Ermittlungen

07. Dezember 2021 07:46; Akt: 07.12.2021 07:49 Print

Polizei lässt Gil Ofarim Skandal nachspielen

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen von Gil Ofarim an die Adresse eines Leipziger Hotels kamen Lügenvorwürfe gegen den Musiker auf. Nun wurde die Szene aufwändig nachgespielt.

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Was geschah am 4. Oktober in Leipzig? Diese Frage beschäftigt die Ermittler und Ermittlerinnen weiterhin. Der deutsche Musiker Gil Ofarim (39) veröffentlichte im Oktober ein Video auf Instagram, in dem er einem Rezeptionisten eines Leipziger Hotels Antisemitismus vorwarf. Der Angestellte habe ihm den Check-in aufgrund seiner Davidstern-Halskette verweigert. Ein Überwachungsvideo zeigte jedoch, dass der 39-Jährige die Kette an diesem Abend gar nicht sichtbar trug.

Auch eine vom Hotel beauftragte Anwaltskanzlei fand laut Abschlussbericht keine Beweise für die Anschuldigungen des Musikers. So soll Ofarim sogar selbst ausfällig geworden sein. Laut dem Dokument soll keiner der befragten Zeugen und Zeuginnen antisemitische Beleidigungen vernommen haben. Auch von Ofarims Davidstern sei nie die Rede gewesen. Vielmehr soll sich der 39-Jährige wegen langer Wartezeiten benachteiligt behandelt gefühlt haben und es sei deswegen zum Streit gekommen, so die Gegendarstellung.

Die Polizei äußerte schließlich selbst «ernst zu nehmende Zweifel» am ursprünglich geschilderten Ablauf der Ereignisse. Ofarim bleibt jedoch bei seiner Darstellung. Gegenüber «Bild Live» sagte er: «Ich wurde beleidigt, weil ich ein Jude bin. Das kommt leider immer noch viel zu häufig vor in Deutschland. Und im Vergleich zu vielen anderen Jüdinnen und Juden habe ich meinen Mund aufgemacht und mich gewehrt. Das werde ich auch wieder tun.»

Wahrheit soll ans Licht kommen

Am Montag haben nun Ermittler und Ermittlerinnen den Abend, an dem sich der Vorfall abgespielt haben soll, nachstellen lassen. Mit großem Aufwand inszenierten sie mit eigenen Kameras das Geschehen. Ein Schauspieler nahm dabei die Rolle von Gil Ofarim ein, wie der «Spiegel» (Bezahlartikel) berichtet. Staatsanwaltschaft und Polizei ließen den Schauspieler die Stationen von Ofarim bis ins kleinste Deail Schritt für Schritt abgehen.

Auch die Lichtverhältnisse, die Blickwinkel und die Kleider, die der Sänger am 4. Oktober getragen hatte, wurden rekonstruiert. Die Ermittler und Ermittlerinnen wollen den zentralen Punkt des happigen Antisemitismus-Vorwurfs ans Licht bringen. War die Davidstern-Kette sichtbar oder nicht?

Wie der «Spiegel» weiter vermutet, wollen die Ermittler und Ermittlerinnen ein Gutachten untermauern, das der Professor für digitale Forensik an der Hochschule Mittweida, Dirk Labudde, angefertigt hat. Labudde hatte die im Videoraum des Hotels gesicherten Aufnahmen der Überwachungskameras ausgewertet. Damit wollte er herausfinden, ob Ofarims Davidstern-Kette an jenem Abend am Hals des Musikers zu sehen war. Die Erkenntnisse dieses Gutachtens stehen noch unter Verschluss.

(L'essentiel/Jonas Bucher)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • @ArmHannes am 07.12.2021 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Tamtam um nichts

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  • @ArmHannes am 07.12.2021 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Tamtam um nichts