«Meghan-Mania»

14. März 2018 10:51; Akt: 14.03.2018 11:01 Print

Die Traumhochzeit hat einen Haken

Prinz Harry kommt unter die Haube - und die meisten Briten sind begeistert von Meghan Markle. Eine spezielle Verwandte dürfte es aber nicht auf die Gästeliste schaffen.

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Meghan Markle glänzt nicht immer durch pikfeines royales Auftreten – deshalb mögen so viele Menschen sie. (Bild: Dominic Lipinski)

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Wenn sich Prinz Harry und Meghan Markle am 19. Mai auf Schloss Windsor das Jawort geben, dann werden Millionen Menschen gerührt vor den Fernsehern sitzen. Allerdings: Die Braut ist für royale Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich. Denn Meghan stammt nicht aus britischem Adelsgeschlecht, sondern ist eine Bürgerliche aus den USA mit afroamerikanischen Wurzeln. Sie ist geschieden und eine eher mittelmäßig bekannte Schauspielerin. Die 36-Jährige ist weit davon entfernt, «posh» (vornehm) zu sein. Doch gerade weil ihr diese oft arrogant wirkende Art der britischen Elite fehlt, fliegen ihr die Herzen zu.

In Großbritannien herrscht «Meghan-Mania» und in Windsor bereits Ausnahmezustand. Binnen Minuten nach der Verkündung des Hochzeitstermins waren fast alle Hotels in dem hübschen Städtchen westlich von London ausgebucht. Noch am selben Tag stellten Souvenir-Hersteller ihre Produktion um und brachten Bilder von Harry (33) und seiner Verlobten samt Herzchen auf Becher und Schlüsselanhänger. «Vor allem die Amerikaner reißen uns das aus den Händen. Die kaufen immer viel, aber jetzt noch mehr als zuvor», sagt Jon Aujla, Geschäftsführer einer der vielen Andenkenläden in Windsor.

Meghan kommt bei den meisten gut an

Der Erzbischof von Canterbury wird das Paar in der spätgotischen St.-Georgs-Kapelle aus dem 15. Jahrhundert auf dem Gelände von Schloss Windsor trauen. Es ist von hohen dicken Mauern umgeben – das ist gut für die Sicherheit, aber ein Blick auf das Brautpaar somit eigentlich unmöglich. Doch Prinz Harry und Meghan planen direkt nach der Trauung eine etwa drei Kilometer lange Kutschfahrt durch Windsor, um dem Volk eine Möglichkeit zu bieten, «die Atmosphäre dieses besonderen Tages zu genießen», teilte der Buckingham-Palast mit.

Die US-Amerikanerin bekommt wegen ihrer dunklen Hautfarbe auch rassistische Sprüche und Drohungen ab. Die meisten Briten haben sie jedoch längst in ihr Herz geschlossen; vor allem ihre offene und herzliche Art kommt gut an. «Prinz Harry ist ein modernes Mitglied der Royals und Meghan bringt frischen Wind in die Königsfamilie», schwärmt eine Verkäuferin aus Stoke-on-Trent südlich von Manchester.

Ein bisschen Rebellentum kommt gut an

Dabei bricht die 36-Jährige auch durchaus die höfischen Regeln, etwa wenn sie bei offiziellen Terminen einen Messy Bun – einen lässigen Dutt – trägt statt perfekt gestylter Haare wie etwa Herzogin Kate. Ob beim Besuch eines Jugend-Radiosenders im hippen Londoner Stadtteil Brixton oder auf ihrer Reise ins walisische Cardiff: Sie wird umarmt von Kindern, gibt Autogramme und lässt Selfies mit sich machen.

Für die meisten Mitglieder der Firma, so nennt sich leicht scherzhaft die königliche Familie, wäre ein solches Verhalten undenkbar. Bis auf einen: Prinz Harry. Auch ihn lieben die Briten wegen seiner unkomplizierten und fröhlichen Art, zum Beispiel wenn er beim Marathon in London verdutzte Läufer umarmt und mit Kindern bei Festen herumtobt. Seine wilden Zeiten, in denen er nackt mit Frauen in einem Hotel in den USA feierte oder im Nazikostüm bei einer Kostümparty auftauchte, sind vorbei. Heute gilt er als gereifter Prinz, der sich wie einst seine Mutter Diana sehr stark sozial engagiert.

Die eifersüchtige Verwandte

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem von einer Freundin eingefädelten Blind Date. «Ich hatte vorher noch nie etwas von ihr gehört», gestand Prinz Harry in einem BBC-Interview. «Ich wurde wunderschön überrascht.» Näher gekommen waren sie sich dann auf einer Afrika-Reise. «Wir kampierten unter den Sternen.» In London machte Harry der Schauspielerin («Suits») einen Heiratsantrag – mit Kniefall bei einem Hähnchenessen. «Es war so süß», schwärmte Meghan.

Das klingt alles nach einer Traumhochzeit – wäre da nicht ein Haken. Meghan, die seit ihrem sechsten Lebensjahr von der Mutter allein groß gezogen wurde, ist sich nicht mit allen Verwandten grün. Zu ihrer Mutter Doria, die sich als Sozialarbeiterin und Yogalehrerin durchschlug, hat sie ein inniges Verhältnis. Ihr Vater Thomas, der Beleuchtungsspezialist beim Fernsehen war, lebt zurückgezogen in Mexiko. Seine Tochter Samantha aus erster Ehe zog in Interviews aber über ihre Halbschwester her. Sie plant sogar ein Buch über die Familie: «The Diary of Princess Pushy's Sister» – zu Deutsch etwa: Tagebuch der Schwester von Prinzessin Aufdringlich. Eine Einladung zur Hochzeit halten britische Medien für ausgeschlossen.

(L'essentiel/dpa)

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