Öffentlicher Brief

10. Januar 2018 16:17; Akt: 10.01.2018 16:47 Print

Deneuve übt harte Kritik an #MeToo-​​Kampagne

In den Augen der französischen Schauspiel-Legende hat die Kampagne, die im Zuge des Weinstein-Skandals gestartet wurde, nicht nur gute Seiten.

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Filmstar Catherine Deneuve (74) ist mit ihrer Kritik an Folgen der #MeToo-Debatte ins Visier französischer Feministinnen geraten. «Die Unterzeichner dieses Gastbeitrags vermischen vorsätzlich ein Verhältnis der Verführung, das auf Respekt und Lust basiert, mit Gewalt», heißt es in einer Antwort der Aktivistin Caroline De Haas (37), die von rund 30 Frauen unterschrieben wurde und am Mittwoch beim Nachrichtenportal Franceinfo erschien.

Deneuve hatte gemeinsam mit rund 100 weiteren Frauen einen Artikel unterzeichnet, der unter anderem von der Schriftstellerin Catherine Millet (69) verfasst worden war. Der Text kritisiert, die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung habe eine «Kampagne der Denunziation» nach sich gezogen, und warnt vor einem «Klima einer totalitären Gesellschaft». Die Unterstützerinnen erkannten an, dass es notwendig gewesen sei, ein Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen zu schaffen. Sie verteidigten aber «eine Freiheit, jemandem lästig zu werden, die für die sexuelle Freiheit unerlässlich ist» – «hartnäckiges Flirten» sei kein Delikt. Die #MeToo-Kampagne gegen Männer spiele nur Moralaposteln und religiösen Extremisten in die Hände, heißt es dort weiter.

Den Brief hat neben Filmstar Deneuve auch die Schriftstellerin Catherine Millet unterschrieben, die mit dem freizügigen Buch «Das sexuelle Leben der Catherine M.» bekannt wurde, sowie die Pornodarstellerin Brigitte Lahaie.

Flirten und Belästigung «in ihrer Natur verschieden»

«Dieser Gastbeitrag ist ein bisschen der lästige Kollege oder der anstrengende Onkel, der nicht versteht, was gerade passiert», schrieb De Haas in ihrer Erwiderung. «Wie kann man sich auch nur für einen Augenblick eine befreite Gesellschaft vorstellen, in der die Frauen frei und vollständig über ihren Körper und ihre Sexualität verfügen, wenn jede Zweite angibt, schon sexuelle Gewalt erlitten zu haben?» Flirten und Belästigung seien nicht einfach eine Abstufung, sondern in ihrer Natur verschieden.

Die frühere Ministerin und Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal (64) bezeichnete es auf Twitter als «schade, dass unsere große Catherine Deneuve sich diesem bestürzenden Text anschließt». Auch die Schauspielerin Asia Argento, die Harvey Weinstein der Vergewaltigung beschuldigt, twitterte: «Catherine Deneuve und andere französische Frauen erzählen der Welt, wie ihre verinnerlichte Frauenfeindlichkeit sie psychisch an einen Punkt gebracht hat, an dem es kein Zurück mehr gibt».


(dix/L’essentiel/dpa/afp )

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