Studie beweist

24. März 2020 19:15; Akt: 24.03.2020 19:19 Print

Ratten können Hunger riechen

Forschende der Universitäten Bern, Neuenburg und Potsdam fanden heraus, dass hungrige Wanderratten anders duften als ihre satten Artgenossen. Dies hilft ihnen bei der Futtersuche.

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Wanderratten sind sehr soziale Tiere: Sie teilen das Futter und putzen sich gegenseitig das Fell. Um an Futter zu kommen, «betteln» sie bei ihren Artgenossen mit Rufen und Gesten. Diese Kommunikationsform macht aber eine Priorisierung schwierig: Wer benötigt wirklich dringend Futter, und wer täuscht den Hunger nur vor, um noch mehr Futter einzuheimsen?

Eine verlässliche Information ist in diesem Fall der Geruch der bettelnden Ratte. Denn hungrige Ratten riechen offenbar anders als satte Tiere. Diesen Schluss lässt die Studie zu, die im Fachjournal «Plos Biology» publiziert wurde.

Der Geruch des Hungers

In einem Experiment wurden Ratten Gerüche von entweder hungrigen oder satten Artgenossen vorgesetzt, die sich in einem anderen Raum befanden. Die Ratten konnten danach ihren Artgenossen Hilfe leisten, schneller an Futter zu kommen. Die Ratte, die den Geruchssignalen ausgesetzt war konnte ein Tablett mit Futter zu einer der beiden anderen Ratten hinziehen.

«Wir stellten fest, dass die Ratten schneller Hilfe leisteten, wenn sie Geruchssignale von einer hungrigen Ratte erhielten als von einer satten Ratte», erklärt Karin Schneeberger von der Universität Bern.

Ratten stoßen Geruchssignale aus

Ihr Kollege Gregory Röder von der Universität Neuenburg analysierte anschließend die Luft in der Umgebung der Ratten. Insgesamt konnte er sieben verschiedene flüchtige organische Verbindungen in der Luft identifizieren, die je nachdem entweder bei einer hungrigen oder einer satten Ratte häufiger vorkamen.

Diese Geruchssignale würden von den Ratten ausgestoßen und könnten direkt von kürzlich aufgenommenen Nahrungsquellen, von Stoffwechselprozessen bei der Verdauung, oder von einem mutmaßlichen Pheromon stammen, das Hunger anzeigt. Unter einem Pheromon wird eine Chemikalie verstanden, die ein Tier produzieren kann um das Verhalten seiner Artgenossen zu verändern.

«Im Gegensatz zu Rufen und Gestik ist es unwahrscheinlich, dass die Ratten diese Gerüche zu ihrem Vorteil steuern und somit die anderen täuschen können», sagt Karin Schneeberger. «Damit stellen sie für die Artgenossen eine ,ehrliche Information' bereit, auf die sich diese verlassen können.»

(L'essentiel/jab/sda)

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