Gartentrend

20. Mai 2021 07:52; Akt: 20.05.2021 08:34 Print

Umweltschützern graust es vor Schottergärten

Mit der Mischung aus Gestein und sparsamem Grün erinnern Schottergärten fast an Landschaften weit entlegener Planeten. Sie sind aber Realität in vielen Wohnsiedlungen.

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Dort, wo man es wohl nicht unbedingt erwartet, hat der Diplom-Biologe Ulf Soltau dem Schottergarten ein Denkmal gesetzt. Dank ihm ziehen sich lange Kieselbeete durch die Hochglanz-Plattform Instagram. Sein Account heißt: «Gärten des Grauens».

Angesprochen auf seine Motivation spricht «Gärten des Grauens»-Schöpfer Soltau von einer «Flut von Fotos moderner Schottergärten in den Hochglanzwerbebroschüren». Den «Lügen der Werbebranche», dass Schottergärten pflegeleicht seien, wollte er demnach «mit Mitteln der Satire begegnen». «Ich wollte sie lächerlich und darüber gesellschaftlich unmöglich machen», sagt der Buchautor.

Bodenversieglung und fehlender Lebensraum

Wie viele Hektar Schottergarten es in Deutschland gibt, dazu hat das Bundesumweltministerium nach eigenen Angaben «keine gesicherten Informationen». Eine Sprecherin des Ressorts von Bundesministerin Svenja Schulze (SPD) betont auf dpa-Anfrage, dass in Schottergärten wegen der «Versieglung des Bodens» oft «wenige bis keine Pflanzenarten» zu finden seien und sie auch «keine Lebens- und Nahrungsgrundlage für Tiere» böten. Ein Verbot dieser Form des Gartenbaus falle aber in die Zuständigkeit der Länder.

Etwa in Baden-Württemberg sind Schottergärten demzufolge nach Naturschutzgesetz und in Bremen und Hamburg nach Bauordnung verboten. Im Rest der Republik gebe es zudem einige Kommunen, die diese Form des Gartenbaus beispielsweise mittels Bebauungsplänen untersagen würden.

Dem Naturschutz entgegen

«Schottergärten widersprechen jedem Gedanken zur Verbundenheit mit der Natur», heißt es vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf dpa-Anfrage. Nach Einschätzung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) braucht es in deutschen Gärten vor allem mehr Blühpflanzen, Sträucher und Bäume. Diese böten Nahrung für Insekten und Lebensraum für andere Organismen. Und mehr noch: «Durch Verdunstungskälte und Schatten können Städte mit der entsprechenden Bepflanzung in Gärten für Abkühlung sorgen», sagt BUND-Sprecherin Corinna Hölzel. Schottergärten demgegenüber heizen sich vor allem im Sommer stark auf.

In der hell- bis dunkelgrauen Welt von «Gärten des Grauens» hat das Grün von Pflanzen augenscheinlich höchstens eine dekorative Funktion. Auf einem der von Soltau gesammelten Bilder steht eine rosa Gießkanne in einem dunkelgrauen Meer aus groben Steinen. An der Seite ist die Gießkanne aufgeschnitten, obendrauf ein bisschen Grün - in ihrem Inneren: noch mehr Steine.

«grundsätzlich eine Rückbaupflicht»

Zu dem Bild schreibt der Diplom-Biologe: «Kunstvoll sezierte Plastikgießkannen» brächten «ein wenig Freude und Farbe ins Vorgarten-Leichenschauhaus». Auf Instagram folgen seinem Account mehr als 83 000 Menschen. Monatlich bekomme er gut 1500 Bilder von Schottergärten zugesendet. «Beschämung ist ein mächtiges gesellschaftspolitisches Schwert», sagt Soltau.

Demgegenüber ist die Rechtslage bei Schottergärten mancherorts schwammig: So gilt in Baden-Württemberg das Schottergarten-Verbot nach Auffassung des dortigen Umweltministeriums eigentlich bereits seit 1995. Damit einher gehe «grundsätzlich eine Rückbaupflicht» für alle Schottergärten, die seit damals angelegt worden seien, heißt es von einem Sprecher des Ministeriums. Mit der «zusätzlichen Aufnahme» ins Naturschutzgesetz im Sommer 2020 sei somit lediglich erneut «das Ziel unterstrichen» worden.

Bußgeld für neue Schottergärten

Anders sieht man das im Ländle beim Wirtschaftsministerium: Die «neue Regelung im Naturschutzgesetz» betreffe nämlich nur das Anlegen von Schottergärten seit dem Inkrafttreten. «Nach unserer Auffassung bleiben daher bereits vor dem 31. Juli 2020 bestehende Schottergärten zulässig», so eine Sprecherin. «Rechtmäßig angelegte Schottergärten genießen baurechtlichen Bestandsschutz.»

Hohe Geldbußen müssen Schottergärtner im Südwesten nach Angaben des Umweltministeriums ohnehin nicht fürchten. Bisher habe man davon abgesehen, einen Bußgeldtatbestand für Verstöße gegen den entsprechenden Paragrafen des Naturschutzgesetzes zu schaffen, «da wir primär auf Verständnis und nicht auf Zwang setzen wollen», so der Sprecher.

«Hin und wieder gehe ich durch die Rabatten und muss etwas ausputzen»

Die Stadt Bremen geht einen anderen Weg: «Eher im dreistelligen Bereich» bewege sich dort die Geldbuße für das Anlegen von Schottergärten, so ein Sprecher der Umweltbehörde. Die Höhe des Ordnungsgeldes hängt demnach zum Beispiel von der Größe des Schottergartens ab. In Hamburg müssen nach Behördenangaben diejenigen mit einem Zwangsgeld rechnen, die einer Rückbauaufforderung nicht nachkommen.

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg hat «Gärten des Grauens»-Schöpfer Soltau seinen eigenen «naturnahen Garten». Die Pflanzen, die er bei sich angebaut hat, bedürfen «keiner besonderen Pflege», wie er betont.

Dass Schottergärten im Vergleich als pflegeleicht gelten, verstehe er nicht. «Hin und wieder gehe ich durch die Rabatten und muss etwas ausputzen», sagt Soltau. «Und selbst das empfinde ich nicht als Arbeit.»

(L'essentiel/DPA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • transparente lineare Grausamkeit am 20.05.2021 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    die hell bis dunkelgraue lineare Welt der umweltzerstörenden Schottergärten passt zu den hell bis dunkelgrausamen Styroporsondermüllbauten mit ihren Riesenfenstern, die jedes Sicherheits- u Wohlfühlgefühl verhindern u vernichten ...

  • Jang am 20.05.2021 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Jahrelang war der Kreisverkehr Schinker so ein Schottergarten. Kein Geld für Grassamen und Erde.

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  • mp3 am 20.05.2021 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @gemeinden sollten Vorbild sein Rasen ist kein zeichen für ökologie. Gerade Nutztiere haben garnichts davon. Eine wilde wiese, mit verschieden wilden Blumen. Wo einmal im Jahr gemäht wird ist ideal. Natürlich wollen das viele nicht aber gerade im öffentlichen Bereich sollte es mehr solche Flächen geben. Da macht die Gemeinde Esch/Alzette eine gute Arbeit. Da gibt es eine Menge Insektenfrundlich Beete, Insektenhotels und Flächen die natürlich gehalten werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realitätsverlust am 21.05.2021 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sollen die ganze Landschaft für billige Wohnungen zu betonieren, aber die Steingärten sind Schuld?

  • Klar am 21.05.2021 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neues Gesetz: Alle Vorgärten müssen wieder zu mindest 90Pzent begrünt werden. Gleiches mit den Hintergärten, welche die Eigentümer ebenfalls im Laufe der Jahre zubetonieren.

  • wier intressant ze wessen am 21.05.2021 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Weivill vun all denen, dei elo ob esou Gärt mam Fanger weisen hunn selwer en Garrd an sinn selwer amgangen fir ob den Kneien ze rutschen fir se ze botzen?

  • Meinung am 20.05.2021 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Klar ist, es sind nicht nur solche Gärten die der Natur etwas abtrotzen, es sind auch Gehwege die angelegt werden, auf beiden Seiten einer Strasse, wo eine Seite genügen würde, es sind die Neuen Breiten Strassen auf Belval, Kirchberg, Cloche d'Or, usw. die die Natur zerstören oder mehr Wohnraumherstellung verhindern und wo dann wieder neue Gebiete von der Natur abgetrotzt werden und dann zugebaut werden und wieder Natur zerstört wird. Trotzdem, solche Gärten sollten verboten werden, jeder sollte verpflichtet werden Natur zu schaffen.

    • Steingarten am 22.05.2021 21:23 Report Diesen Beitrag melden

      und auf Grünzonen werden grosse Baracken für Energie aufgestellt,na ja, das ist Fortschritt, aber,weit von, schön, da darf und muss zubetonniert werden, weil Menschen eben immer mehr Energie verbrauchen

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  • Arm am 20.05.2021 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das sein die in Luxemburg die Grünen an der Macht sind sind noch nie so viele Bäume gefällt worden also kann ich meinen Garten so gestalten wie ich will