Seltene Tiere vorm Aus

17. April 2019 12:31; Akt: 17.04.2019 12:48 Print

Wildschafe werden vom Wolf ausgerottet

Die Mufflons östlich von Lüneburg sind weg, es war das älteste deutsche Vorkommen der in ihrer ursprünglichen Heimat selten gewordenen Tiere.

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Das war's für die Wildschafe. Seit der Wolf wieder angesiedelt ist, haben sie keine Chance mehr. (Bild: DPA/Frank Rumpenhorst)

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Die Wildschafe hatten keine Chance. Mehr als hundert Jahre streiften sie durch das abgelegene Waldgebiet östlich von Lüneburg. «Das Vorkommen in der Göhrde ist vollkommen erloschen, es war das älteste in Deutschland», sagt Peter Pabel. Der 56-Jährige gilt als Experte für Mufflons, ist Wolfsberater und von Beruf Förster. «Das war zu erwarten – wenn der Wolf kommt, verschwindet das Muffelwild.»

Ursache ist ein Fluchtverhalten, das die Tiere aus ihrer bergigen Heimat mitgebracht haben. Die Vorfahren der Mufflons in der Göhrde stammten aus Korsika und Sardinien – 1903 wurden die ersten ausgesetzt, doch konnten sie sich nicht dem nach Deutschland zurückkehrenden Wolf anpassen. Schleicht sich einer an, machen sie einen kurzen Sprint, dann bleiben sie stehen. In ihrer Heimat konnten sich die Mufflons so auf Felsen und Klippen retten, die gibt es im Flachland aber nicht.

«Nach drei Jahren war die Population ausgelöscht»

Bis zu 300 Tiere waren es, dann kam der Wolf. Die letzten Mufflons habe er im Herbst 2017 gesehen, sagt Pabel. «Das ging mit unglaublicher Rasanz, nach drei Jahren hatte er (Anm.d.Red. der Wolf) die Population ausgelöscht.» Pabel hatte vergeblich versucht, einige einzufangen, alle Versuche scheiterten. «Es liegt mir fern, einen Krieg gegen den Wolf anzuzetteln», betont er ausdrücklich. «Ich bin selbst Wolfsberater und dem Tier gegenüber durchaus positiv eingestellt.»

Manch Förster und Waldbesitzer in Deutschland ist von den Wildschafen genervt, weil einige von ihnen die Rinde von den Bäumen ziehen. Auch der Naturschutzbund Nabu sieht die Mufflons höchst kritisch. So fordert der Nabu in Nordrhein-Westfalen seit Jahren, die Art abzuschießen. Das Mufflon sei an die weichen Böden nicht angepasst und habe mit Hufproblemen zu kämpfen.

Für Mufflons gibt es keine Lobby

Im Westen und Süden wird bislang nur selten ein Wolf gesichtet, so soll es in Nordrhein-Westfalen noch etwa 2500 Wildschafe geben. In anderen Bundesländern können Rückschlüsse meist nur aus der Zahl der erlegten Mufflons gezogen werden. Auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen sieht es danach noch sehr gut aus.

«Sollte sich der Wolf bundesweit etablieren, so ist nicht davon auszugehen, dass die Population in Deutschland dauerhaft bestehen wird», fasst Nabu-Experte Kolberg zusammen. Kleine Inselvorkommen auf trockenen und felsigen Böden seien jedoch nicht auszuschließen.

Und wie reagieren Jäger? «Jagd muss nachhaltig sein», sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. «Wenn es bei einer Art weniger Nachwuchs als Todesfälle gibt, dann sollte nicht geschossen werden», betont er. «Wir züchten in den Zoos exotische Tiere wie Schneeleoparden, die vom Aussterben bedroht sind», die Mufflons dagegen hätten keine große Lobby.

Auch in der Großregion wurde schon ein umherstreifender Wolf gesichtet:

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nëckel am 17.04.2019 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wann d'Wirtschaft all Joer weider soll wuessen ass ët och geschwënn eriwer mat de Wëllef. Wildnis a Wuestum schléissen sech géigesäiteg aus. Mir sin d'Mouflons'en och méi sympathesch an d'Wëllef an och de Luchs sin bei ons nët ëmsoss ausgerott gin.

  • ech am 18.04.2019 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dummprappeller

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  • ech am 18.04.2019 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dummprappeller

  • Nëckel am 17.04.2019 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wann d'Wirtschaft all Joer weider soll wuessen ass ët och geschwënn eriwer mat de Wëllef. Wildnis a Wuestum schléissen sech géigesäiteg aus. Mir sin d'Mouflons'en och méi sympathesch an d'Wëllef an och de Luchs sin bei ons nët ëmsoss ausgerott gin.