Erste Aufzeichnung

24. April 2019 14:50; Akt: 24.04.2019 16:58 Print

So unheimlich klingt es, wenn der Mars bebt

Ein von der ETH Zürich mitentwickeltes Instrument hat auf dem Mars erstmals eine Erschütterung gemessen. Es ist die Geburt einer neuen Forschungsrichtung.

So tönte das Marsbeben. Dazu als Vergleich das Geräusch des Marswinds und des Roboterarms des Insight-Landers. (Video: JPL/Nasa)

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Gibt es Beben auf dem Mars? Forscher haben zum ersten Mal eine Erschütterung an der Oberfläche des roten Planeten gemessen. Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) schreibt in einer Mitteilung, dass ETH-Forscher am 6. April 2019 im Rahmen ihres Einsatzes für den Marsbebendienst ein mögliches Marsbeben in den Daten entdeckt hätten. Demnach ist es das erste Signal, das aus dem Inneren des Mars zu kommen scheint.

Seit Ende des vergangenen Jahres ist das sogenannte Seis-Instrument auf dem Mars aktiv. Das halbkugelförmige Gerät misst Vibrationen an der Oberfläche, die von seismischer Aktivität, aber auch von Umwelteinflüssen herrühren können. Experten der französischen Raumfahrtagentur Cnes gehen davon aus, dass die nun aufgezeichnete Bewegung ein Beben sein könnte.

Geburt der Mars-Seismologie

«Wir haben seit Monaten auf unser erstes Marsbeben gewartet», sagte Philippe Lognonné vom Pariser Institut de Physique du Globe (Institut für Erdphysik). «Es ist großartig, endlich ein Zeichen zu haben, dass es auf dem Mars noch seismische Aktivität gibt.»

Nasa-Wissenschaftler Bruce Banerdt sagte, die aufgezeichnete Erschütterung bedeute «die Geburt einer neuen Forschungsrichtung: der Mars-Seismologie». Zunächst müssen die Wissenschaftler allerdings noch herausfinden, ob die gemessene Erschütterung tatsächlich aus dem Inneren des Mars kam und nicht beispielsweise durch Wind verursacht wurde.

Instrumente funktionieren

Das Seis, kurz für Seismic Experiment for Interior Structure, entstand unter der Leitung der Experten der französischen Raumfahrtagentur Cnes. Das Labor für Raumfahrtelektronik und -instrumente der ETH Zürich entwickelte die Datenerfassungs- und Steuerungselektronik sowie die Stromversorgung.

Mithilfe der seismologischen Messungen hoffen die Forscher, mehr über den inneren schalenartigen Aufbau und die Zusammensetzung des Mars zu erfahren. Das liefert Hinweise darauf, wie sich der Planet seit seiner Entstehung entwickelt hat.

Laut dem SED sind die bisher aufgezeichneten Ereignisse zu klein, als dass sie nützliche Daten über das tiefe Innere des Mars liefern könnten. Sie werden aber als Beleg dafür gewertet, wie gut die an der ETH Zürich entwickelten Datenverarbeitungs- und Analysesysteme funktionieren.

(L'essentiel/jcg/afp)