Deutsche Hooligans

16. Oktober 2014 21:23; Akt: 16.10.2014 21:28 Print

«Wir werden die Salafisten jagen»

Deutschlands Fußball-Extremisten springen auf den Anti-IS-Zug auf. Vereint rufen sie zum Kampf gegen Salafisten auf. Der Verfassungsschutz ist alarmiert.

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«Wir werden sie jagen und dorthin zurückschicken, wo sie hingehören.» So rufen deutsche Hooligans verschiedener Fußballklubs zum Kampf gegen Salafisten und Unterstützer des Islamischen Staates (IS) auf. Nach einer ersten Kundgebung Ende September plant die Gruppe «Hooligans Gegen Salafisten» (HoGeSa) am 26. Oktober eine zweite Demonstration in Köln. 300 Teilnehmer sind angemeldet – auf Facebook haben sich aber bereits mehr als 2200 Personen angekündigt.

Unter dem Motto «In den Farben getrennt, in der Sache vereint» tun sich Rowdys, die sich sonst untereinander schlagen, zusammen, um sich gegen den Erzfeind stark zu machen: die Salafisten. Im Kampf gegen die Extremisten legen die rivalisierenden Hooligans sogar den Krieg unter sich und ihren Vereinen ad acta.

Glatzen, Muskeln, Tattoos, Bier

Schon mit ihrer ersten Veranstaltung in Dortmund am 28. September demonstrierte die HoGeSa-Gruppe ihre Absichten: «Es kann nicht sein, dass uns in unserem Land eine Religion aufgedrängt wird von diesen Salafisten», verkündete ein Teilnehmer über ein Megaphon. Spiegel online beschreibt einen «skurrilen Nachmittag»: abrasierte Schädel, muskelbepackte Arme, massenweise Tatttoos, etwa 350 mehrheitlich männliche Teilnehmer, die in Gruppen rumstanden, Bier tranken, rülpsten und sich kratzten.

Selbst Leute mit Emblemen des FC Basel sollen bei dieser Kundgebung gesichtet worden sein, schreibt die Schweizer Zeitschrift «Blick». Bislang gibt es hierfür aber keine Belege.

Nur «ein bisschen» rechtsradikal?

Die HoGeSa-Mitglieder hetzen zwar gegen Salafisten, aber: «Wir sind nicht rechtsradikal!», stellt ein HoGeSa-Sprecher in Dortmund klar. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass auch Anhänger rechtsextremer Parteien sich der Bewegung angeschlossen haben. Etwa Dominik Horst Roeseler. Er ist Mitglied der rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Pro-NRW-Partei und hat die geplante Demonstration in Köln angemeldet, schreibt der «Kölner Stadtanzeiger».

Der deutsche Verfassungsschutz bezweifelt jedoch, dass die Bewegung von Rechtsextremen gesteuert wird. «Unserer Erkenntnis nach sind nur einzelne Hooligans der rechtsextremen Szene zuzuordnen», sagt ein Sprecher.

Anders klingt das bei der Kölner Polizei: «Bei HoGeSa handelt es sich um eine neue Gruppierung, die stark in der rechten Szene vernetzt ist», sagt ein Polizeisprecher. «Wir stellen uns momentan auf, um auf die Gruppierung zu reagieren. Diese ist ein neues Phänomen, das bundesweit besteht und gerade über soziale Netzwerke extrem erfolgreich Mitglieder rekrutiert.»

Oder mit den Worten von Eric Rettinghaus, Landeschef der Polizeigewerkschaft NRW: «Gewaltbereite Fußballanhänger mit Kontakten in die rechtsextreme Szene drängeln sich in die Rolle der Gutmenschen, um mehr Anhänger zu mobilisieren» (bei «welt.de»).

Demonstration könnte verboten werden

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Hamburg Anfang Oktober sind die Kölner Behörden alarmiert. Auch hier könnte es zu Straßenschlachten kommen, sollten gewaltbereite Salafisten und Hooligans aufeinandertreffen.

Die Kölner Polizei hat noch nicht kommuniziert, wie sie bei der Demonstration vorzugehen gedenkt: «Wir sind dabei, uns intern aufzustellen. Die Demonstration wird auf jeden Fall streng beobachtet», gibt ein Sprecher an.

«Sollte sich im Vorfeld eine Gefährdung der Öffentlichkeit erkennen lassen, könnte die Demonstration auch verboten werden», sagt der Verfassungsschutz.

(L'essentiel)

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