Serj Tankian

21. März 2019 16:51; Akt: 21.03.2019 16:52 Print

«Erdogan kann sich das sonst wohin stecken»

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan provoziert Neuseeland. Serj Tankian, Sänger der Metal-Kombo «System of a Down», reagiert mit deutlichen Worten.

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«Das ist zum Kotzen», schreibt Serj Tankian in seinem jüngsten Post auf Instagram. Darin reagiert der Frontmann der armenisch-amerikanischen Metal-Band System of a Down auf eine Aussage des türkischen Präsidenten Erdogan. Dieser hatte vor wenigen Tagen in einer Rede die Attentate von Christchurch mit der Schlacht von Gallipoli verglichen und den Neuseeländern eine Drohung ausgesprochen.

Er werde jeden, so Erdogan, der sich gegen Muslime oder die Türkei stelle, «in einem Sarg nach Hause schicken – so wie schon eure Großväter». Damit spielte der türkische Präsident auf die Schlacht auf der türkischen Halbinsel Gallipoli während des Ersten Weltkrieges an, die insgesamt 100.000 Tote und 250.000 Verwundete forderte. Im Rahmen seiner Rede zeigte Erdogan zudem Ausschnitte aus dem vom Attentäter im Internet veröffentlichten Video der Bluttat.

«Zurück ins Mittelalter»

Seine Drohung an Neuseeland könne sich der Präsident «sonst wohin stecken», schreibt der Musiker und Aktivist Serj Tankian, der vor einigen Jahren von Kalifornien auf die Nordinsel von Neuseeland gezogen ist. Neuseeland verhalte sich nach der Terror-Attacke von Christchurch, bei der ein rechtsextremer Australier in zwei Moscheen 50 Muslime erschossen hat, vorbildlich: «Das Land trauert um jedes einzelne der verlorenen Leben und ändert nun seine Waffengesetze, um ein ähnliches Blutvergießen in Zukunft zu vermeiden.»

Die Türkei sei im Gegensatz dazu ein Land, in dem «Journalisten und politische Gegner inhaftiert oder umgebracht» würden. Erdogan führe die Türkei «zurück ins Mittelalter», so Tankian weiter. Neuseeland sei ein mutiges und kluges Land und dürfe sich nicht von Erdogan einschüchtern lassen, bis sich die Türkei «von einer korrupten oligarchischen Plutokratie zu einer modernen Demokratie» gewandelt habe.

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This article made me sick. To blame a country like NZ which is commemorating each and every precious life lost in this horrific terror attack, by a foreigner I might add, coming together to support the families of those who lost their lives, amending gun laws to avoid further bloodshed like this, by the likes of Erdogan, the president of Turkey, who imprisons or kills journalists, opposition members, and Kurds, taking his country into the Middle Ages and threatens to not allow visits to Gallipoli. It is the same threat he uses against Anzac countries that want to honor their own history by recognizing the first genocide of the 20th century committed by Ottoman Turkey. It's time to tell Erdogan to shove it. NZ is a courageous and smart country and should itself suspend Gallipoli visits until Erdogan's Turkey shifts from being a corrupt oligarchic plutocracy to a proper modern democratic state. Ein Beitrag geteilt von Serj Tankian (@serjtankian) am Mär 19, 2019 um 12:09 PDT

Mit seiner Kritik an Erdogans Äußerungen steht Serj Tankian nicht allein da. Auch der australische Regierungschef Scott Morrison reagierte am Mittwoch verärgert. Morrison kündigte an, den türkischen Botschafter in Canberra einzubestellen. Die Äußerungen Erdogans bezeichnete er als «sehr beleidigend».

(L'essentiel/mat)

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