Duft nach «menschlicher Haut»

10. Juli 2017 10:20; Akt: 10.07.2017 10:23 Print

Wie uns Gerüche zum Kauf verführen sollen

Der Geruch von frischem Brot oder der Duft von frischen Rosen: Oft lassen wir uns beim Shopping von der Nase statt vom Verstand leiten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Deutsche Telekom will Kunden mit einem Duft für sich gewinnen. Der Handy-Anbieter will passend zur seiner offiziellen Konzernfarbe Magenta nun auch eine eigene Geruchsmarke schaffen. Laut offiziellen Angaben soll sie «zart, weich und nach menschlicher Haut» riechen.

Verantwortlich für den speziellen Raumduft, der auf rosa Pfeffer oder Bergamotte basiert, ist Robert Müller-Grünow, Inhaber der Firma Scentcommunication. Er sagt, dass man in einer Pilotphase bereits habe beobachten können, dass Kunden länger im Laden bleiben, wenn der Duft zum Einsatz gekommen sei. Er soll daher ab sofort in Telekom-Filialen in Österreich, Albanien und Mazedonien eingesetzt werden.

Klassiker Abercrombie

Abercrombie & Fitch ist derweil das berühmteste Beispiel für einen Händler, der auf Düfte setzt: Wer an einer Filiale des Modehändlers vorbeiläuft, dem steigt sofort ein penetranter Geruch in die Nase. Denn die Marke ist geradezu berühmt-berüchtigt für den spritzigen Parfümduft, den ihre Shops verströmen.

Doch nicht nur im Kleiderladen oder der Parfümerie, auch im Supermarkt, Restaurant oder sogar der Bank werden Gerüche gezielt eingesetzt, um Kunden zu einem Kauf zu verleiten. Dem Vorbild von Abercrombie folgend, versuchen dabei immer mehr Firmen einen eigenen, für sie charakteristischen Duft zu schaffen.

Duftmarketing und Air Design

«Die meisten Firmen denken derzeit darüber nach, einen eigenen Duft zu erfinden», bestätigt denn auch der deutsche Geruchforscher und Duftexperte Hanns Hatt im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Denn: Der Geruch spielt bei jeder Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle.

«Eine ganze Reihe von Unternehmen lebt inzwischen davon, alle möglichen und unmöglichen Orte zu beduften», erklären auch Thomas Ramge und Marcus Rohwetter. Die Autoren des Buchs «Nimm 2, Zahl 3 – Die Kunst des klugen Kaufens» sagen, dass Duftmarketing und Air Design heute zu einer wichtigen Disziplin des Verkaufs geworden seien.

Besondere Duftkartuschen

Hintergrund für die Geruchsoffensive sind Studien der Universitäten von Bern, Paderborn und Saarbrücken. Sie belegen, dass Kaufentscheidungen nach dem Sehen auch von riechen, hören und fühlen beeinflusst werden – und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Während es in einer Pizzeria oder einer Bäckerei fast schon automatisch nach frischem Brot oder geschmolzenem Käse duftet, setzen kleinere Geschäfte aktiv auf Duftkartuschen, die für den Kunden unsichtbar an die Klimaanlage oder sonst an einen Verdampfer angeschlossen werden.

«Am höchsten ist die Duftquote in Hotels», erklären Ramge und Rohwetter. Doch sogar mindestens zehn Prozent der Banken würden ebenfalls Duftstoffe einsetzen. Dabei betonen die Autoren: «Im Normalfall werden wir über die Gerüche gar nicht nachdenken, sie wahrscheinlich gar nicht mal bemerken.»

(L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.