Heimspiel in Monza

04. September 2020 07:29; Akt: 04.09.2020 07:38 Print

Die Scuderia röchelt nur noch hinterher

Platz fünf in der Konstrukteurswertung und eine Enttäuschung nach der anderen auf der Rennstrecke: Ferrari steckt vor dem Heimrennen in Monza in der größten Krise.

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Für Sebastian Vettel wird es eine bittere Rückkehr in die Heimat der Geschwindigkeit sein. Am Sonntag steht das Formel-1-Rennen auf dem Autodromo Nazionale an, im italienischen Monza. Dort, wo früher die großen Ferrari-Heldengeschichten und Siegfahrten über die Bühne gingen, wird es nun ein völlig anderes Rennen geben. Nicht nur deswegen, weil keine Zuschauer rund um den Rennkurs zugelassen sind. Sondern auch aufgrund der sportlichen Misere von Ferrari.

Für Erfolgsmeldungen sind die Motoren der Roten in diesen Tagen schlicht zu lahm und die Rennwagen zu wenig aerodynamisch. Und dabei ist die Prognose wohl nicht zu gewagt, dass Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton auch in Monza einmal mehr das Rennen dominieren wird, während die Ferraris hinter ihm chancenlos ins Ziel röcheln werden.

Doch das Geisterrennen könnte der Scuderia gerade jetzt recht sein. Vettel sagt: «Ich werde Monza das erste Mal ohne Fans erleben. Das macht es für mich aber ein bisschen leichter, weil das Überwältigendste daran, ein Ferrari-Fahrer zu sein, ist, wie viele Fans das Team weltweit hat.»

«Sebastian muss sich wie zu Hause fühlen»

Es sind bemerkenswerte Worte des viermaligen Weltmeisters vor dem 999. GP-Rennen seines Teams in der Formel 1. Doch sie sind nicht unbegründet. Die bisherige Saison war eine zum Vergessen, gefüllt mit Häme, Mitleid und auch Hass der Fans. In der Konstrukteurswertung liegt Ferrari auf Platz fünf von zehn Teams. Charles Leclerc steht auf dem bescheidenen fünften Zwischenrang im WM-Rennen. Und Vettel? Der frühere Dominator wurde von seinem Rennwagen bis auf Platz 13 zurückgebremst. Zuletzt gab es beim GP in Belgien einen weiteren Tiefpunkt, die Ferraris belegten nach einem miserablen Qualifying im Rennen nur die Plätze 13 (Vettel) und 14 (Leclerc).

Neben der sportlichen Misere leidet der 33-Jährige vor allem auch unter der Situation bei seinem Rennstall und der damit verbundenen schlechten Stimmung. Auf Ende Saison hin wird der Deutsche die Italiener verlassen, seine Zukunft ist noch ungewiss. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg mit vielen möglichen Enttäuschungen. Vettel bekommt aber auch Rückendeckung. «Sebastian muss sich – wie Michael Schumacher – zu Hause fühlen, er braucht – wie Michael – ein Umfeld, das ihn unterstützt, das ihn verteidigt und ihn vor allem schützt. Das war bei Michael mit Jean Todt der Fall, und ich habe das zu meinen Anfangszeiten mit Niki Lauda getan», sagte der langjährige Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo kürzlich in einem Interview.

Ein Aero-Paket sorgt für Hoffnung

Doch auf der anderen Seite nimmt die Kritik an Vettel nicht ab. Der vierfache Weltmeister konnte bei der Scuderia nicht die gleichen Erfolge feiern wie zuvor im Auto von Red Bull. Seine Bilanz bei den Roten: Sechs Jahre bei Ferrari, null WM-Titel. Doch di Montezemolo lobt den Deutschen trotz schlechter Resultate: «Sebastian hat nie Ärger gemacht, immer im Team gearbeitet. Er hat Siege geholt, die andere nicht geholt hätten, in einem Auto, das nicht immer konkurrenzfähig war.»

Es scheint aussichtslos zu sein, dass auf der Schlussgeraden der Zusammenarbeit zwischen Vettel und Ferrari doch noch positive Stimmung aufkommt, inklusive Siege und Champagnerduschen auf dem Treppchen. Doch immerhin gibt es für das Team vor dem Rennen in Monza leise Hoffnung: Für das Heimspiel soll der Wagen mit einem speziellen Aero-Paket aufgerüstet werden. Ob diese Vorrichtung dazu führt, dass Leclerc und Vettel wieder konkurrenzfähiger werden? Vettel selbst gibt sich nicht allzu optimistisch, er sagt kurz und knapp: «Wir kommen nach Monza und wissen, dass es schwer wird, an der Spitze mitzufahren.»

(L'essentiel/Tobias Müller)

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