Syrisches Mädchen

21. März 2016 07:57; Akt: 21.03.2016 07:59 Print

Sie zeichnet, was sie mit eigenen Augen sah

Schaharsad (8) zeichnet ihre Flucht aus dem syrischen Aleppo nach Europa. Ein trauriges Tagebuch in Bildern.

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Kinder rennen im Regen zwischen den Zelten im Flüchtlingslager Idomeni im nördlichen Griechenland umher. Die kleine Schaharsad Hassan spielt nicht mit. Die Achtjährige sitzt mit einem Notizblock in der Hand und ein paar billigen Filzstiften vor sich still da. Was sie in den vergangenen 18 Monaten erlebt hat, war zu viel, um jetzt Spaß haben zu können und mit anderen herumzutoben.

Schaharsad will lieber malen. Und so entstehen ihre Bilder und Zeichnungen, die vom Tod in ihrer Heimatstadt Aleppo handeln und von ihrer gefährlichen Reise nach Europa.

Das Kind sah tötende IS-Kämpfer

Das Mädchen mit einem pinkfarbenen Kapuzen-Sweatshirt sitzt auf dem Boden eines großen Zeltes im Lager an der Grenze zu Mazedonien. Vater Mohammed Hassan hockt neben der Kleinen und erklärt eine ihrer Zeichnungen. Sie zeigt tote Menschen und Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, ganz in Schwarz gekleidet, schießend. «Sie hat sie mit ihren eigenen Augen gesehen, mit ihren schwarzen Uniformen und Bärten», sagt er.

Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge, die jeden Tag Griechenland erreichen, sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien und dem IS-Terror geflohen. 46.000 Menschen sitzen in Griechenland fest, nachdem Österreich und die Balkanländer im vergangenen Monat mit Grenzbeschränkungen begonnen haben. Schaharsad, ihre Familie und 14.000 andere Flüchtlinge harren in der ausgedehnten Zeltstadt Idomeni aus. Die Lage hier hat sich nach Tagen mit sintflutartigem Regen verschlechtert.

Das Bild heißt «Hungersnot 2016»

Eine der Zeichnungen des achtjährigen Mädchens zeigt, was sich im Lager abspielt: Flüchtlinge stehen Schlange für Essen und andere Waren, mit denen sie ihre einfachsten Grundbedürfnisse stillen können. Das Werk hat einen Namen: «Hungersnot 2016».

«Das ist der Lastwagen, von dem aus Brot verteilt wird, und der Kameramann, der die Menschen filmt», erläutert der Vater. «Und das hier sind die Zelte mit den brennenden Feuern.» Die Flammen halten die Menschen warm. Sie strömen aber auch giftige Dämpfe aus, wenn die Leute mangels Brennmaterial Plastikabfälle verbrennen.

Ein sinkendes Flüchtlingsboot

Schaharsads Vater Hassan war früher Taxifahrer in Aleppo. Der syrische Kurde verkaufte sein Fahrzeug und zog mit der Familie in die nahegelegene syrische Stadt Afrin an der türkischen Grenze. Dann, als sein Geld ausging, entschloss er sich zur Reise nach Europa. Er möchte zu Verwandten reisen, die bereits in Deutschland leben.

Schaharsad hat auch den Weg über das Meer nach Griechenland festgehalten, einen Rettungseinsatz der griechischen Küstenwache, nachdem ein anderes Boot im Mittelmeer gekentert war. Ihr Vater zeigt auf eines der Bilder. «Diese Zeichnung zeigt ein sinkendes Boot und ein griechisches Schiff, das die Menschen aus dem Meer zieht», sagt er. Es ist eine von vielen traurigen Geschichten im Tagebuch eines Kindes.

Die Kinder spielen im Abwasser

Ein Spiegel-TV-Bericht aus Idomeni.

(L'essentiel/Quelle: YouTube/

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