Finanzierungsprobleme

09. Januar 2020 12:55; Akt: 09.01.2020 12:58 Print

Schwimmendes Hotel endet in Nordkorea

Ein schwimmendes Luxushotel steht nun nach Finanzierungsproblemen und einer Tragödie geschlossen in Nordkorea.

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Das Luxus-Hotelschiff legte nur gerade etwas mehr als ein Jahr an seinem ursprünglichen Bestimmungsort an: Dem John Brewer Reef in Australien, rund 70 Kilometer vor Townsville, Queensland.

Das Schiff hat 200 Zimmer, Clubs, Bars, ein Fitnessstudio, eine Sauna und zwei Restaurants. Dazu kam ein Tennisplatz. Und obwohl das Luxushotel nur kurz vor Townsville ankerte, hinterließ es dort einen bleibenden Eindruck.

Direkter Zugang zum Great Barrier Reef

Das Schiff, das den etwas sperrigen Namen The Four Seasons Barrier Reef Ressort trug, war die Idee von Doug Tarca, einem Projektentwickler aus Townsville. Sein ursprünglicher Plan war, drei Kreuzfahrtschiffe permanent im Great Barrier Reef ankern zu lassen – diese Idee wurde aber verworfen.

Zusammen mit einer schwedischen Firma, die sich auf schwimmende Wohnräume spezialisiert hat, entwarf er das schwimmende Luxushotel. Der Bau des Schiffes war mit diversen Auflagen verbunden: Da es dauerhaft im Great Barrier Reef ankern sollte, musste das Schiff speziell gebaut werden.

So wurde eine spezielle, ungiftige Farbe verwendet, um den Rumpf zu streichen. Für das Abwasser gibt es eine Filteranlage und das gesäuberte Wasser wird mehrere Seemeilen außerhalb des Great Barrier Reef zurück ins Meer gekippt. Jede Form und jede Sorte Abfall musste auf das Festland transportiert wenden.

Pleiten, Pech und Pannen

Die Baukosten des Schiffes, das 1987 fertiggestellt wurde, beliefen sich auf rund 40 Millionen Dollar. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Vertrag lieferte das Unternehmen aus Singapur das Schiff aber erst im Januar 1988 an. Dann wurde das Schiff von einem Zyklon getroffen, was die Eröffnung um weitere zwei Monate verzögerte.

Als es im März endlich eröffnet wurde, war die Saison bereits vorbei. Die Gäste, die trotzdem kamen, hatten keine leichte Anreise: Sie wurden mit Wasser-Taxis 70 Kilometer vom Festland her zum Hotel transportiert – wenn es stürmte, war der Transport kaum möglich und die Gäste wurden seekrank. Dann fing der Haupt-Katamaran, mit dem die Besucher transportiert wurden, auf dem Festland Feuer. Alle diese Umstände, kombiniert mit schlechtem Marketing und Management, bedeuteten den Untergang des Luxus-Hotelschiffes.

Zweite Chance in Vietnam

Nach nur etwas mehr als einem Jahr wurde das Hotel geschlossen und an eine Firma in Vietnam verkauft. 1989 wurde es 5000 Kilometer nach Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon) geschleppt und dort als «Saigon Floating Hotel» eröffnet. Aber trotz des Tourismus-Booms, den Vietnam zu dieser Zeit erlebte, hatten die Besitzer bereits nach wenigen Jahren finanzielle Probleme und waren gezwungen, das schwimmende Luxushotel zu verkaufen.

Dieses mal wurde das Schiff nach Nordkorea verkauft und in die Ferienregion Kumgangsan («Diamantberg») an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea geschleppt. 1998 eröffnete es unter dem Namen Sea Kumgang Hotel und Hotel Haegumgang für Touristen aus Südkorea.

Tragischer Zwischenfall

In Nordkorea war das schwimmende Luxushotel durchaus erfolgreich: Zwischen 1998 und 2008 kamen über eine Million Gäste. Bis ein tragischer Zwischenfall das Schicksal des Hotels besiegelte: 2008 erschoss ein nordkoreanischer Soldat versehentlich eine südkoreanische Touristin, als diese am Rand eines militärischen Sperrgebiets unterwegs war.

Das Hotel wurde geschlossen, Touren in die Region für kurze Zeit verboten. Das schwimmende Hotel ankert zwar immer noch vor der Küste, ist aber bereits seit mehr als zehn Jahren verlassen. Der «Oberste Führer» Nordkoreas, Kim Jong-un, lässt derzeit diverse Gebäude in der Region abreißen. Die Zukunft des Luxusschiffes, das in 30 Jahren mehr als 14.000 Kilometer zurückgelegt hat, ist ungewiss.

(L'essentiel/mst)

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