Das Steuer rumgerissen

30. Oktober 2020 07:33; Akt: 30.10.2020 07:48 Print

Vom Schwerverbrecher zum Weltrekordler

John McAvoy traf als 22-Jähriger eine schlechte Entscheidung, musste dafür hinter Gitter und hat sich dort geläutert. Nach sieben Jahren im Gefängnis wurde er zum Sportfanatiker.

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John McAvoy saß mit 22 zum zweiten Mal im Gefängnis und sah trotzdem nicht ein, dass er sein Leben drastisch ändern musste. Erst als sein bester Freund bei einer Straftat ums Leben kam, öffnete das dem Briten die Augen. «Dann habe ich realisiert, wie kostbar das Leben ist», sagt er. So begann er mit Sport und rettete damit sein Leben.

2005 wollte McAvoy mit einem Komplizen namens Kevin Brown einen Geldtransport in London überfallen. 100.000 Pfund in bar waren verlockend. Doch die Polizei hatte Brown bereits länger überwacht und war beim geplanten Überfall bereit, ihn zu verhaften. McAvoy, der im Auto saß, versuchte zu flüchten, zuerst im Wagen, später zu Fuß. Doch die Polizei konnte ihn in einer Sackgasse verhaften. «Ich sah etwa 15 Pistolen auf mich gerichtet, bevor ich auf den Boden gedrückt wurde», erzählt McAvoy BBC.com.

Ihm wurden die Augen geöffnet

McAvoy wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, wohl auch, weil er vorbestraft war und bereits hinter Gittern gesessen hatte. Im Gefängnis, genauer in einem Hochsicherheitsgefängnis, kam er in Kontakt mit Terroristen und anderen Gewalttätern. «Da trifft dich das Leben wie ein Schnellzug», erinnert sich McAvoy. Trotzdem kam ihm auch da nicht, wie bereits während seiner ersten Haftstrafe, die Idee, etwas anderes mit seinem Leben anzufangen.

Erst nachdem er drei Jahre seiner Strafe abgesessen hatte, wurden ihm die Augen geöffnet – auf dramatische Art und Weise. Er erfuhr, dass sein bester Freund in den Niederlanden nach einem geknackten Geldautomaten auf der Flucht aus dem Auto geworfen wurde, sich das Genick brach und starb. «Ich stand am nächsten Tag auf und war total verloren. Ich hatte mein ganzes Leben bis dahin verschwendet. Da entschied ich: Ich werde so nicht mehr weiterleben.»

Er versucht, anderen zu helfen

So zog er sich in den Fitnessraum des Gefängnisses zurück – dieser wurde zu seinem Refugium. Und er begann auf der Rudermaschine an sich zu arbeiten wie ein Verrückter. Er fand heraus, dass er mehr Zeit zum Trainieren bekommt, wenn er sich für Ruder-Challenges anmeldete. Dank der Unterstützung eines Wärters ruderte er sich im Gefängnis zu drei Weltrekorden – darunter den über 100’000 Meter und über die längste Distanz, die innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt werden konnte. Er forderte Literatur zum Thema Training und Ernährung an, er hatte sich in den Kopf gesetzt, ein Athlet zu werden.

Seine Leistungen blieben nicht unbemerkt. Nach sieben Jahren im Gefängnis kam er 2012 wegen guter Führung auf freien Fuß. Nachdem er seine Mutter gesehen hatte, ging er schnurstracks in einen Ruderclub in London. Er wollte Karriere im Rudersport machen. Doch dafür war er zu alt. Also wechselte er zum Ausdauersport und kam so zum Triathlon, bekam einen Vertrag mit einem Sportartikelhersteller und nahm an Iron-Man-Rennen teil.

« Ich möchte einen positiven Einfluss auf die Welt haben »

McAvoy versucht nun, Reformen im Haftsystem zu erreichen, damit Sport eine größere Rolle in der Rehabilitation von Straftätern einnehmen kann. «Ich möchte einen positiven Einfluss auf die Welt haben und meine schlechten Taten aus der Vergangenheit damit zunichtemachen», so der 37-Jährige. Er müsse damit leben, was er früher getan habe. Für ihn sind das keine Fehler, sondern schlechte Entscheidungen in seinem Leben, die er traf, weil er es nicht besser wusste.

Er hatte schon immer den Willen, zu gewinnen und erfolgreich zu sein. «Früher sah ich diesen nur in Kriminellen – und plötzlich ist da diese andere Gruppe Menschen da: Athleten.» Die Denkweise sei dieselbe, aber er habe die Energie nur richtig kanalisieren müssen. Das ist McAvoy mittlerweile gelungen.

(L'essentiel/Adrian Hunziker)

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