als Flüchtling aus Sarajevo nach Schweden gekommen war, in einem Meinungsbeitrag in der schwedischen Zeitung «Dagens Nyheter». Den Leugner eines Völkermords mit der Auszeichnung zu belohnen, sorge auch dafür, dass die Geschichte revidiert werde. «Der Beschluss wird die Schwedische Akademie auf ewig verfolgen.»

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan meldete sich am Dienstag ebenfalls zu Wort und bezeichnete Handke als «rassistische Person» und «Mörder».

Der Zerfall Jugoslawiens zu Beginn der 1990er Jahre war mit äußerst blutigen Kriegen zwischen Serbien und anderen Nachfolgestaaten einhergegangen. Allein in Bosnien gab es 100.000 Tote und zwei Millionen Vertriebene.

Auch wenn alle Seiten Kriegsverbrechen begingen, belegen Erkenntnisse der Zeitgeschichtsforschung sowie die Rechtssprechung des Internationalen Jugoslawien-Tribunals in Den Haag, dass die Kriege von Milosevic geplant und initiiert wurden und dass die meisten und schwersten Gräuel auf dessen Konto gingen.

Der Literaturnobelpreis war 2018 wegen eines Skandals ausgefallen, deshalb gab es in diesem Jahr zwei Preisträger: Olga Tokarczuk für 2018 und Handke für 2019.

(L'essentiel/kat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kaa am 11.12.2019 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den 2ten Skandal ass, datt déi sympatesch polnesch Nobel Laureatin am ganze Rummel ennergeet. Total onfair an onprofessionnel!

  • Julie am 11.12.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Der Nobelpreis wird immer fragwürdiger, nur eins von vielen Bsp.: Aung San Sau Kai, zuerst Nobelpreis und dann vor Gericht wegen Völkermord. Wer zieht da die Strippen , Nobel dreht sich im Grabe um

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  • Samuel am 11.12.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Österreicher ..

Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 11.12.2019 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den 2ten Skandal ass, datt déi sympatesch polnesch Nobel Laureatin am ganze Rummel ennergeet. Total onfair an onprofessionnel!

  • Samuel am 11.12.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Österreicher ..

  • Julie am 11.12.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Der Nobelpreis wird immer fragwürdiger, nur eins von vielen Bsp.: Aung San Sau Kai, zuerst Nobelpreis und dann vor Gericht wegen Völkermord. Wer zieht da die Strippen , Nobel dreht sich im Grabe um

    • John Doe am 11.12.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Weiteres Beispiel: Obama - mit mehr Kriegstagen und Bombenabwürfen als sein Vorgänger Bush...

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