Mit 85 Jahren

12. August 2018 15:09; Akt: 12.08.2018 15:10 Print

Literatur-​​Nobelpreisträger Naipaul ist tot

2001 erhielt V.S. Naipaul den Literatur-Nobelpreis. Nun ist der Schriftsteller im Alter von 85 Jahren gestorben.

storybild

Er ist friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen: der Schriftsteller V.S. Naipaul. (Aufnahme aus 2001) (Bild: Chris Ison via AP)

Zum Thema

Der Literatur-Nobelpreisträger V. S. Naipaul ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA in der Nacht auf Sonntag unter Berufung auf die Familie.

Der ursprünglich aus dem Inselstaat Trinidad und Tobago stammende Autor mit indischen Vorfahren war im Jahr 2001 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Zu seinen Werken zählen neben Erzählungen eine Reihe von Romanen, unter anderem «Ein Haus für Mr. Biswas», in dem Vidiadhar Surajprasad Naipaul, wie sein vollständiger Name lautet, das Leben auf Trinidad und seine Kindheit beschreibt.

Naipaul sei friedlich in seinem Haus in London gestorben, teilte seine Frau der Agentur PA mit. «Er war ein Riese in allem, was er erreicht hat, und er starb in Kreis seiner geliebten Menschen, nachdem er ein Leben voll wunderbarer Kreativität und Streben gelebt hatte», heißt es in einer Erklärung von Lady Naipaul.

Auch Islamkritiker

Nach einigen Jahren als Journalist für britische Medien begann Naipaul damit, Romane zu schreiben. Die ersten Werke spielten noch auf Trinidad. Später erkundete er Afrika, Asien und Lateinamerika und verarbeitete seine Eindrücke in Romanen, Reportagen und Essays.

In «Land der Finsternis» (1964, dt. 1997) analysierte er kritisch die Verhältnisse in Indien. In «Eine Islamische Reise» (1981, dt. 1982) wurde er zum Islamkritiker. Der Roman «An der Biegung des großen Flusses» (1979, dt. 1980) beschrieb Chaos und Gewaltherrschaft in den unabhängig gewordenen Staaten Afrikas.

Schreibender Ritter

Naipauls Stärken waren seine schnörkellose Sprache, sein Recherchefleiß und seine Fähigkeit, genau zu beobachten. Er wurde von Königin Elizabeth II. im Jahr 1989 zum Ritter geschlagen.

Kritiker warfen V. S. Naipaul neben Arroganz und Ruppigkeit vor, die Welt vor allem aus dem Blickwinkel der Kolonialherren zu betrachten. In der 2008 erschienenen autorisierten Biografie «The world is what it is» (Die Welt ist, was sie ist) beschrieb der britische Literaturwissenschaftlers Patrick French außerdem wenig schmeichelhaft, wie der Nobelpreisträger seine erste Ehefrau und seine langjährige Geliebte über Jahrzehnte demütigte.

In seinem Spätwerk behandelte Naipaul in Romanen wie «Ein halbes Leben» (2001, dt. 2003) oder «Magische Saat» (2004, dt. 2005) wieder die Frage von Identität und Heimatlosigkeit. Der weltberühmte Schriftsteller hinterlässt seine zweite Frau Nadira und eine Tochter.

(L'essentiel/roy/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.