«Gefährliche» Netzwerke

05. März 2019 19:51; Akt: 05.03.2019 20:01 Print

Schwere Vorwürfe gegen den WWF

Der WWF soll in Asien und Afrika kriminelle Wildhüter unterstützt haben. Das ergaben Recherchen von «Buzzfeed». Die Reporter sprechen von «Folter», «Missbrauch» und «Mord».

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Reporter des Onlinemagazins «Buzzfeed» haben ein Jahr lang recherchiert, mehr als 100 Zeugen befragt, tausende Seiten an internen Dokumenten ausgewertet und erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Natur- und Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Die Organisation mit dem niedlichen Panda-Logo soll in mehreren Ländern Afrikas und Asiens kriminelle Wildhüter finanziell und logistisch unterstützt haben.

Letzere sollen unter anderem in Nepal und Kamerun auf brutale Weise gegen angebliche Wilderer, aber auch gegen unbeteiligte Zivilpersonen vorgegangen sein. Dabei sind laut den Enthüllungen mehrere Menschen gestorben, weitere seien gefoltert oder sexuell missbraucht worden. Im Artikel ist von «Schmiergeldfonds» die Rede, von «Waffentraining» und «misslungenen Waffenkäufen».

Die Vorwürfe

• Dem Bericht zufolge hat der WWF Wildhüter unterstützt, die Dorfbewohner mit Gürteln, Macheten und Bambusstäben geschlagen haben sollen. Wildhüter sollen die Menschen auch sexuell missbraucht, gefoltert – unter anderem einen 11-jährigen Jungen aus Kamerun – und teils getötet haben.

• Wie «Buzzfeed» weiter schreibt, sollen WWF-Außendienstmitarbeiter in Asien und Afrika Anti-Wilderer-Missionen mit brutalen «Schocktruppen» organisiert haben. Es soll auch ein Vorschlag zur Tötung von Eindringlingen unterzeichnet worden sein. Verfasst wurde der Vorschlag den Reportern zufolge von einem Parkdirektor, der für den Mord an Dutzenden von Menschen verantwortlich sein soll.

• Der WWF soll paramilitärischen Streitkräften Gehälter, Ausbildung und Vorräte – darunter Messer, Nachtsichtferngläser, Schutzausrüstung und Schlagstöcke – zur Verfügung gestellt und Überfälle auf Dörfer finanziert haben. In der Zentralafrikanischen Republik sollen WWF-Mitarbeiter in einen am Ende misslungenen Waffenhandel verwickelt gewesen sein.

Ein ehemaliger WWF-Mitarbeiter erzählte den «Buzzfeed»-Reportern, dass er rekrutiert worden sei, um «das Geschäft zu tarnen, weil keiner unserer Geldgeber Waffen kaufen durfte.» Es sei geplant gewesen, Sturmgewehre von einer brutalen Armee zu kaufen.

• Die Wohltätigkeitsorganisation soll «gefährliche» und «geheime» Netzwerke von Informanten organisiert und finanziert haben, um Wildhüter mit Informationen zu versorgen – und das, obwohl öffentlich stets abgelehnt wurde, mit Informanten zu arbeiten.

Der Fall Shikharam Chaudhary

Ein Beispiel: 2006 soll Shikharam Chaudhary in Nepal von Wildhütern des Chitwan Nationalparks verhaftet worden sein. Die Männer sollen von einem verdächtigen Wilderer einen Hinweis erhalten haben, dass Shikharam, ein Bewohner des Dorfes Divyanagar, Informationen über ein Nashorn habe. Etwas mehr als eine Woche später war der Mann tot. Er soll von den Wildhütern gefoltert worden sein.

Der angebliche Mord an Shikaram im Jahr 2006 war laut «Buzzfeed» kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters, das bis heute Bestand habe. Die nepalesische Zeitung «Kathmandu Post» war ebenfalls an den Recherchen zu den WWF-Enthüllungen beteiligt und hat dazu einen Artikel veröffentlicht.

Das sagt der WWF zu den Vorwürfen

WWF International reagierte auf die Vorwürfe mit einem schriftlichen Statement, in dem betont wird, keine Brutalität seitens ihrer Partner zu dulden: «Menschenrechtsverletzungen sind völlig inakzeptabel und können niemals im Namen der Erhaltung gerechtfertigt werden.» Es wurde eine «unabhängige Überprüfung» unter der Leitung von Menschenrechtsspezialisten angeordnet.

Der WWF Schweiz wollte die Vorwürfe auf Anfrage von 20 Minuten nicht kommentieren und verwies auf die internationale WWF-Zentrale.

Reaktionen

In Großbritannien haben laut «Spiegel online» bereits Parlamentsabgeordnete die Regierung von Theresa May aufgefordert, die Vorwürfe zu untersuchen. Sie beziehen sich auf den Umstand, dass der WWF auch öffentliche Mittel für seine Projekte bekommt.

Die UNO-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, Victoria Tauli-Corpuz, habe gesagt, sie werde das Gespräch mit dem WWF suchen. Es sei bedauerlich, was passiert sei.

Der britische Abenteurer Ben Fogle reagierte auf den Buzzfeed-Artikel, indem er sein Amt als WWF-Botschafter niederlegte.

(L'essentiel/rab)

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