Antike Opferstätte

20. Februar 2018 16:19; Akt: 20.02.2018 16:21 Print

Rätsel um todbringendes Tor zur Unterwelt gelöst

Es galt einst als Wunder, wenn Priester Bullen und Böcke durch dichten Nebel in den Tod führten – selber aber überlebten. Jetzt ist klar, was dahintersteckt.

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Es war ein schauriges Spektakel, das sich im 2. Jahrhundert v. Chr. den Zuschauern im sogenannten Plutonion in Hierapolis bot. In der Opferstätte, die nach dem antiken Gott der Unterwelt Pluto benannt war, schickten Eunuchen-Priester allerlei Tiere in einen augenblicklichen Tod, ohne selber Hand anlegen zu müssen. Und die tödliche Gefahr lauert noch heute in den Ruinen oberhalb der türkischen Stadt Pamukkale, wie Forscher aus Deutschland im Fachmagazin «Archaeological and Anthropological Sciences» schreiben.

Die Opferstätte, die vor 2200 Jahren als Tor zur Unterwelt angesehen wurde, war erst vor sieben Jahren von italienischen Archäologen wiederentdeckt worden. Sie hatten beobachtet, wie Vögel nahe einer Höhle im ehemaligen Hierapolis tot vom Himmel fielen. Es war ein Phänomen, wie es auch von mehreren antiken Chronisten beschrieben worden war.

Der griechische Geschichtsschreiber Strabon (64 bis 24 v. Chr.) etwa schrieb, dass sich an diesem Ort ein undurchsichtiger Dunst sammle, so dicht, dass der Boden kaum wahrzunehmen sei. Tiere, die man in das Geviert bringe, selbst Stiere, würden sofort sterben. Er selbst habe einige Spatzen hineingeworfen, die sofort ihren letzten Atemzug genommen hätten. Tatsächlich wurden der Überlieferung zufolge kleine Tiere und Vögel an Besucher verkauft, die diese dann ins Plutonion werfen konnten.

Macht der Priester

Im Gegensatz zu den bedauernswerten Tieren schien der Nebel den Priestern nichts anhaben zu können. Weshalb das so war, erklärt das deutsche Forscherteam um den Vulkanologen Hardy Pfanz von der Uni Duisburg-Essen in seiner aktuellen Studie, wie «Science» schreibt. Demnach dringt dort seit jeher vulkanisches Kohlendioxid aus einer Spalte an die Oberfläche und sammelt sich in einer Art See am Boden des Plutonions. Mit zunehmender Höhe nimmt die Konzentration stark ab, weshalb die großgewachsenen Priester, Galli genannt, vor dem tödlichen Gas sicher waren, die Tiere aber nicht.

Die Eunuchen-Priester konnten so dem staunenden Publikum, für das es oberhalb des Tors zur Unterwelt eine Tribüne gab, ihre eigene Macht präsentieren, nach dem Motto: «Seht her, selbst der stärkste Stier stirbt, nur mir macht es nichts.» Daraus entstand die Legende, wonach sie über gottgleiche Kräfte verfügen mussten, um diesen Atem des Höllenhundes Kerberos zu überleben. Kleinere Priester standen übrigens auf Steinen, um die Nase über dem tödlichen Gas zu halten.

Zeremonien am Morgen

Die Opfergaben fanden meist am frühen Morgen statt. Auch dafür konnten die Forscher eine Erklärung finden. Ihren Messungen zufolge ist der CO2-Anteil der Luft in der Nacht und am Morgen am höchsten. Tagsüber sorgen die Sonne und der Wind dafür, dass das CO2 zurückgeht. Eine Tatsache, die den Priestern offenbar bekannt war.

Die Forscher hoffen nun aufgrund der Erkenntnisse weitere solche Opferstätten im Mittelmeerraum zu finden. So wollen sie zum Beispiel die genaue Lage des Plutonions von Acharaka, beim heutigen Salavatli in der Türkei, bestimmen.

(L'essentiel/jcg)

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