Beirut

07. August 2020 11:23; Akt: 07.08.2020 11:24 Print

Wütende Bürger bewerfen Polizisten mit Steinen

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Beirut sind mehrere Menschen verletzt worden. Noch immer werden rund 100 Menschen vermisst.

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Nach der Explosion in Beirut mit mindestens 149 Toten ist es in der Nacht zum Freitag vereinzelt zu Protesten gekommen. Mehrere Menschen wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete.

Dutzende hätten versucht, die Absperrung zum Parlamentsgebäude in der libanesischen Hauptstadt zu durchbrechen. Die Demonstranten setzten dort Werbetafeln, Bretter und Müllhaufen in Brand und warfen mit Steinen auf Sicherheitskräfte. Diese setzten teilweise Tränengas ein.

An der Absperrung zum Hafen versammelten sich wütende Einwohner, darunter Angehörige von Vermissten. Sie riefen: «Diese Regierung hat versagt». «Die Explosion war am Dienstag, und sie arbeiten noch immer langsam», sagte einer der Demonstranten. «Wenn noch Lebende unter den Trümmern festgesessen haben, dann sie sie jetzt tot.»

Immer noch 100 Vermisste

Das libanesische Rote Kreuz geht davon aus, dass noch immer rund 100 Menschen vermisst werden. Dabei soll es sich vor allem um Hafenarbeiter handeln. Wir geben alles, weil wir hoffen, noch Überlebende zu finden, die festsitzen», sagte einer der Rettungshelfer, der nach eigenen Angaben 48 Stunden im Einsatz ist. Bislang seien jedoch nur Leichenteile gefunden worden. Viele Länder haben Rettungsteams nach Beirut geschickt.

In Beirut hatte eine verheerende Detonation große Teile des Hafens zerstört und ganze Straßen im Zentrum in Scherben und Trümmer gelegt. Mindestens 149 Menschen wurden getötet und weitere 5000 verletzt. Rund 300.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Davon sind dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge schätzungsweise 80.000 Kinder.

Die heftige Explosion soll durch große Mengen Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die seit Jahren ohne Sicherheitsmaßnahmen im Hafen gelagert wurden. Viele Libanesen sehen darin eine grobe Fahrlässigkeit der Verantwortlichen.

Bildstrecke: Wütende Bürger bewerfen Polizisten in Beirut mit Steinen

Im Libanon war es bereits seit Oktober zu Massenprotesten gekommen, die auch zum Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri führten. Sie richteten sich gegen die Führung des Landes, der die Demonstranten Korruption und Verschwendung von Staatsgeld vorwerfen. Das kleine Mittelmeerland ist hoch verschuldet und steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Proteste hatten das öffentliche Leben in der Hauptstadt teilweise lahmgelegt.

(L'essentiel/SDA)

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