In kleinen Mengen

06. Dezember 2021 08:51; Akt: 06.12.2021 08:51 Print

Psycho-​​Drogen, um die Pandemie zu überstehen

Eine Umfrage eines Suchtexperten zeigt, dass viele Menschen ihre psychischen Probleme während der Pandemie mit kleinen Dosen von Psychedelika behandelt haben.

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Angst, Stress und Depressionen - die psychischen Leiden haben während der Corona-Pandemie stark zugenommen. Eine Studie aus Großbritannien aus dem Jahr 2021 zeigt nun, dass viele Menschen in den letzten zwölf Monaten begonnen haben, winzige Dosen von Halluzinogenen wie etwa LSD und Zauberpilze zu konsumieren, um ihr psychisches Wohlbefinden zu verbessern.

Die Untersuchung wurde vom Londoner Psychiater und Suchtmediziner Adam Winstock geführt. Bei der Global Drug Survey wurden die Antworten zwischen Dezember 2020 und März 2021 von mehr als 32.000 Menschen aus über 20 Ländern ausgewertet. Dabei ging es um die Frage nach dem Konsum von Freizeitdrogen in Bezug zu den Auswirkungen der Covid-Beschränkungen.

Patienten mussten lange für Termine beim Psychiater warten

Adam Winstock ist überzeugt: «Die kleinen Dosierungen von Psychedelika haben sich in die Behandlung der psychischen Gesundheit verlagert», wie er gegenüber «The Guardian» sagt. Denn fast die Hälfte der Befragten gab an, dass sie dank der kleinen Mengen von halluzinogenen Drogen ihre verschriebene Psychopharmaka reduzieren oder gar absetzen konnte.

Unter Mikrodosierung versteht man den Konsum von knapp zehn Prozent einer üblichen Dosis, dies jedoch zweimal pro Woche. Durch die geringe Dosierung findet kaum eine Veränderung in der visuellen Wahrnehmung statt. Der Forscher vermutet, dass die Menschen während der Pandemie Mikrodosen halluzinogener Drogen ausprobiert hätten, unter anderem aufgrund der längeren Wartezeiten bei den psychiatrischen Diensten.

Mikrodosierung von Psychedelika kommt aus dem Silicon Valley

Der Umfrage zufolge experimentierten die Menschen mit einer Vielzahl von Psychedelika: Etwa ein Drittel derjenigen, die LSD oder sogenannte Zauberpilze (Psilocybin) in Mikrodosen konsumierten, gaben an, auch andere Substanzen ausprobiert zu haben, darunter Ecstasy (MDMA), Ketamin und Ayahuasca, ein starker halluzinogener Pflanzencocktail, der ursprünglich südamerikanischen Schamanen und Heilern vorbehalten war.

Der Trend zur Mikrodosierung potenter Halluzinogene ist nicht neu: Schon seit Jahren preisen Soft- und Hardware-Entwickler aus dem Silicon Valley die Wirkung der Einnahme von zehn bis 20 Mikrogramm alle paar Tage, um so ihre Kreativität und Leistung zu steigern. Eine «trippende» Dosis LSD liegt bei etwa 100 Mikrogramm. «Ich glaube, dass die Menschen jetzt dazu übergehen, Microdosing zur Bewältigung psychischer Probleme zu nutzen», meint Winstock.

In den meisten Fällen ist es nur ein Placebo-Effekt

Der britische Forscher hofft, dass die Studie die psychiatrischen Dienste und die Politik dazu ermutigt, sich mit dem Thema Mikrodosierung von Halluzinogenen auseinanderzusetzen, um den Konsum zu regeln. Bleibt die Praxis illegal, laufen Freizeitdrogenkonsumenten und -konsumentinnen Gefahr, versehentlich zu starke oder schädliche Dosen einzunehmen.

Die bisher größte Studie zu Psychedelika, die von Forschern des Imperial College in London durchgeführt wurde, ergab, dass die Gefühls- und Willenserregungen, die Menschen durch Mikrodosierung erleben, möglicherweise nur ein Placebo-Effekt ist. Teilweise sei um das Thema ein Hype entstanden, nicht zuletzt, weil «wirklich coole Leute von einem coolen Ort wie Silicon Valley Bestseller darüber schreiben, wie sich ihr Leben verändert hat», vermutet David Erritzoe, Direktor des Zentrums für Psychedelische Forschung an der britischen Hochschule.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Valchen am 06.12.2021 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    D’Rosa Péll! Super! Fällt Deenen Do dann NÉISCHT Aanescht méih an, wei d’Chemie Keule? :—//

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  • Valchen am 06.12.2021 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopfen an Malz verluer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Valchen am 06.12.2021 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopfen an Malz verluer.

  • Valchen am 06.12.2021 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    D’Rosa Péll! Super! Fällt Deenen Do dann NÉISCHT Aanescht méih an, wei d’Chemie Keule? :—//

    • @Valchen am 06.12.2021 09:42 Report Diesen Beitrag melden

      E Pilz as Natur ;) ....mee egal, Haaptsaach et mecht Spaass.

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