Fahrer festgenommen

23. April 2018 20:05; Akt: 24.04.2018 07:24 Print

Zehn Tote nach Amokfahrt in Toronto

Ein 25-jähriger Mann ist in Toronto mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gefahren. Dabei hat er zehn Menschen getötet. Der Fahrer konnte verhaftet werden.

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In der kanadischen Metropole Toronto hat ein Mann am Montag einen Lieferwagen vorsätzlich in eine Menschenmenge gesteuert. Dabei wurden mindestens zehn Menschen getötet. 15 weitere wurden verletzt, wie die örtliche Polizei in der Nacht auf Dienstag mitteilte. Der Fahrer wurde festgenommen.

Er wurde inzwischen identifiziert: Es handelt sich um den 25-jährigen Alek Minassian, der aus dem Norden Torontos stammt, wie Torontos Polizeichef Mark Saunders sagte.

Der für die öffentliche Sicherheit zuständige Minister Ralph Goodale sagte, «auf der Grundlage aller verfügbaren Informationen» sei nicht davon auszugehen, dass eine Gefahr für die nationale Sicherheit bestehe. «Ein schrecklicher Tag in Toronto – sinnlose Gewalt mit vielen Opfern», hatte er zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter geschrieben.

Viele Fußgänger auf Trottoir

Regierungschef Justin Trudeau erklärte, er sei «zutiefst betrübt», dass sich in Toronto «ein tragisches und sinnloses Attentat» ereignet habe. Sein Regierung erklärte später, der Begriff «Attentat» bedeute nicht, dass es eine «terroristische Verbindung dahingehend gibt, dass die nationale Sicherheit bedroht» sei. Zu Motiven oder einem möglichen terroristischen Hintergrund machten die Behörden keine Angaben. Ermittelt werde in alle Richtungen, sagte Saunders.

Die Tat ereignete sich gegen 13.30 Uhr (Ortszeit, 19.30 Uhr MESZ) auf der belebten Yonge Straße in Kanadas größter Stadt. Der Fahrer lenkte den Kleinlaster von der Straße mit voller Geschwindigkeit auf das Trottoir. Der Mietwagen raste dann weiter über einen Gehweg, auf dem bei sonnigem Wetter viele Fußgänger unterwegs waren.

«Ich sass im Auto, als ich plötzlich einen weißen Lieferwagen sah, der auf den Gehweg fuhr und die Menschen niedermähte», sagte der Augenzeuge Alex Shaker dem Fernsehsender CTV. Die Fußgänger seien durch die Luft geschleudert worden. Der Fahrer sei im «Zickzackkurs» über den Gehweg gefahren, sagte ein anderer Augenzeuge.

Die Opfer seien noch auf der Straße behandelt worden, sagte eine Sprecherin der Rettungskräfte. Augenzeugen zufolge waren auf der Straße überall Blutspuren zu sehen. Fotos zeigten mit orangefarbenen Planen bedeckte, am Boden liegende Körper.

U-Bahnverkehr unterbrochen

Die Situation sei mittlerweile unter Kontrolle, sagte Torontos Bürgermeister John Tory. «Die Stadt ist momentan in sicheren Händen», betonte Tory. Er bat Anwohner, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. «Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten.»

Die Polizei sperrte die Gegend ab; auch der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen. Hintergründe zu dem Vorfall blieben allerdings unklar. Der Zwischenfall ereignete sich an der Ecke Yonge Street und Finch Avenue.

Der Fahrer ließ Medienberichten zufolge über zwei Kilometer rund 15 Straßenblocks hinter sich, ehe er mit zerbeulter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen kam. Im Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie der Fahrer mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zeigt und dabei «Töte mich!» sowie «Schieß' mir in den Kopf!» ruft. Zu einem Schusswechsel kam es vor seiner Festnahme aber nicht.

In der betreffenden Gegend Torontos im Stadtteil North York sind tagsüber viele Menschen unterwegs. In diesem Gebiet gibt es zahlreiche Geschäfte und Restaurants. In Toronto ging am Montag ein zweitägiges Treffen der G7-Außenminister zu Ende.

Reaktionen

Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach von einem «schrecklichen Vorfall» und dankte den Rettern vor Ort. Zunächst hatte es geheißen, es seien mehrere Personen verletzt worden.

Der französische Präsident drückt auf Twitter seine Solidarität mit den Opfern aus:

Mike Pence twitterte, dass er und der US-Präsident die Situation in Toronto verfolgen:

Der Bürgermeister von New York drückt seine Anteilnahme für die Opfer aus:

Der deutsche Außenminister war am G7-Gipfel in Toronto:

Angriffe mit Fahrzeugen

Islamisten hatten in den vergangenen Monaten in mehreren europäischen Städten Attacken mit Autos verübt. Im Dezember 2016 tötete der Tunesier Anis Amri bei einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin zwölf Menschen.

Terroranschläge in Kanada sind selten. Im Oktober 2014 war ein Soldat in Québec beim Angriff eines Islamisten überfahren und getötet worden. Im vergangenen Oktober fuhr ein Mann einen Polizisten in der Stadt Edmonton an und attackierte ihn mit einem Messer, bevor er mit seinem Auto in eine Menschenmenge raste und vier weitere Menschen verletzte.

(L'essentiel/nag/afp)

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