Fall Maddie

04. Juni 2020 12:52; Akt: 04.06.2020 12:53 Print

«Werden niemals die Hoffnung aufgeben»

Vor 13 Jahren ist Madeleine «Maddie» McCann in Portugal verschwunden. Seither ermitteln die Behörden den Fall rund um das mysteriöse Verschwinden der damals Dreijährigen.

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Der Fall um das Verschwinden von Madeleine «Maddie» McCann gilt als eines der größten Mysterien der 2000er. Nach der Veröffentlichung einer Netflix-Dokumentation rund um das Geschehen blieb es über ein Jahr lang ruhig. Am Mittwochabend wurden neue Erkenntnisse bekannt, die nun zur Ermittlung des Täters führen könnten. Doch was ist seither alles passiert?

Am 29. April 2007 kommt die aus Leicester stammende Familie McCann mitsamt Vater Gerald, einem Kardiologen, und Mutter Kate, einer Hausärztin, mit ihren zweijährigen Zwillingen Sean und Emily sowie der dreijährigen Maddie in Praia da Luz an. Es ist ein beliebter, aber dennoch ruhiger Ferienort in der portugiesischen Algarve. Die Familie macht dort Urlaub mit anderen Bekannten, bestehend aus neun Erwachsenen und acht Kindern. Sie alle übernachten in der Appartementanlage «Ocean Club». «Maddie freute sich sehr und wollte sofort in den Pool», erzählt Gerald McCann.

Die Familie McCann übernachtet im Appartement 5A, das im Erdgeschoss liegt. «Es war ein ruhiger, friedlicher Ort», sagt Kate McCann in einem Interview. Niemals hätte sie erwartet, das hier so etwas Schreckliches passieren könnte.

Alle 30 Minuten Kontrollgang der Eltern

Am 3. Mai geht Vater Gerald mit Madeleine ein Eis essen. Später im Appartement bringen die Eltern ihre drei Kinder ins Bett. Es ist circa 19 Uhr. «Es war wie an jedem Abend – Zähne putzen und Gutenachtgeschichte vorlesen», so Mutter Kate.

Die Eltern gönnen sich dann ein Glas Wein, während die Kinder im Nebenzimmer bereits eingeschlafen sind. Gegen 21.30 Uhr begibt sich das Paar in die 50 Meter entfernte Tapas-Bar, wo es mit ihren anderen Kollegen zum Abendessen verabredet ist. Das Appartement schließen die beiden ab, die Schiebetür ziehen sie zu, schließen sie aber nicht ab.

«Für mich war es wie ein Abendessen in unserem Garten – wir waren so nahe von unserem Appartement», so Gerald in einem Interviewauszug, der in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY» ausgestrahlt wurde. Gerry McCann ist der Letzte, der seine Tochter im Bett schlafen sieht.

Mutter Kate findet leeres Bettchen auf

Alle 30 Minuten wechseln sich die Eltern ab, um nach ihren Kindern zu sehen. Beim dritten Kontrollgang um circa 22.30 Uhr geht Mutter Kate ins Appartement, wo sie die Kinderzimmertür sperrangelweit auffindet. Zuerst denkt sie, ihr Mann hätte die Tür offen gelassen. Als sie sich vergewissern will, dass Maddie tief und fest schläft, sieht sie, dass ihr Bett leer ist. Die anderen beiden Kinder liegen schlafend in ihrem Bett. Verzweifelt rennt sie zu ihrem Mann. Ihre Kollegen helfen ihnen, den «Ocean Club» nach Maddie abzusuchen – erfolglos. Die Familie verständigt die lokale Polizei, dass ihre Tochter vermisst wird.

Portugiesische Behörden ermitteln im Fall und behandeln ihn als einen Vermisstenfall. Die Theorien um Maddies Verschwinden häufen sich. Wurde sie entführt, von einem Kinderhändlerring verschleppt oder ermordet? Die Ermittlungen ziehen sich über Jahre hinweg ohne sachdienliche Hinweise. Sogar die Eltern von Maddie werden von den Behörden ins Visier genommen und sogar verdächtigt, sie hätten ihrer Tochter selbst etwas angetan.

Ermittlungen führten auch in die Schweiz

Die Ermittlungen verlaufen aber im Nichts, sodass die portugiesische Polizei sie 2008 einstellt – 14 Monaten nach Maddies Verschwinden. 2011 beginnt die britische Polizei, im Fall zu ermitteln. Scotland Yard hatte zeitweise 30 Beamte im Einsatz. 2013 rollt die Polizei Portugals den Fall wieder auf.

38 Personen von Interesse listeten die Ermittler auf. Es führte auch eine Spur in die Schweiz. So reisten 2012 Fahnder aus London nach St. Gallen, wo die Kantonspolizei sie über den 67-jährigen Urs Hans von Aesch informierte. Dieser hatte am 31. Juli 2007 – drei Monate nach dem Verschwinden Maddies – ein fünfjähriges Mädchen aus dem Appenzell entführt, ermordet und in einem Wald vergraben. Er richtete sich nach der Tat selbst.

Hellhörig machte die Briten hierbei, dass Aesch im südspanischen Benimantell gelebt hatte und mit einem weißen Kastenwagen unterwegs gewesen war. So ein weißer Kastenwagen mit spanischem Kennzeichen war auch am Tattag in Praia da Luz als verdächtig gemeldet worden. Schlussendlich kam die Untersuchungsbehörde aber zum Schluss, dass ein Zusammenhang der beiden Fälle nicht nachgewiesen werden konnte, wie «t-online» schreibt.

Wird der Fall nun endlich gelöst?

Unzählige Male wurde in der Öffentlichkeit um Hinweise gebeten, die mehr Aufschluss über die Tat geben könnten. Bis 2016 waren es laut der BBC über 8000 Hinweise aus über 100 Ländern. Doch am 3. Juni 2020 wendet sich das Bundeskriminalamt in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY» an die Öffentlichkeit. Man habe einen Tatverdächtigen ermitteln können. Dabei handelt es sich um einen 43-jährigen Deutschen, der mehrere Vorstrafen wegen Sexualstraftaten hat.

Mittlerweile haben sich auch die Eltern von Maddie zu den neuen Ermittlungsergebnissen geäußert. Sie bedanken sich bei der Polizei für die unermüdliche Suche. «Alles, was wir je wollten, ist, sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen», heißt es in einem Statement der Eltern. «Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen.»

(L'essentiel/Bianca Lüthy)

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