Seit 1915 verschollen

25. Juli 2021 20:36; Akt: 25.07.2021 20:36 Print

Suche nach Unglücksschiff Endurance geplant

Anfang 2022 wollen Forschende in einer Suchaktion Ernest Shackletons Schiff Endurance finden, dessen Untergang am Anfang einer unglaublichen Überlebensgeschichte stand.

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Es ist eines der großen Rätsel der Seefahrtsgeschichte: Wo befindet sich das Wrack der Endurance, die 1915 im antarktischen Weddell-Meer sank? Eine erste Suche musste vor zwei Jahren abgebrochen werden, nachdem ein Roboter-U-Boot verschwunden war. Nun wird ein neuer Anlauf unternommen, das Polarschiff des britischen Forschers Ernest Shackleton zu finden, zu vermessen und zu filmen.

Shackleton war vor gut 100 Jahren aufgebrochen, um mit seinem Team erstmals die Antarktis zu durchqueren. Sehr weit kam er allerdings nicht. Sein robustes Holzschiff wurde vom Eis eingeschlossen, langsam zerdrückt und musste am 27. Oktober 1915 schließlich aufgegeben werden. Was folgte, war ein monatelanger Kampf gegen die Bedingungen in einer der unwirtlichsten Regionen der Welt, den wie durch ein Wunder alle 28 Besatzungsmitglieder überlebt haben.

Reise im Eisbrecher

Nun soll dieser «heroischen Geschichte», wie sie der Organisator der Expedition der Falklands Maritime Heritage Trust nennt, ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Das Wrack wird in einer Tiefe von etwa 3200 Metern unter dem Larsen-C-Schelfeis vermutet.

Dorthin bringen soll die Forscher im nächsten Februar der südafrikanische Eisbrecher Agulhas II, der gleichzeitig eines der modernsten Forschungsschiffe ist. Mit an Bord ist auch ein internationales Forscherteam, das die Eis- und Klimabedingungen der antarktischen Umwelt studieren wird.

Was hat Shackleton zurückgelassen?

Obwohl die Endurance vom Eis zerdrückt wurde, dürften ihre Planken wegen der extremen Kälte, der Dunkelheit und dem geringen Sauerstoffgehalt des Wassers gut erhalten sein. Da die Konstruktion des Schiffes sehr robust war, könnte das Schiff größtenteils intakt sein. Die Forscher hoffen, im Wrack Glasbehälter, ein Mikroskop, Fotoplatten und möglicherweise das Tagebuch des Schiffsarztes Alexander Macklin zu finden.

Allerdings werden dem Wrack keine Artefakte entnommen. Die eingesetzten Roboter-U-Boote vom Typ Saab Sabertooth seien nicht dafür ausgerüstet, Proben vom Wrack oder dem Meeresboden zu nehmen, wie der Falklands Maritime Heritage Trust schreibt. Stattdessen soll mit Kameras und Scannern erkundet werden, was Shackleton und sein Team auf der Endurance zurücklassen mussten. Außerdem hoffen die Forscher, mithilfe der Roboter-U-Boote eventuell sogar neue Tierarten zu entdecken.

Klimaerwärmung hilft

Mensun Bound, der Forschungsdirektor der Endurance 22 genannten Expedition, erklärte in einer Mitteilung, dass der Versuch, das Wrack zu finden, obwohl man es lange für unmöglich hielt, eine außerordentlich aufregende Vorstellung sei. «Aufgrund der Rauheit der antarktischen Umwelt gibt es keine Erfolgsgarantie, aber wir bleiben inspiriert von den Polarforschern und starten Endurance 22 mit großen Hoffnungen.» Mit der bestmöglichen Technologie und einem Weltklasse-Team hoffe und bete man, dass man einen Meilenstein der Polargeschichte erreichen könne, so Bound.

Profitieren könnten die Forscher von den Auswirkungen des Klimawandels. Bound sagte dazu dem «Guardian», die Erwärmung der Arktis sei absolut verheerend, doch die Eisschmelze habe die Chancen erhöht, das Schiffswrack zu finden.

Insgesamt wird die Besatzung der Agulhas II 50 Personen umfassen, darunter auch Spezialisten des US-Unternehmens Ocean Infinite, die die Sabertooth-Roboter bedienen werden. Auch an der Expedition teilnehmen wird Richard Garriott, der erste Mensch, der sowohl im All, an beiden Polen und am tiefsten Punkt des Ozeans war. «Endurance 22 ist zweifelsohne eine der bedeutendsten Expeditionen, die in letzter Zeit unternommen worden ist», so Garriott.

(L'essentiel/Jean-Claude Gerber)

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