Beirut

05. August 2020 07:50; Akt: 05.08.2020 08:03 Print

Was hat die Giga-​​Explosion ausgelöst?

Die Katastrophe von Beirut begann mit einem Brand am Hafen. Kurz darauf folgte eine gewaltige Detonation. Offenbar war dort eine große Menge Ammoniumnitrat gelagert gewesen.

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Nach der Explosion in Beirut hat der Oberste Verteidigungsrat des Libanon den Katastrophenzustand in der Hauptstadt ausgerufen. Ministerpräsident Hassan Diab kündigte im Fernsehen an, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Das Unglück, bei dem Dutzende Menschen starben und Tausende verletzt wurden (die neusten Zahlen hier), lässt noch viele Fragen offen.

Was führte zur Explosion?

Laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA war am Dienstag kurz vor 18 Uhr am Hafen von Beirut ein Feuer in einem Lagerhaus ausgebrochen. Mehrere Zeugen berichteten später von zwei Explosionen. Eine habe sich um 18.05 Uhr ereignet, die andere drei Minuten später. Zuerst habe es graue Rauchwolken gegeben, dann folgten die Detonationen und Flammen.

Was war am Hafen gelagert?

Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr große Menge Ammoniumnitrat: Schätzungsweise 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Ministerpräsident Hassan Diab dem Präsidialamt zufolge.

Präsident Michel Aoun erklärte dazu auf Twitter, es sei inakzeptabel, dass dort 2750 Tonnen des Stoffes sechs Jahre lang ohne Sicherheitsmaßnahmen gelagert worden seien.

Anderen Berichten zufolge ereignete sich die Explosion in einem Lager für Feuerwerkskörper.

Löste Ammoniumnitrat den enormen Explosionspilz aus?

Die Zersetzung des Stoffs, der auch zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann, führt bei höheren Temperaturen zu Detonationen. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Düngemittelherstellung. Berichten zufolge hatten libanesische Behörden 2700 Tonnen des Stoffs an Bord eines Schiffs sichergestellt und ihn seit mehreren Jahren im Hafen gelagert. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Noch am Dienstagabend durchsuchten Rettungskräfte Trümmer im Hafen der libanesischen Hauptstadt, von wo aus die Detonation bis Zypern zu spüren war.

Wie groß ist das Ausmaß der Explosion?

Laut Behördenangaben erstrecken sich die Schäden kilometerweit. Die Detonation war sogar bis Zypern zu spüren – 200 Kilometer von Beirut entfernt. Der Bürgermeister von Beirut, Marwan Abboud, sagte, das Szenario erinnere ihn an Hiroshima und Nagasaki. «Ich habe in meinem ganze Leben keine Zerstörung in dieser Größenordnung gesehen», so Abboud.

Gab es schon ähnliche Unglücke mit Ammoniumnitrat?

1921 kam es kam es in Ludwigshafen am Rhein im Oppauer Werk der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik zur größten zivilen Explosionskatastrophe in Deutschland. Dabei kam es zu zwei kurz aufeinanderfolgenden Explosionen von etwa 400 Tonnen des Düngmittels Ammoniumsulfatnitrat. 559 Menschen wurden dabei getötet.

1947 explodierten ungefähr 2300 Tonnen Ammoniumnitrat an Bord des französischen Schiffs Grandcamp im Hafen von Texas. Dabei kamen 581 Menschen ums Leben.

Erst im Sommer 2015 waren in einem Container-Lager im Hafen von Tianjin in China um die 3000 Tonnen hochgefährlicher Chemikalien explodiert – darunter 800 Tonnen Ammoniumnitrat. Die Explosionen wurden in der Umgebung als Erdbeben wahrgenommen. 173 Menschen kamen ums Leben.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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