Duffy spricht über Entführung

06. April 2020 11:28; Akt: 06.04.2020 11:28 Print

«Er hat angedeutet, mich umbringen zu wollen»

Vor einigen Wochen machte die walisische Sängerin Duffy publik, dass sie entführt und vergewaltigt worden ist. Jetzt schildert sie, wie die Gewalttaten abgelaufen sind.

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Am Sonntagabend hat die walisische Musikerin Duffy ein Schwarz-Weiß-Foto auf ihrem Instagram-Account gepostet. Zum Bild schreibt sie nur zwei Worte: «mit Liebe». Und setzt den Link zu einer neuen Website dazu.

Die Vorgeschichte

Ende Februar meldete sich Duffy erstmals auf der Plattform, nachdem sie sich zuvor zehn Jahre lang komplett von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Mit einer schockierenden Geschichte: Sie sei betäubt, entführt, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden.

Am Geburtstag betäubt

Auf der Website schildert die 35-Jährige nun schockierende Details von der Entführung und der Vergewaltigung. Sieben Seiten lang ist der Text, den sie mit «Das fünfte Haus» betitelt hat, 20 Zeilen beschreiben das Verbrechen.

Es sei an ihrem Geburtstag passiert – das Jahr behält Duffy für sich. «Ich bin in einem Restaurant betäubt worden. Und danach bin ich vier Wochen lang immer wieder betäubt und in ein fremdes Land gebracht worden.» Für den größten Teil der Zeit wurde sie in ihrem eigenen Haus festgehalten.

Die Tage im Ausland

Sie erinnere sich nicht mehr daran, in ein Flugzeug gestiegen zu sein. «Ich wurde in ein Hotelzimmer gebracht, der Täter kam zurück und vergewaltigte mich. Ich erinnere mich an den Schmerz und wie ich versuchte, bei Bewusstsein zu bleiben.»

Wenn der Entführer und Vergewaltiger geschlafen habe, habe sie sich überlegt, abzuhauen. Doch sie habe Angst gehabt, dass danach alles nur schlimmer werden würde – dass die örtliche Polizei sie suchen oder ihr Peiniger sie finden würde. «Ich weiß nicht, wie ich diese Tage durchgestanden habe.»

Die Flucht

Nach ein paar Tagen fliegt sie mit dem Entführer zurück nach Hause. «Ich verhielt mich so ruhig und normal, wie das möglich war in der Situation.» Duffy fühlt sich wie «ein Zombie», steht Todesängste aus. «Er hatte angedeutet, mich umbringen zu wollen.»

Mit dem «bisschen Kraft», das sie noch hatte, entschied sich Duffy dann wegzulaufen. «Zu rennen und mich irgendwo zu verstecken, wo er mich nicht finden kann.» Sie erinnere sich nicht mehr daran, wie sie nach Hause gekommen sei.

Die Jahre danach

Duffy traut sich lange nicht zur Polizei zu gehen. «Ich dachte, wenn etwas schiefgeht, dann bin ich tot, dann wird er mich umbringen.»

Kontakt mit Menschen mied sie in den vergangenen Jahren fast komplett. «Niemand, absolut niemand» habe davon gewusst, was ihr widerfahren sei. Duffy ist in der Zeit gelähmt von Angst, starrt tagelang an die Decke, hat Suizidgedanken, überlegt, sich eine neue Identität zuzulegen und in einem anderen Land neu anzufangen, «als Blumenverkäuferin vielleicht».

Die erste Person, der sie sich mit ihrer Geschichte anvertraut, ist eine Psychologin, «Monate später». «Ich bin so glücklich, dass ich sie gefunden habe.»

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With love, duffywords.com Ein von @ duffy geteilter Beitrag am Apr 5, 2020 um 1:32 PDT

Was mit dem Schreiben klar wird: Duffy scheint ihren Entführer und Vergewaltiger gekannt zu haben. «Seine Identität bleibt zwischen der Polizei und mir.»

Nicht mal ihre Familie konnte ihr helfen in dieser Zeit. «Sie war zu weit weg», schreibt Duffy. Sie hätte sich so stark zurückgezogen, dass sie sich auch von ihr entfremdet habe.

Der Blick nach vorn

Es seien schwierige Zeiten, in denen wir uns befinden würden. Den richtigen Moment, um ihre Geschichte zu teilen, gebe es wohl nicht. Aber sie habe das Erlebte aufschreiben und veröffentlichen müssen, weil sie sich sonst nie mehr hätte frei fühlen können. «Jetzt bin ich frei», schreibt Duffy.

Die Vergewaltigung habe ihr einen Drittel ihres Lebens gestohlen.» Ihre Geschichte werde nicht verschwinden: «Sie bleibt online.» Sie werde sich aber nicht mehr weiter dazu äußern und sich wieder zurückziehen.

Sie hoffe, dass sie anderen damit «Ablenkung und vielleicht sogar Trost» spenden könne. «Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir über die Wirkung nachdenken, die wir auf andere haben.»

(L'essentiel/fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nachfragen erlaubt am 06.04.2020 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    4 Wochen entführt und keine Suche der Familie, der Polizei? Selbst keine News in den britischen Blättern? Schon erstaunlich dass selbst den britischen Blättern bis zur Aussagen absolut nichts davon bekannt war.

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  • Nachfragen erlaubt am 06.04.2020 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    4 Wochen entführt und keine Suche der Familie, der Polizei? Selbst keine News in den britischen Blättern? Schon erstaunlich dass selbst den britischen Blättern bis zur Aussagen absolut nichts davon bekannt war.