Druckmittel

07. November 2017 17:22; Akt: 07.11.2017 17:27 Print

Weinstein heuerte eine «Armee von Spionen» an

Harvey Weinstein sah es offenbar kommen: Laut US-Medienberichten heuerte er Spione an, um Journalisten und seine mutmaßlichen Opfer zum Schweigen zu bringen.

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Es liest sich wie das Drehbuch eines Agenten-Thrillers. Ein Drehbuch, das Harvey Weinsteins Autoren nicht hätten besser schreiben können. Der gefallene Film-Mogul soll eine Armee von professionellen Spionen engagiert haben, um mutmaßliche Opfer, Informanten oder recherchierende Journalistinnen und Journalisten unter Druck setzen zu können – und so alle, die ihm gefährlich werden könnten, zum Schweigen zu bringen, wie The New Yorker schreibt.

Weinstein habe im Oktober 2016 mit dieser Taktik begonnen, heißt es im ausführlichen Essay mit dem Titel «Harvey Weinsteins Armee von Spionen» von Ronan Farrow. Dem Sohn von Woody Allen und Mia Farrow liegen offenbar hunderte Seiten starke Dokumente vor, die Weinsteins organisierte Spionage beschreiben. Er habe damit Storys, die sein sexuelles Fehlverhalten thematisieren könnten, systematisch zu unterdrücken versucht.

Mossad-Spione organisierten Informationen

Das Vorgehen der «Corporate-Intelligence-Agenturen» (einer Art professionalisierte Detektei) jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Weinstein soll für mehrere hunderttausend Dollar die Dienste von Black Cube und Kroll in Anspruch genommen haben. Abgewickelt wurden die Deals laut The New Yorker über eine Anwaltskanzlei – damit das Anwaltsgeheimnis ihn im Falle eines Gerichtsverfahrens vor Offenlegung der Zusammenarbeit schützt.

Für Black Cube arbeiten offenbar ehemalige Mossad-Spione. Die Auftragsausführenden seien «sehr erfahrene und in Eliteeinheiten des israelischen Militärs oder im staatlichen Spionagedienst ausgebildete» Mitarbeiter, schreibt Farrow. Wie diese vorgehen? Wie im Krimi.

Rose McGowan ausgetrickst

So soll sich eine Ermittlerin unter falschem Namen bei Rose McGowan (sie brachte den Fall Weinstein unter anderem ins Rollen) gemeldet haben. Sie habe in vielen Gesprächen mit der Schauspielerin suggeriert, dass sie sich mit ihrer Firma (einer, wie sich später rausstellte, Briefkasten-Finanzfirma in London) für die Rechte von Frauen einsetzen wolle.

McGowan wurde etwa dazu eingeladen, bei einer Gala zu sprechen. Ihr wurde zudem in Aussicht gestellt, dass die Ermittlerin mit Codename Diana Filip in McGowans Produktionsfirma investieren wolle. Sie baute Vertrauen auf, horchte die Schauspielerin aus und übermittelte die Informationen auf Umwegen an Harvey Weinstein, wie es im New Yorker heißt.

Harvey Weinstein lässt Artikel als «Fiktion» abtun

Gleichzeitig soll dieselbe Ermittlerin unter dem Namen Anna mit einem Journalisten, der an einer Weinstein-Enthüllungsstory arbeitete, Kontakt aufgenommen haben. Immer mit dem Ziel: Informationen herausfinden, die die Kontaktperson im Zweifelsfall diskreditieren könnten.

Die Kontaktierten fühlten sich unter Druck gesetzt und überwacht, wie sie zu Protokoll geben. Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister streitet die Vorwürfe ab: «Es ist reine Fiktion, dass Individuen gezielt unterdrückt wurden», wird sie im Artikel zitiert.

Dies sind nur zwei Beispiele von angeblich konkreten Fällen. Farrow zeichnet in seinem ausführlichen Text sehr detailliert nach, wie sich Weinsteins Praktik, Informationen anzusammeln oder Berichte zu verhindern, abgespielt haben könnte. Derweil gab die US-amerikanische Television Academy, eine Art Ehrenverband für Fernsehschaffende, bekannt, Weinstein auf Lebzeiten ausgeschlossen zu haben, wie Variety.com berichtet.

(L'essentiel/bbe)

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