Attentat in Strassburg

12. Dezember 2018 09:34; Akt: 12.12.2018 12:07 Print

Wollte sich Chérif C. an den Behörden rächen?

Nach dem Attentat in Straßburg ist der Täter flüchtig. Der polizeibekannte Gefährder wurde bereits vor der Tat gesucht – nun wird über sein Motiv spekuliert.

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Deutsche Polizisten kontrollieren an der deutsch-französischen Grenze in Kehl alle Fahrzeuge, die aus Straßburg heraus fahren. (Bild: DPA/Christoph Schmidt)

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Die deutschen Sicherheitsbehörden sind nicht nur an der Suche nach dem Attentäter von Straßburg beteiligt, sondern fahnden auch nach dessen Bruder. Die beiden französischen Staatsbürger wohnten nach Informationen aus Sicherheitskreisen zuletzt in Straßburg.

Die Brüder würden in Frankreich als radikalisiert eingestuft und dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Berliner Tagesspiegel am Mittwoch. In Deutschland tauchen die Namen des mutmaßlichen Attentäters Chérif C. und seines Bruders Sami C. allerdings nach dpa-Informationen nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Schwelle für eine Registrierung in der französischen «fiche-S-Datei» sei deutlich niedriger als für die Aufnahme in die deutsche Gefährder-Datei.

War Rache der Auslöser für die Tat?

Der mutmaßliche Attentäter hatte wegen schweren Diebstahls von Anfang 2016 bis Februar 2017 in Deutschland eine Haftstrafe verbüßt – zuerst in Konstanz. Nach Informationen des Tagesspiegel wurde er später in die Justizvollzugsanstalt Freiburg verlegt. Im Februar 2017 wurde er nach Frankreich abgeschoben.

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte Rache gewesen sein, spekulierte der Tagesspiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise. Möglicherweise habe Chérif C. auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

Bisher nicht wegen Terrorismus auffällig

Eine terroristischer Hintergrund sei im Moment noch nicht sicher, sagte davor der Staatssekretär im französischen Innenministerium, Laurent Nuñez, am Mittwochmorgen dem Sender RTL. Der mutmaßliche Täter sei zwar polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Er sei mehrfach im Gefängnis gewesen und dort sei auch eine Radikalisierung festgestellt worden.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter auf der Sicherheitsakte «Fiche S» geführt worden sei – einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein. Frankreichs Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Das bedeutet etwa verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes.

Gesucht wegen Mordes

Chérif C. hätte einem Medienbericht zufolge eigentlich schon am Dienstagmorgen verhaftet werden sollen. Wie France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war er jedoch nicht zu Hause. Demnach wird dem 29-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen. Die Tat soll er im vergangenen August begangen haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung Stunden vor den Schüssen sollen Granaten gefunden worden sein, wie France Info und die Zeitung Le Parisien berichteten.

Bei dem tödlichen Terroranschlag in Straßburg am Dienstabend sind zwei Menschen getötet und vierzehn verletzt worden. Ein Mann, vermutlich der gesuchte Chérif C., hatte am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet.

(L'essentiel/dpa)

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