Syrien

16. März 2021 15:31; Akt: 16.03.2021 16:16 Print

Shamima Begum trägt keinen IS-​​Schleier mehr

Der 21-jährigen Britin ist die Staatsbürgerschaft entzogen worden. Aus Syrien dürfe sie, erst nach England zurückkehren, wenn sie keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit sei.

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Mit 15 Jahren reiste die gebürtige Britin Shamima Begum 2015 nach Syrien zum «Islamischen Staat». (Bild: AFP/ METROPOLITAN POLICE)

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Sie ist 21 Jahre alt und hat bereits drei Kinder verloren. Das ist nicht der einzige hohe Preis, den Shamima Begum dafür zahlt, dass sie mit 15 Jahren im Islamischen Staat (IS) in Syrien leben wollte. Seit das so genannte Kalifat des IS zerstört wurde, lebt die gebürtige Britin in einem kurdischen Gefangenenlager im Nordosten Syriens. Die Staatsbürgerschaft wurde ihr entzogen, mit einer Rückkehr in die Heimat kann sie nicht rechnen – vor gut zwei Wochen hat das oberste Gericht in London ihren Antrag abgelehnt, in Großbritannien juristisch gegen die Aberkennung ihrer Staatsbürgerschaft vorgehen zu dürfen.

Eine Rückkehr der 21-Jährigen sei erst möglich, wenn gewährleistet sei, dass die öffentliche Sicherheit dadurch nicht gefährdet werde, so die Richter. Möglich, dass Begum und ihre Anwälte sich dies zu Herzen nahmen. Jedenfalls sind Fotos aus Camp Roj aufgetaucht, auf denen sich die ehemalige Britin ganz westlich zeigt: Unverhüllt, in Jeans, T-Shirt, Hoody und einer Sonnenbrille. Begum, die den britischen Fotografen mit Handschlag begrüßte, hatte den Aufnahmen zugestimmt. Ein Interview lehnte sie auf Anraten ihres Anwaltes jedoch «höflich ab».

«Wäre sie weiß, würden wir sie als Opfer sehen»

Auf der Insel ist die Debatte rund um die Richtigkeit der Aberkennung der Staatsbürgerschaft der gebürtigen Britin nach wie vor nicht abgeklungen. Menschenrechtsgruppen kritisieren die Entscheidung des obersten Gerichts und sprechen von einem «gefährlichen Präzedenzfall». Sie verlangen, dass Begum die Rückkehr nach Großbritannien erlaubt wird, damit sie dort einen fairen Prozess erhält.

Öl ins Feuer hat jetzt auch der bekannte britisch-indische Bildhauer Sir Anish Kapoor gegossen: «Wäre sie weiß, würden wir sie eher als Opfer sehen», teilte er öffentlich mit.

Wenn statt Begum und ihren drei Freundinnen sich 2015 vier weiße Schulmädchen auf den Weg nach Syrien gemacht hätten, um unter dem IS zu leben – «würden Sie sie als Terroristinnen oder als Opfer von Terroristen sehen?». Er habe keinen Zweifel daran, dass «wir verlangen würden, keinen Aufwand und Kosten zu scheuen, um sie in die sichere Heimat zurückzubringen», so Sir Anish und fragte: «Kann es sein, dass einige britischer sind als andere?». In seiner Mitteilung, die auch Begums Anwalt unterzeichnet hatte, fordert Sir Anish «mehr Mitgefühl und Verständnis» von der Regierung. «Der Fakt, dass sie zurückkehren will, zeigt, dass sie bereit ist, sich in Großbritannien für ihre Fehler vor dem Gesetz zu verantworten.»

Die Staatsbürgerschaft war Begum entzogen worden, kurz nachdem die gebürtige Britin 2019 in einem syrischen Flüchtlingslager gefunden worden war. Sie war damals im neunten Monat schwanger. Das Kind starb nach wenigen Wochen ebenso wie ihre zwei zuvor geborenen. Damals zeigte sie keine Reue, sich dem IS angeschlossen zu haben.

«Öffentliches Bekenntnis, mit dem IS gebrochen zu haben»

Die neuen Bilder legen demgegenüber einen Sinneswandel der 21-Jährigen nahe. «Das Camp teilt sich in Gruppen. Diejenigen Frauen, welche weiter die Ideologie des IS vertreten und jene, die sich davon komplett gelöst haben», sagt Lagerleiterin Nora Abdo. «Die zweite Gruppe wächst, der generelle Trend geht in Richtung Ablehnung des IS.» Frauen in dieser zweiten Gruppe würden sich bewusst westlich kleiden, so die Harvard-Forscherin Vera Mironova zu britischen Medien. «Das Ablegen des Schleiers ist ein öffentliches Bekenntnis, dass man mit dem IS gebrochen hat.»

Insofern halte sie es nicht für eine «Strategie», dass Begum sich westlich kleide. Wer den Schleier ablege, mache sich das Leben im Camp nicht unbedingt einfacher. Man verliere etwa Privilegien, da die IS-Anhängerinnen in den Camps wegen ihrer Netzwerke draußen leichteren Zugang zu Geld oder Mobiltelefonen hätten.

In Camp Roj leben rund 2600 ausländische Frauen und Kinder. Die kurdisch geführte Lagerverwaltung führt seit Jahren und auf eigene Rechnung auch rudimentäre Deradikalisierungs-Programme für die Insassen durch. Hier ist das möglich – im Gegensatz zum Lager al Hol mit seinen 62.000 Insassen. Es gilt als Brutstätte des Extremismus, zumal ein großer Teil der Insassen noch unter den Regeln des IS lebt. Ausbrüche und Morde sind an der Tagesordnung.

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nina am 16.03.2021 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Wäre sie weiss würden wir sie als Opfer sehen."Ëmmer gëtt alles op de Rassismus zréckgefouert wann et nët esou geet wéi si et gären hätten.Et sollt heeschen:Wenn sie nicht dem IS beigetreten wäre....D'Briten hu richteg gehandelt.Wéi et a Syrien goung du huet et seng britesch Nationalitéit ofgeluecht an et ass zur Terroristin ginn.

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  • CHAREL am 16.03.2021 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ass jo bestemmt net gezwonge ginn bei IS zegoen?????!!!!!

  • JP jr am 16.03.2021 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und? Alles nur sShow. Soll da bleiben wo es doch so wunderschön ist. Die Britten haben es gut gemacht und ihr die Nationalität abgesprochen, nicht so wie der Rest Europa.

Die neusten Leser-Kommentare

  • JP jr am 16.03.2021 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und? Alles nur sShow. Soll da bleiben wo es doch so wunderschön ist. Die Britten haben es gut gemacht und ihr die Nationalität abgesprochen, nicht so wie der Rest Europa.

  • Nina am 16.03.2021 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Wäre sie weiss würden wir sie als Opfer sehen."Ëmmer gëtt alles op de Rassismus zréckgefouert wann et nët esou geet wéi si et gären hätten.Et sollt heeschen:Wenn sie nicht dem IS beigetreten wäre....D'Briten hu richteg gehandelt.Wéi et a Syrien goung du huet et seng britesch Nationalitéit ofgeluecht an et ass zur Terroristin ginn.

    • An der Vakanz am 16.03.2021 21:20 Report Diesen Beitrag melden

      Sie ass dach waiss, just bessen brong vun der viller Sonn.

    einklappen einklappen
  • CHAREL am 16.03.2021 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ass jo bestemmt net gezwonge ginn bei IS zegoen?????!!!!!