Tests zeigen

15. April 2019 08:20; Akt: 15.04.2019 08:37 Print

Wenn der Hund im Auto zum Geschoss wird

Bei einem Autounfall kann der beste Freund des Menschen plötzlich zu einer Gefahr werden. Tiere sollten im Fahrzeug unbedingt richtig gesichert werden.

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Bei einem Unfall kann aus einem Hund schnell ein Elefant werden. Wie ein Test der deutschen Unfallforscher im Allianz-Zentrum für Technik (AZT) ergeben hat, wird aus einem 35 Kilogramm schweren Testhund bei einem Unfall mit 50 km/h ein Objekt von über zwei Tonnen Gewicht. Dass ein solches Geschoss schwere Schäden für Mensch und Tier anrichten kann, versteht sich von selbst.

Tiere im Fahrzeug richtig zu sichern, ist deshalb eine Priorität. Doch nur mit Anschnallen ist es nicht getan. Der Test des AZT führte zu einer ernüchternden Erkenntnis: Selbst ein gesicherter Testhund (aus Stoff) trug beim simulierten Frontalcrash schwere Verletzungen davon. Obwohl er angeschnallt gewesen sei, «hatte das Geschirr noch zu viel Bewegungsfreiheit, und das Tier schlug in die Rückenlehne des Vordersitzes ein», sagt die Versuchsleiterin Melanie Kreutner vom AZT in der «Süddeutschen Zeitung».

Keine Anschnallpflicht

Tatsächlich fängt das Problem im Alltag an. Viele Autofahrer führen ihre Vierbeiner ungesichert mit. Zwar gibt es keine Erhebungen, wie viele Prozent ihre Hunde auf dem Rücksitz oder im Fonds herumchauffieren. Doch das Problembewusstsein beim Hundetransport ist nicht groß ausgeprägt. Die Maße der Autofahrer schnalle sich selbst an und lässt das Tier hinten auf die Sitzbank rein, so ein Sicherheitsexperte in der SZ: Um sich selbst mache man sich Gedanken, «nicht aber um den Hund».

Ein Problem ist, dass die Gesetzgebung einen Spielraum lässt. Denn es gibt keine Vorschriften, dass ein Hund im Auto angeschnallt sein muss. Auch Hundegitter oder Hundeboxen sind nicht gesetzlich verankert. Tiere gelten vor Justitia als Ladung. Deshalb kommt bei ihnen Artikel 30 des Straßenverkehrsgesetzes (SVG) zur Geltung. Dieser schreibt vor, dass «die Ladung so anzubringen ist, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann». Zudem muss der Fahrer laut Artikel 31 des SVG «dafür sorgen, dass er weder durch die Ladung noch auf andere Weise behindert wird». Eine Anschnallpflicht für Tiere indes gibt es nicht.

Emotionale Barrieren

Das Gesetz setzt nur grundlegende Rahmenbedingungen, dies bestätigt der TCS gegenüber 20 Minuten. Wichtig sei, dass «der Hund die Fahrzeuginsassen nicht gefährden kann, bestmöglich gesichert und artgerecht untergebracht ist», so Sprecher Daniel Graf. Deshalb ist die Eigenverantwortung der Autofahrer gefragt. Doch hier kommen oft die Emotionen ins Spiel: Viele Hundehalter wollen ihre Liebling nicht fesseln oder wegsperren. Dabei wäre genau das die beste Lösung für Tier und Mensch.

Sicherungslösungen für Haustiere gibt es in Hülle und Fülle. Trenngitter, Sicherheitsdecken, Gurten, Käfige oder Boxen – das Angebot ist riesig. Doch wie der AZT-Test gezeigt hat, garantiert ein Sicherheitssystem nicht, dass ein Tier unbeschadet davonkommt. Laut TCS bieten nur Metallboxen die nötige Sicherheit für Hund und Mensch. Die Verlierer sind laut Test Hundegeschirre:

Tatsächlich ist es nicht einfach, bei der Vielzahl an Angeboten Qualität zu erkennen. Der TCS fordert deshalb mehr Transparenz bei den Tests dieser Systeme. Und eine «einheitliche Zertifizierung, an der sich die Verbraucher orientieren könnten». Diese Forderung ist vor allem an den Spezialhandel gerichtet, denn die Autoindustrie tut sich mit dem Thema schwer. Zwar verkaufen Hersteller entsprechende Systeme, aber Forschungen, die sich der Sicherheit von Tieren im Auto widmen, betrachtet man als Aufgabe des Zubehörmarkts.

(L'essentiel/srt)

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