Kolumbien

08. Februar 2019 15:16; Akt: 08.02.2019 15:22 Print

Wieso Transfrauen auf Kaffeeplantagen arbeiten

Auf den Kaffeefarmen von Santuario in Kolumbien arbeiten Dutzende Transfrauen. In ihren Dörfern würden sie wegen ihrer Geschlechtsidentität schwer bestraft.

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Francis, Viviana und Juliana haben in den Kaffeeplantagen von Santuario, Kolumbien, ein glückliches Leben gefunden. In den Farmen in den Tiefen des sogenannten Eje Cafetero, der kolumbianischen Kaffeeanbauregion, können diese drei Transfrauen ihre wahre Identität ausleben, ohne Angst haben zu müssen, diskriminiert oder misshandelt zu werden. Francis, Viviana und Juliana sind nicht die Einzigen: Während der Erntezeit pflücken über Hundert Transfrauen die Kaffeebohnen, die später in den USA und nach Europa exportiert werden.

Als Transgender mussten sie aus ihren Gemeinschaften flüchten, denn Homosexuelle und Transmenschen werden von den Mitgliedern des indigenen Volkes der Emberá nicht akzeptiert. Die Bewohner nennen schwule Männer «Cousins» – sie sind keine «Brüder» mehr.

«Du bist ein Mann»

Homo- und transsexuellen Emberás drohen schwere Strafen. Transfrau Elsa weiß das. Mit neun Jahren zog sie zum ersten Mal Mädchenkleider an. Als ihre Mutter sie entdeckte, schlug sie sie: «Du bist ein Mann», sagte die Mutter.

Als sie mit zwölf erneut in Frauenkleidern erwischt wurde, banden die Bewohner sie an einen Block fest und schrien: «Mal schauen, ob du jetzt noch Lust hast, eine Tunte zu sein.» Mit 13 lief Elsa von zu Hause weg und kehrte nie mehr zurück, wie sie dem Sender «Univision» erzählt.

«Sie arbeiten besser als die Männer»

Jetzt, auf der Kaffeefarm, hat die 16-jährige Elsa viele Freundinnen, die wie sie sind. Unter der Woche arbeiten die Frauen bis zu elf Stunden am Tag, am Wochenende gehen sie ins Dorf und kaufen mit ihrem Lohn Kleider und Make-up. Einige haben dort die Liebe entdeckt, doch darüber reden sie nicht gern – die Farmer noch weniger.

«Wenn sie nicht hier wären, würde die Kaffeeproduktion kollabieren», sagt Octavio Chavez, Manager auf einer der vielen Farmen in der Region zum britischen Sender Channel 4. Wenn die Ernte anstehe, sei man froh über jede pflückende Hand. «Einige dieser Frauen sind besser als die Männer», sagt Chavez.

Die Farmer von Santuario exportieren ihre Ware vor allem in die USA, schreibt Univision. Die wichtigsten Abnehmer der Bohnen seien die Kaffeeriesen Starbucks und Dunkin' Donuts, so das Portal.

(L'essentiel/kle)

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