Gesunder Darm

04. August 2021 12:38; Akt: 04.08.2021 12:38 Print

Sorgt ein Mikrobiom für Langlebigkeit?

Nur wenige Menschen werden uralt und erreichen ein Alter von über 100 Jahren. Laut japanischen Forscherinnen und Forschern könnte das Geheimnis in ihrem Darm liegen.

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Weltweit gibt es nur wenige Menschen, die uralt werden und ein Alter von über 100 Jahren erreichen. Doch erstaunlich ist, dass diese Personen auch noch fit und gesund sind, während andere schon früher an chronischen Krankheiten leiden. Haben diese Menschen ein spezielles Geheimnis? Ganz alleine hat man sein Schicksal aber nicht in der Hand. Gesunde Ernährung, ein glückliches Sozialleben und viel Bewegung kann aber ganz sicher hilfreich sein, um etwas älter als der Durchschnitt der Menschheit zu werden.

Doch auch das Erbgut ist mitentscheidend. Der Einfluss der Gene könnte aber massiv geringer sein wie bisher angenommen. Bisher wurde angenommen, dass die Gene 20 bis 30 Prozent der Lebensdauer ausmachen. Eine Studie konnte nun aber aufzeigen, dass die Lebensdauer zu weniger als zehn Prozent von den Genen vorbestimmt ist. Doch in der Altersforschung gibt es auch noch andere Erklärungen. Diese sind aber eher umstritten. So zum Beispiel die sogenannten Langlebigkeitsinseln. Also Inseln, wo besonders viele extrem alte Menschen leben. Okinawa in Japan oder Sardinien in Italien sind solche Ortschaften, nur um mal zwei zu nennen. Doch weil diese Begründungen eher umstritten sind, hat man nun neue Antworten gesucht. Und bei diesen Untersuchungen ist das Mikrobiom in den Fokus der Forscherinnen und Forscher rund um Yuko Sato von der japanischen Keio Universität gerückt.

Der Gesundheitszustand von älteren Menschen hänge unter anderem von den Veränderungen der Darmbakterien ab. Der Stoffwechsel, die Knochengesundheit, neurologische Funktionen sowie die Immunabwehr werden dadurch beeinflusst. Bei gesunden Menschen, die über 77 Jahre alt sind, haben die Forschenden festgestellt, dass zuvor häufige Bakterien weniger werden, seltene Arten werden hingegen mehr. Dadurch entstehen mehr entzündungshemmende Stoffwechselprodukte, welche vor Krankheiten schützen können.

Die Darmflora kann auch bei Salmonellen entscheidend sein

Doch nicht nur im Bezug auf neurologische Krankheiten kann der Darm eine entscheidende Rolle einnehmen. Eine weitere Studie hat herausgefunden, dass die Darmflora auch vor einer möglichen Salmonellen-Infektion schützen kann. Doch von Anfang an. Eine Infektion mit Salmonellen kann fies sein. Die Bakterien gelangen meistens durch verunreinigte Lebensmittel in den Verdauungstrakt. Während einige Menschen gar nichts von der Infektion bemerken, verläuft sie bei anderen schwer. Die Betroffenen haben starke Magen-Darm-Beschwerden. Im Extremfall kann eine Salmonelleninfektion sogar zum Tod führen. Warum die Erkrankung so unterschiedlich schwer ausfällt, war bisher weitgehend unbekannt.

Die Mikrobiologin Alyson Hockenberry hat nun eine mögliche Ursache entdeckt: die natürliche Darmflora der Infizierten und ihre Stoffwechselprodukte. Kurzkettige Fettsäuren, die von im Darm ansässigen Bakterien produziert werden, können den Verlauf der Salmonellen-Infektion beeinflussen. Das hat sie gemeinsam mit weiteren Forschenden des Wasserforschungsinstituts Eawag und der ETH Zürich herausgefunden. Doch gibt es irgendwelche Lebensmittel, die einer Salmonellen-Infektion vorbeugen können?

Salmonellen tricksen den Körper aus

Die Salmonellen-Erreger möchten sich im Darm einnisten und die natürliche Darmflora verdrängen, um selbst den Darm zu besiedeln. «Ein Trick ist das Ausbilden unterschiedlicher Zelltypen innerhalb einer Population genetisch identischer Bakterien», sagt Hockenberry. Die verschiedenen Zelltypen haben alle ihre eigenen Aufgaben. Ein Zelltyp ist zum Beispiel darauf spezialisiert, Entzündungen in der Darmschleimhaut auszulösen. Die Entzündung führt zum Absterben der natürlichen Darmflora. Dort bilden sich dann Nischen für die Ansiedlung der Salmonellen-Bakterien. Ein zweiter Zelltyp ist darauf spezialisiert, so schnell wie möglich zu wachsen. Er besetzt dann die frei gewordenen Nischen. Durch das Zusammenspiel der beiden Zelltypen bekommen die Salmonellen-Bakterien einen Vorteil. Sie verdrängen so innerhalb kürzester Zeit die natürliche Darmflora und machen sich in den geschaffenen Nischen selbst breit.

Die Darmflora ist aber nicht wehrlos. Die Forscher haben rausgefunden, dass die natürlichen Stoffwechselprodukte der Darmflora das Wachstum des Zelltyps, der für die Entzündung verantwortlich ist, verlangsamen können. Kurz gesagt: Es gibt Menschen, deren Darmflora eine Salmonellen-Infektion komplett verhindern kann. Bei anderen Menschen kann die Darmflora hingegen nichts oder nur ganz wenig gegen Salmonellen entgegensetzen.

(L'essentiel/Florian Osterwalder)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jedem sein Mikrobiom am 05.08.2021 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    da 'das' Mikrobiom von der Ernährung abhängt, gibt es nicht nur 'ein' Mikrobiom, sondern eine Vielfalt an Mikrobiomen ...

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  • jedem sein Mikrobiom am 05.08.2021 08:34 Report Diesen Beitrag melden

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