Kamtschatka

14. Juni 2019 14:50; Akt: 14.06.2019 14:53 Print

Vulkanausbruch hätte «katastrophale» Folgen

Ein Vulkan auf der russischen Pazifik-Halbinsel Kamtschatka galt lange als erloschen. Doch seit einiger Zeit rumort es wieder im Inneren.

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Ob es zu einem Ausbruch des Vulkans auf Kamtschatka kommt, ist ungewiss. Wenn ja, könnte er gravierende Folgen auch in weit entfernten Gebieten haben.

Wie aus einem Werbeprospekt für Skiferien wirken die Berge auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka im Osten Russlands. Doch unter den Schneemassen lauert Gefahr: Ein als erloschen geglaubter Vulkan ist vor einiger Zeit wieder erwacht.

Nicht nur Russland betroffen

«Es kann jederzeit zu einem Ausbruch kommen», sagt der Vulkanologe Iwan Kulakow. Seit gut zwei Jahren stellen Wissenschaftler fest, dass die seismische Aktivität des Vulkans Bolschaja Udina in der Vulkan-Gruppe Kljutschewskaja zunimmt. Sollte er ausbrechen, könnte das verheerende Folgen haben, nicht nur in Russland.

Gefährliche Aschewolken

Vulkane, in denen es lange nicht rumorte, seien besonders gefährlich, erklärt der Wissenschaftler. «Die erste Eruption kann sehr stark und explosiv sein.» Bei aktiven Vulkanen könne sich die Energie nicht im Inneren ansammeln, bei inaktiven aber schon. «Da kann eine Eruption katastrophal sein.» Für die Menschen in der dünn besiedelten Umgebung werde das wohl nicht sehr gefährlich.

Folgenreich sind aber ausgestoßene Aschewolken. «Wenn sie in die Stratosphäre gelangen, können die Partikel sehr schnell in einen anderen Teil der Welt gelangen und das Klima verändern.» Auswirkungen werde es dann auch auf den Flugverkehr geben. «Aschewolken sind selbst in geringer Konzentration sehr gefährlich für Flugzeuge.» Asche kann die Turbine der Maschinen verstopfen.

2010 war der Vulkan Eyjafjallajökull in Island ausgebrochen. Er hatte große Mengen Asche mehrere Kilometer in die Höhe gejagt und dadurch den Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa zeitweise zum Erliegen gebracht.

30 Prozent Wahrscheinlichkeit

Kulakow hatte zusammen mit Kollegen aus Ägypten und Saudi-Arabien eine Studie zu dem Vulkan auf Kamtschatka erstellt und sie jüngst in der Fachzeitschrift für Vulkanologie und Geothermie veröffentlicht. Panik will er nicht verbreiten. «Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Vulkan ausbricht, liegt bei 30 Prozent», sagt der Vizechef des Instituts für Petroleum-Geologie und Geophysik in Nowosibirsk.

Wann das – wenn überhaupt – passiert, lasse sich nicht vorhersagen. So etwas zeichne sich in der Regel erst wenige Tage vor einem solchen Ereignis ab. «Vulkanologen können Ausbrüche eine Woche im Voraus vorhersagen. Es gibt keine Langzeitvorhersagen», sagt er.

Die Wissenschaftler wollen nun weitere Messstationen um den Vulkan herum im zentralen Teil der Kamtschatka-Halbinsel aufstellen. «Das Problem aber ist, dass er weit entfernt von Straßen und Städten liegt. Um dorthin zu gelangen, benötigen wir Helikopter.» Das Wetter sei allerdings nicht immer gut, berichtet der Forscher. Und: «Diese Flüge sind sehr teuer.»

160 Vulkane auf Kamtschatka-Halbinsel

Von Mai bis Juli vergangenen Jahres sind 559 Erdbeben unter Bolschaja Udina registriert worden. Die Forscher änderten daraufhin die Einstufung – der Vulkan könne nicht länger als erloschen gelten. Im Februar dieses Jahr wurde unter dem Vulkan ein Erdbeben der Stärke 4,3 registriert – die stärkste seismische Aktivität in dieser Region, heißt es in der Studie.

Der Vulkan auf der Halbinsel im Nordosten Asiens ist nicht der einzige, in dem es rumort. Um ihn herum in einer Entfernung von 20 Kilometern gebe es mehr als zehn Vulkane. «Drei von ihnen sind sehr aktiv», sagt der Vulkanologe. Die 1200 Kilometer lange und bis zu 450 Kilometer breite Halbinsel zählt rund 160 Vulkane. Es kommt immer wieder zu Ausbrüchen. Die Vulkanregion gehört zum Weltnaturerbe.

(L'essentiel/dmo/sda)

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