Plädoyers

23. Januar 2020 12:29; Akt: 23.01.2020 12:38 Print

Weinstein soll sich auf sein Opfer «gestürzt» haben

Im Prozess gegen den einstigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein hat die Anwältin der Anklägerinnen ihr Antrittsplädoyer gehalten. Sie schildert schockierende Szenen.

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1. Darum gehts

Im Vergewaltigungsprozess gegen den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein haben sich Anklage und Verteidigung in ihren Eröffnungsplädoyers einen harten Schlagabtausch geliefert. Nachdem die Staatsanwaltschaft den 67-Jährigen zum inhaltlichen Auftakt der weltweit aufsehenerregenden Verhandlung als «Sexualstraftäter und Vergewaltiger» bezeichnet hatte, griff Weinsteins Team die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen an.

Ihre Aussagen seien widersprüchlich und Textnachrichten zeigten auch noch nach den mutmaßlichen Taten ein freundliches Verhältnis zum Angeklagten.

In dem Prozess geht es vor allem um die Vorwürfe zweier Frauen: Weinstein soll Produktionsassistentin Mimi Haleyi im Jahr 2006 zum Oralsex gezwungen haben, eine andere Frau soll er 2013 vergewaltigt haben.

2. Das sagt die Anklage

Staatsanwältin Hast legte die Vorwürfe mehrerer Frauen am Mittwoch in drastischer Detailtiefe dar. Sie beschrieb, wie Weinstein die Schauspielerin Annabella Sciorra vergewaltigt haben soll und Weinstein sich mit seinen etwa 135 Kilo Körpergewicht auf die zierliche Haleyi «gestürzt» habe, obwohl diese «ich bin nicht interessiert» und «Nein» gesagt habe: «Er widersetzte sich mit Leichtigkeit ihren Versuchen, da wegzukommen.»

Die Anklägerin beschrieb auch den Fall von Schauspielerin Jessica Mann und wie Weinstein gegen ihren Willen Oralverkehr an ihr ausgeübt und sie vergewaltigt haben soll. Zuvor habe er versucht, sie mit dem Versprechen von großen Rollen in seinen Filmen gefügig zu machen.

Nach seinen Übergriffen habe er «seine Macht in der Unterhaltungsindustrie dazu genutzt, ihr Schweigen sicherzustellen», so Hast. Während des Plädoyers wurden große Fotos von den mutmaßlichen Opfern auf einem Bildschirm gezeigt.

3. Das sagt die Verteidigung

Weinstein-Anwalt Damon Cheronis hielt in seinem Auftakt-Statement dagegen: «Alles, was Frau Hast ihnen gerade erzählt hat, sind keine Beweise. Sie war nicht da», sagte er. Es gebe dagegen Beweise von den Zeugen der Anklage selbst, die zeigten, dass ihre Vorwürfe nicht wahr seien. «Er (Weinstein) war nicht dieser meisterhafte Manipulator.»

Cheronis zeigte eine Reihe von Botschaften von Zeugen der Anklage, die diese nach den mutmaßlichen Taten an Weinstein geschickt haben sollen. So schickte Haleyi nach Darstellung der Anwälte ein E-Mail an Weinstein, in der sie Bedauern darüber äußerte, dass sie sich so lange nicht gesehen hätten. Die Nachricht ist demnach mit «Peace & love» («Frieden und Liebe») unterschrieben.

Über Schauspielerin Mann sagte Cheronis, sie habe Weinstein nach der mutmaßlichen Vergewaltigung in einer Nachricht «ich liebe dich, das tue ich immer» geschrieben. Weinstein sei nicht der Angreifer gewesen – «vielmehr das Gegenteil», so Cheronis.

Weinstein, der ehemals mächtige Produzent von Filmen wie «Pulp Fiction», «Kill Bill», «Gangs of New York» und «Shakespeare in Love», verhielt sich während des Plädoyers ruhig, schaute manchmal Richtung Boden oder raunte einer Mitarbeiterin seines Teams etwas zu.

4. Das droht Weinstein

Mit den Auftaktplädoyers am Mittwoch startete der Prozess nach mehr als zwei Wochen inhaltlich. In den kommenden Wochen wird ein harter Kampf zwischen Anklage und Verteidigung um die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen erwartet – am Ende entscheiden die zwölf Geschworenen über Schuld oder Unschuld.

Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Insgesamt haben mehr als 80 Frauen Weinstein seit 2017 sexuelle Übergriffe vorgeworfen und damit die weltweite MeToo-Bewegung ausgelöst.

Viele der mutmaßlichen Taten fanden jedoch nicht in New York statt oder sind zu lange her, um verhandelt zu werden. Der Prozess soll etwa zwei Monate dauern. Weinstein hatte immer wieder gesagt, die sexuellen Kontakte seien einvernehmlich erfolgt.

(L'essentiel/fim)

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