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29. August 2017 10:40; Akt: 29.08.2017 11:11 Print

Reichsbürger wegen Mordes vor Gericht

Ein Routineeinsatz endete für einen Polizisten tödlich - mit einem Schlag wurden die «Reichsbürger» deutschlandweit bekannt. Jetzt beginnt der Prozess.

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Der sogenannte Reichsbürger Wolfgang P. trifft zu Prozessbeginn umringt von Polizisten am Landgericht Nürnberg ein. (Bild: DPA/Daniel Karmann)

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Wegen Mordes an einem Polizisten muss sich von diesem Dienstag an ein sogenannter Reichsbürger vor dem Landgericht in Nürnberg verantworten. Der 49 Jahre alte Mann hat laut Anklage im Oktober 2016 bei einem Routineeinsatz im mittelfränkischen Georgensgmünd den Beamten eines Spezialeinsatzkommandos erschossen. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt - einer erlitt einen Durchschuss am Unterarm, einer wurde durch einen Splitter im Gesicht getroffen. Hier lautet die Anklage auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Bei dem Einsatz sollten die Waffen des Hobby-Jägers beschlagnahmt werden, weil er bei den Behörden als nicht mehr zuverlässig galt. Bereits Monate zuvor war das Landratsamt auf Wolfgang P. aufmerksam geworden, nachdem ein Vollstreckungsversuch der Zoll- und Steuerbehörde bei ihm keinen Erfolg hatte. Im Sommer verweigerte der Besitzer von rund 30 Waffen dann mehrmals der Polizei und Waffenkontrolleuren den Zutritt zu seinem Grundstück.

Der Angeklagte soll mit Schutzweste und Waffen auf die Beamten gelauert haben

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wollte der Angeklagte bei dem Einsatz möglichst viele Polizisten verletzen oder töten. Dafür habe er sich in seiner Wohnung hinter einem Mauereck verschanzt - mit Schussmöglichkeit auf seine Wohnungstür. Er habe dabei eine Schutzweste getragen, die geladene Waffe schussbereit. Er habe abgewartet, bis er möglichst viele Beamte habe treffen können und dann durch die teilverglaste Tür elfmal abgefeuert.

Deutschlandweit geht der Bundesverfassungsschutz von etwa 12 600 Anhängern der «Reichsbürger»-Szene aus - bei mehreren hundert handle es sich um Rechtsextremisten. In Bayern wird mit mindestens 3000 «Reichsbürgern» gerechnet. Diese erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe fort. Sie sprechen Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide.

(dpa/L'essentiel)

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