Nordrhein-Westfalen

16. Oktober 2020 18:25; Akt: 16.10.2020 18:48 Print

SEK-​​Beamte erschießen Häftling nach Geiselnahme

Ein Häftling hat am Freitagmorgen eine Wärterin in der JVA Münster überwältigt und als Geisel genommen. Der Häftling hatte einen Helikopter und seine Freilassung gefordert.

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Er wirkte unberechenbar und drohte den Tod seiner Geisel an: Bei einem Polizeieinsatz im Gefängnis in Münster haben Spezialkräfte der Polizei am Freitag einen Häftling erschossen. Dem gewaltsamen Zugriff gingen Verhandlungen über mehrere Stunden voraus. Ausgelöst wurde der Alarm um 6.20 Uhr. Genau drei Stunden später war der Mann tot, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung am Mittag erklärten. Der Häftling habe einen Hubschrauber haben wollen, um zu fliehen. In drei Wochen wäre er ohnehin freigelassen worden.

Der Häftling hatte in den frühen Morgenstunden eine 29 Jahre alte Auszubildende überwältigt. Wie es von der Polizei hieß, bedrohte er sie außerhalb der Zelle mit einem aus einer «Rasierklinge gefertigten gefährlichen Gegenstand».

Keine Kontaktaufnahme möglich

Spezialisten der Polizei versuchten, mit dem Mann zu verhandeln. Dies gelang aber trotz «intensiver Kommunikationsversuche» nicht, wie es am Freitag hieß. Immer wieder habe der Häftling seiner Geisel die Klinge an den Hals gehalten und gedroht, sie zu töten. Seine Forderung: Ein Hubschrauber, um aus der JVA zu fliehen.

Weil der 40-Jährige einen psychisch unberechenbaren Eindruck machte, setzten die SEK-Beamten nach rund drei Stunden bei der Befreiung der Geisel eine Schusswaffe ein. Der Täter starb noch vor Ort. Aus Neutralitätsgründen hat die Dortmunder Polizei jetzt die Ermittlungen zu diesem Schusswaffeneinsatz übernommen.

Vier Monate Haft

Der Deutsche saß eine viermonatige Haftstrafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ab. Konkret ging es um einen Tritt gegen einen Polizisten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster hatte der wohnungslose und alkoholkranke Mann 2019 auf dem Gelände einer Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) randaliert. Die Pfleger riefen die Polizei. Der Mann wehrte sich und trat in Richtung eines Beamten. Das Amtsgericht verurteilte den Randalierer daraufhin zu einer Bewährungsstrafe.

Weil er in dieser Zeit den Bewährungsauflagen nicht nachkam, musste er ins Gefängnis. Warum er jetzt, kurz vor seiner Entlassung am 10. November, eine Geisel nahm, ist Teil der Ermittlungen, wie die Staatsanwaltschaft Münster erklärte. Die 29 Jahre alte Bedienstete sei körperlich nahezu unversehrt, sagte der Ministeriumssprecher. Laut Polizei wurde sie durch die Klinge leicht am Hals verletzt. «Ich bedauere den Tod des Strafgefangenen. Ich bin aber auch erleichtert über die geringen Verletzungen der 29-jährigen Bediensteten. Wir bieten ihr jegliche Hilfe an, um mit dem tragischen Vorfall fertig zu werden», sagte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

(L'essentiel/DPA)

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