Nations League

09. Oktober 2020 16:54; Akt: 09.10.2020 17:11 Print

Bayern-​​Block als Löws Erfolgs-​​Taskforce

Der Bundestrainer baut radikal um. Gegen das von Corona-Ausfällen geschwächte Team der Ukraine will Löw die Qualität der Münchner Siegertypen nutzen. In Kiew lebt der DFB-Tross «in einer Blase».

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Abschotten. Gewinnen. Heimfliegen. So lautet der Plan von Joachim Löw für den Kurztrip ins Corona-Risikogebiet Kiew. Auch sportlich birgt das Nations-League-Spiel gegen die Ukraine am Samstag (20.45 Uhr) im EM-Stadion von 2012 ein Risiko, denn der Bundestrainer muss die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach den Frusterlebnissen der jüngsten Länderspiele schnellstmöglich in die Erfolgsspur bringen. Sonst droht ein Abstieg in die Zweite Liga.

Zur Krisenbewältigung kann Löw immerhin auf eine bewährte Sieger-Taskforce aus München zurückgreifen: Der Bayern-Block um Kapitän Manuel Neuer, Antreiber Joshua Kimmich und Torjäger Serge Gnabry soll es bei seiner Rückkehr ins DFB-Team richten. «Die Bayern-Spieler bringen die Qualität mit, die man braucht in solchen Spielen. Davon werden wir profitieren», sagte Löw deutlich.

Löw wird radikal umbauen

Die selbstbewussten Münchner Titelsammler sollen die Garanten dafür sein, dass nach den drei jeweils nach Führungen verspielten Siegen gegen Spanien (1:1) und die Schweiz (1:1) sowie beim missglückten Test einer B-Formation gegen die Türkei (3:3) der erste Erfolg im Jahr 2020 und der erste überhaupt in der Nations League gelingt. Deutschland liegt nach zwei von sechs Spieltagen mit zwei Punkten hinter Spanien (4) und der Ukraine (3) nur auf Gruppenplatz drei.

Löw wird radikal umbauen und ganz auf etablierte Kräfte setzen: Das Gerüst bildet die fünfköpfige Bayern-Fraktion mit Neuer, Kimmich, Gnabry sowie Niklas Süle und Leon Goretzka. Dazu hofft Löw, dass Routinier Toni Kroos nach einer Muskelblessur am Gesäß und der Anfang der Woche noch erkrankte Angreifer Timo Werner auflaufen können.

Auf den Außenbahnen kehren die Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg zurück. Matthias Ginter und Antonio Rüdiger dürften mit Abwehrchef Süle die Dreierkette vor Torwart Neuer bilden. «Ich bin zuversichtlich, dass wir eine schlagkräftige Truppe zusammen haben», sagte Löws Assistent Marcus Sorg zur Rückkehr der Leistungsträger.

Trainer setzt auf Dreierkette

Dominanz und Effizienz soll das Gerüst für die EM 2021 auf dem Platz ausstrahlen. Taktisch wird Löw wohl an der Dreierkette festhalten. Sie kristallisiert sich mehr und mehr als System für die EM-Endrunde im kommenden Sommer heraus. Neben Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal wird die DFB-Auswahl dann in München auf Ungarn oder Island treffen, die im November im Playoff-Finale um den vierten Platz in der Deutschland-Gruppe kämpfen werden.

«Die Dreierkette hat sich schon in einigen Spielen bewährt», sagte Löw. Sie bietet defensiv mehr Kompaktheit. «Wir können dann zudem mit drei Stürmern spielen und die Außenverteidiger sehr hoch stellen am Flügel», erläuterte Löw. Erstmals erprobte der Bundestrainer die Dreierkette übrigens vor neun Jahren – ebenfalls in Kiew. Jérôme Boateng, Holger Badstuber und Mats Hummels bildeten sie damals.

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Der Probelauf misslang beim 3:3. Ein erneutes Unentschieden wäre gegen eine durch etliche Corona-Ausfälle extrem geschwächte Auswahl der Ukraine, die gerade erst beim 1:7 gegen Weltmeister Frankreich eine Rekordniederlage hinnehmen musste, eine krasse Enttäuschung. «Alle, das kann ich versichern, sind heiß und hochmotiviert, das Spiel zu gewinnen», sagte Löw.

«Werden sehr vorsichtig agieren»

Mit einem etwas mulmigen Gefühl reiste der DFB-Tross am Freitag in die ehemalige Sowjetrepublik. Für Spieler und Betreuer soll es nur zwei Aufenthaltsorte geben – Hotel und Stadion. Löw beschrieb die Lebenssituation der DFB-Delegation so: «Wir halten uns an die Auflagen und überwachen auch strengstens, dass sich die Spieler daran halten: kein Besuch, Masken im Hotel, Besprechungen in kleinen Gruppen bis auf die Mannschaftssitzung vor dem Spiel. Wir sind in unserer Blase, in der bewegen wir uns.»

DFB-Direktor Oliver Bierhoff versprach: «Wir werden in der Ukraine sehr vorsichtig agieren.» Trotzdem bemerkte Löw: «Ausschließen kann man nie etwas, das ist einfach so. Wir tun unser Möglichstes.»

Auch in puncto Risikoreisen kann Löw auf die Erfahrung der Bayern-Profis bauen, die Ähnliches wie in Kiew erst kürzlich beim Gewinn des europäischen Supercups in Budapest gegen den FC Sevilla erlebten. Trotz hoher Infektionswerte will auch Kiews Bürgermeister und Ex-Profiboxer Vitali Klitschko tausende Zuschauer in das 70.000 Plätze bietende Nationalstadion lassen. Das Not-Team von Trainer Andrej Schewtschenko braucht Unterstützung. Daheim sind die von Corona und Verletzungen geplagten Blau-Gelben normalerweise eine Macht: In den letzten zehn Partien gab es neun Siege und ein Remis.

(L'essentiel/dpa)

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