Sängerin Duffy

03. Juli 2020 11:45; Akt: 03.07.2020 11:47 Print

«Verantwortungslos, diesen Film zu zeigen»

Seit rund eineinhalb Wochen steht der auf Netflix streambare Entführungs-Softporno «365 Days» in der Kritik. Mit Duffy erhebt nun eine Prominente ihre Stimme.

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Das polnische Softporno-Drama «365 Days» steht in vielen Ländern nach wie vor an der Spitze der beliebtesten Filme auf Netflix (das Portal aktualisiert die Liste täglich). Obwohl – oder wahrscheinlich gerade weil – der Streifen von Kritikerinnen und Kritikern abgewatscht und von Organisationen und Parteien wie der Juso heftig kritisiert wurde.

Sängerin Duffy (36) greift Netflix-Mitgründer und -CEO Reed Hastings (59) nun in einem offenen Brief an. Darin schreibt sie, dass es «verantwortungslos» sei, den Film, der «die brutale Realität von Menschenhandel und Zwangsprostitution, Entführung und Vergewaltigung glorifiziert», auf der Plattform zu zeigen.

Im Februar 2020 nannte die Waliserin den Grund für ihr plötzliches Verschwinden aus dem Scheinwerferlicht vor rund zehn Jahren: Sie sei betäubt, entführt, unter Drogen gesetzt, während mehrerer Wochen festgehalten und vergewaltigt worden – ihr sei also ziemlich genau das passiert, was in «365 Days» nun «glorifiziert» werde.

«Opfer von Menschenhandel werden von der Welt nicht wahrgenommen»

«Ich schreibe diese Worte (von denen ich nicht fassen kann, dass ich sie im Jahr 2020 schreibe, nachdem in den letzten Jahren so viele Fortschritte gemacht wurden), während geschätzt 25 Millionen Menschen weltweit als Ware gehandelt werden», so Duffy im Brief, den du hier in voller Länge nachlesen kannst.

Und weiter: «Es macht mich unendlich traurig, dass Netflix dies als ‹sexy Erwachsenen-Erotik› darstellt und dieser Art von ‹Kino› eine Plattform gibt. Wir alle wissen, dass Netflix niemals Inhalte zeigen würde, die Pädophilie, Rassismus, Homophobie, Genozid oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Die Leute würden sich zurecht erheben und das verurteilen. Leider nimmt die Welt die Opfer von Menschenhandel oft nicht wahr.»

Mitte Juni veröffentlichte Duffy mit «River in the Sky» ihre erste Single in fünf Jahren. Zuvor releaste sie den Radio-only-Song «Something Beautiful».

Duffy appelliert an die Netflix-Zuschauerinnen und -Zuschauer

Sie habe «großes Glück» gehabt, mit dem Leben davongekommen zu sein, nachdem sie verschleppt und vergewaltigt worden war. «Und jetzt muss ich mit ansehen, wie meine Tragödie und die Tragödien aller anderen Opfer erotisiert und herabgewürdigt werden.»

Duffy wendet sich im Schreiben nicht nur an Netflix und dessen Bosse, sondern auch an die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst: «Ich möchte die Millionen von euch, die das geschaut haben, dazu bewegen, über die Realität von Menschenhandel, Zwangsprostitution und sexueller Ausbeutung nachzudenken und euch darüber klar zu werden, dass diese Erfahrung genau das Gegenteil von dem ist, was in ‹365 Days› dargestellt wird.»

Netflix schweigt weiterhin

Dazu verlinkt sie die Info-Seite der UNO zum Thema – auch im Hinblick auf den Welttag gegen Menschenhandel am 30. Juli.

Eine Antwort von Netflix oder Hastings steht noch aus. Das Unternehmen hat sich generell noch nicht zur Kontroverse um den Film geäußert.

(L'essentiel/Schimun Krausz)

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