Tschernobyl

15. April 2020 12:23; Akt: 15.04.2020 12:23 Print

Widersprüche um Waldbrand bei AKW-​​Ruine

Nahe des ehemaligen Atomkraftwerks Tschernobyl wüten Waldbrände. Laut Behörden besteht für das AKW keine Gefahr, Umweltschützer widersprechen.

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In der Ukraine sind die Löscharbeiten in dem radioaktiv belasteten Gebiet um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl immer noch nicht abgeschlossen: Unterstützt von Hubschraubern bekämpfen mehr als 500 Feuerwehrleute vereinzelte Glutherde, wie der Katastrophenschutz am Mittwoch mitteilte. Offene Brandherde gebe es jedoch nicht mehr. Es seien knapp 160 Kilometer Brandschutzschneisen gezogen worden. Satellitenfotos zufolge war insgesamt eine Fläche von 10 500 Hektar abgebrannt. Regen hatte für Löscherfolge gesorgt.

Am Dienstag hatten die Behörden erstmals mitgeteilt, dass alle Flammen in den radioaktiv belasteten Wäldern gelöscht seien. Später gab es dann aber widersprüchliche Angaben der ukrainischen Behörden zum Stand der Löscharbeiten. Der Chef des Katastrophenschutzes, Nikolai Tschetschotkin, versicherte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dass es keine offenen Brände mehr gebe. Die Feuerwehr habe ein Übergreifen der Flammen auf das ehemalige Kraftwerksgelände und gelagerte radioaktive Abfälle verhindert.

Erhöhte Radioktivität in Kiew

Diverse Medienberichte widersprechen dieser Darstellung jedoch. Noch am Montag sollen im Gebiet zehntausende Hektar Wald gebrannt haben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Laut Greenpeace Russland sei das Feuer an der nächstgelegenen Stelle nur 1,5 Kilometer vom AKW-Reaktorblock entfernt. Die Organisation berufe sich dabei auf Satellitenbilder, berichtet die Berliner Morgenpost.

In der Hauptstadt Kiew war am Dienstagmorgen ein beißender Rauchgeruch zu spüren. Behörden zufolge gab es durch die seit mehreren Tagen wütenden Brände erhöhte Werte des radioaktiven Stoffs Cäsium-137 in Kiew. Sie seien jedoch unterhalb der Grenzwerte geblieben, hieß es.

Brandstifter am Werk?

In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Zone. Als Ursache wurde immer wieder Brandstiftung vermutet. Zuletzt hatte die Polizei einen 27-Jährigen festgenommen, der einen Brand gelegt haben soll.

Nach der Explosion des Blocks vier im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 waren radioaktiv belastete Landstriche um die Atomruine gesperrt worden. Die Explosion am 26. April 1986 war die schwerste Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ging 2005 von bis zu 4000 Toten aus. Andere Experten vermuten weit mehr als 100 000 Todesopfer. Die Zahlen schwanken, weil ein direkter Zusammenhang zwischen Radioaktivität und einer Krankheit oder der Todesursache schwer nachzuweisen ist. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit einigen Jahren ist die Zone für geführte Touren zugänglich.

(L'essentiel/gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geigerzähler am 15.04.2020 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kann man den Angaben der Behörden leider NIE trauen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Geigerzähler am 15.04.2020 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kann man den Angaben der Behörden leider NIE trauen.