Unwetter in Italien

30. Oktober 2018 10:48; Akt: 30.10.2018 14:49 Print

Zehn Tote bei schwersten Stürmen seit 50 Jahren

Schwere Unwetter legen Italien lahm. 70 Prozent der historischen Altstadt von Venedig sind überflutet. Auch aus Österreich und Kroatien werden große Schäden gemeldet.

In Rom knickte der Wind Bäume um wie Streichhölzer. (Quelle: Leser-Reporter)

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Unwetter haben fast ganz Italien getroffen und schwere Schäden angerichtet. Mindestens zehn Menschen starben. Auf die Brenner-Autobahn in Südtirol rutschten Erdmassen. Die wichtige Verkehrsverbindung zwischen Österreich und Italien wurde am Montag zeitweise gesperrt.

Italienische Medien berichten, die aktuellen Stürme seien die schwersten, die seit den vergangen 50 Jahren die ligurische Küste getroffen haben. Im Küstenort Rapallo, rund 30 Kilometer südöstlich von Genua, riss der Sturm zahlreiche Luxusjachten aus ihren Vertäuungen und ließ sie aufs Ufer krachen. Mehrere Dutzend Jachten wurden zerstört, meldete die Zeitung La Repubblica. «Es ist ein starker Eindruck, im Dunkeln die Silhouetten der Jachten vorbeiziehen zu sehen, die dann zerschellen», sagte ein Augenzeuge Ansa. In ganz Ligurien waren 22 000 Haushalte ohne Strom.

Wegen der Unwetter wurden in der nordwestlichen Region Ligurien alle Häfen geschlossen. Ankommende Schiffe müssten vor der Küste auf ein Ende des Sturmes warten, teilte Regionalpräsident Giovanni Totti am Montagabend in Genua mit. Acht bis zehn Meter hohe Wellen brachen sich an der Küste der italienischen Riviera. Auch der internationale Flughafen Cristoforo Colombo in Genua war am Dienstagmorgen dicht. Alle Flüge seien gestrichen worden, meldete Ansa.

Markusplatz unter Wasser

In Venedig löste starker Scirocco-Wind im Zusammenspiel mit Hochwasser in der Lagune die als «Acqua Alta» bekannten Überschwemmungen aus. Der berühmte Markusplatz stand am Nachmittag 1,56 Meter tief unter Wasser. Er blieb über mehrere Stunden gesperrt, da selbst die üblichen Holzstege nicht mehr reichten, um ihn sicher und trockenen Fußes zu überqueren. Die Polizei brachte Touristen in Sicherheit.

In Rom knickte der Wind Bäume um wie Streichhölzer, Antennen flogen von den Dächern. In der Provinz Frosinone südlich von Rom kamen am Montag zwei Menschen ums Leben, als ein Baum auf ihr Auto stürzte, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

In Venedig waten die Menschen durch tiefes Wasser. (Video: Leser-Reporter)

In Terracina in der Region Latium, in Neapel und in Savona in Ligurien starben insgesamt vier Menschen. Eine weitere Person kam in Feltre in der Dolomiten-Provinz Belluno ums Leben. Schon am Sonntag waren mindestens fünf Menschen gestorben.

Die Schlechtwetterfront mit Starkregen und Sturmböen lähmte das Land praktisch von Nord bis Süd. Schulen und Kindergärten blieben in vielen Regionen geschlossen, darunter in Venetien, in Ligurien, in ganz Rom und in Teilen der Toskana.

Höchste Alarmstufe in Südtirol

In Südtirol rief der Zivilschutz die höchste Alarmstufe Rot aus, das bedeute, dass ein «Katastrophenfall» möglich sei. «Der Boden kann nur mehr wenig Wasser aufnehmen», erklärte die Feuerwehr. Damit steige die Gefahr für weitere Erdrutsche. Auch die Flüsse dürften weiter anschwellen.

Auf der Autobahn zwischen Brenner und Sterzing hatte schon am Sonntag ein Erdrutsch mehrere Autos erfasst, es gab aber keine Schwerverletzten. Auf Bildern war zu sehen, wie Autos im braunen Schlamm feststecken.

Markusplatz in Venedig evakuiert

In Venetien war die Lage angespannt. Vor allem in Venedig ist man Hochwasser gewohnt, doch die Lage am Montag war so kritisch wie selten. Bürgermeister Luigi Brugnaro zeigte sich in einem Video vor dem Markusplatz – dahinter reißende Wassermassen. Der Platz sei evakuiert worden, die Polizei trug Kinder durch das Wasser.

Am Nachmittag wurden 156 Zentimeter über dem Meeresspiegel gemessen – so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das bedeutet, dass 70 Prozent der historischen Altstadt überflutet sind. Und das Wasser in der Unesco-Welterbestadt sollte weiter steigen. Brugnaro rief alle Bewohner auf, zuhause zu bleiben. Im Hinterland, im bekannten Skiort Cortina d'Ampezzo, mussten Dutzende Menschen ihre Häuser räumen.

In Ligurien war ebenfalls höchster Alarm. Der Zivilschutz sprach von einer Sturmflut mit Wellen, die bis zu sieben Meter erreichen könnten, meldete Ansa. In dem Ort Monterosso in der Touristengegend Cinque Terre mussten die Menschen Erdgeschosswohnungen verlassen. In Rom knickten Bäume im Zentrum um, Autos wurden zerquetscht, Straßen gesperrt. Das Kolosseum, der Palatin-Hügel und die Kaiserforen wurden für Besucher gesperrt.

Schiffsverkehr eingestellt

Weiter im Süden blieben Schiffe im Hafen, so wurde zwischen Neapel und der Insel Ischia der Verkehr eingestellt. In Alghero auf Sardinien sprachen Medien von Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle. Immerhin: Am Dienstag sollte sich das Wetter ein wenig bessern, jedoch warnte der Wetterdienst 3B Meteo vor neuen Unwettern im Nordwesten.

Nicht nur Italien, auch Kroatien war betroffen. Die Autobahnen rund um die nördliche Hafenstadt Rijeka wurden nach Medienberichten wegen Starkregens vorerst für den Verkehr gesperrt. Wegen Sturms mit Orkanböen fielen zwischen Dubrovnik und Rijeka zahlreiche Fährverbindungen vom Festland zu den Inseln aus. Der staatliche Wetterdienst erließ am Montagmorgen für die gesamte kroatische Küstenregion höchste Warnstufe.

In Österreich sollten angesichts von Hochwasser und drohender weiterer Regenfälle die Schulen in Teilen Kärntens und in Osttirol am Dienstag geschlossen bleiben, so die Behörden. Sorgen bereitet auch der Sturm. Die Menschen im Raum Klagenfurt wurden aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben.

800 Autos stecken in Frankreich fest

Nach einem verfrühten Wintereinbruch mit heftigem Schneefall stecken in Zentralfrankreich rund 800 Autos auf etlichen blockierten Regionalstraßen fest. Fast 200 Menschen müssen in Notunterkünften übernachten. Wie die Präfektur des Departements Haute-Loire am Montagabend mitteilte, hätten etliche gestrandete Autofahrer ihre Fahrzeuge auf der Straße zurückgelassen, was wiederum die Räumfahrzeuge blockiere.

Knapp 200 Menschen seien in Notunterkünften aufgenommen worden, 1350 Haushalte in der Region seien ohne Strom. Neben sämtlichen Räumdiensten der Umgebung seien 150 Helfer von Polizei, Feuerwehr und Militär im Einsatz.Bei Minustemperaturen war die Schneefallgrenze am Abend auf 400 Meter gesunken, zugleich gab es kräftige Windstösse. Für Dienstag wurde etwas milderes Wetter vorhergesagt.

Die Behörden hatten zuvor die zweithöchste Warnstufe ausgerufen und einige Straßen durch die Gebirge für Lastwagen gesperrt. Autofahrer wurden aufgefordert, sich nur mit Winterausrüstung auf den Weg zu machen.

Die Überschwemmungen in Frankreich sind nicht ganz so schlimm wie in Italien, wie das Bild eines Lesers aus Saint-Tropez zeigt.

(L'essentiel/gux/sda/afp)

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