Massaker

12. November 2019 07:08; Akt: 12.11.2019 10:13 Print

«Trugen sie so lange, bis wir nicht mehr konnten»

Im Norden Mexikos wurden neun Anhänger einer Mormonen-Gemeinde ermordet, darunter auch die Mutter von Devin Langford (13). Um Hilfe zu holen, lief er 22 Kilometer.

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«Geh in Deckung – sofort!» Das waren die letzten Worte, die der 13-jährige Devin Langford von seiner Mutter hörte. Sie, seine zwei jüngeren Brüder und weitere zwei Frauen und vier Kinder im Alter zwischen acht Monaten und elf Jahren wurden vergangene Woche im nordmexikanischen Bundesstaat Sonora in ihren insgesamt drei Fahrzeugen erschossen. Alle waren Mitglieder einer Mormonen-Gemeinde, die in der Nähe wohnten.

Fünf bis sechs Kinder, darunter eines mit einer Schussverletzung, waren nach dem Angriff zu Fuß nach Hause geflüchtet. Einer davon war der 13-jährige Devin Langford. Gegenüber dem US-amerikanischen TV-Show Good Morning America spricht er zum ersten Mal über das Erlebte. «Meine Mutter versuchte zu beten und gleichzeitig vergeblich, das Auto neu zu starten, um uns da raus zu bringen», so der Teenager.

Anfangs hätten die Angreifer ihr Auto gerammt und dann gleich damit begonnen, auf sie alle zu schießen. Sie seien aus dem Auto geholt und zu Boden gebracht worden, «danach sind die Angreifer abgefahren», so Devin Langford, der bei der Attacke unverletzt blieb.

«Fragte mich, ob mich jemand verfolgt»

Er und andere Kinder wollten fliehen, doch den meisten – darunter auch seine Schwester und sein Bruder, dem in die Hüfte geschossen wurde – war es aufgrund ihrer Verletzungen unmöglich, weite Strecken zu laufen. «Wir haben sie so lange getragen, bis wir nicht mehr konnten», erinnert sich Langford. Er versteckte seine stark blutenden Geschwister daraufhin in einem Gebüsch und bedeckte sie mit Blättern – dann begann er zu laufen, um Hilfe zu holen. Ganze 22 Kilometer. Dabei soll er ständig um sein Leben gefürchtet und an seine Mutter und seine Geschwister gedacht haben. «Ich fragte mich, ob mich jemand verfolgt und ebenfalls erschießen will», erzählt Langford.

Er fühle sich nicht als Held, sagt der 13-Jährige vor der TV-Kamera. Sein Vater David Langford widerspricht: «Für mich ist mein Sohn ein Held. Dies, weil er für seine Geschwister sein Leben riskiert hat.»

Die Hintergründe des Massakers waren Tage später weiter unklar – die mexikanischen Behörden spekulierten über einen möglichen Zusammenhang mit einem Revierkampf zwischen zwei Drogenkartellen. Die Opfer waren Staatsbürger sowohl Mexikos als auch der USA. Die mexikanische Regierung kündigte an, bei den Ermittlungen mit der US-Bundespolizei FBI zusammenzuarbeiten.

Hohe Gewaltraten

US-Präsident Donald Trump forderte das Nachbarland auf Twitter auf, mit US-Hilfe in den Krieg gegen die Kartelle zu ziehen. Die mexikanischen Behörden betonten, dass die am Tatort aufgefundenen Hülsen von Kugeln aus den USA stammten.

Mexiko leidet seit Jahren unter hohen Gewaltraten. Im vergangenen Jahr wurden in dem 130-Millionen-Einwohner-Land mehr als 36.000 Morde registriert – also rund 100 pro Tag. Die Gewalt geht zu einem großen Teil auf das Konto von Banden, die in Drogenhandel sowie in Entführung und Erpressung verwickelt sind. Sie haben oft Verbindungen zu örtlichen Sicherheitskräften

(L'essentiel/rab)

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  • Jerry am 12.11.2019 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quizfrage: stammen diese Kugeln von Obama’s ‘Fast and furious’ Operation, wo er die Drogenkartelle mit Kriegswaffen belieferte?

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