Nach Liga-Abbruch

03. April 2020 19:33; Akt: 03.04.2020 20:13 Print

Belgien-​​Nachahmer bei der Uefa unerwünscht

Die Uefa rät ihren Mitgliederverbänden davon ab, die Meisterschaft trotz Corona-Krise zum jetzigen Zeitpunkt abzubrechen.

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Man sei «zuversichtlich, dass Fußball in den kommenden Monaten zu den Bedingungen der Behörden wieder starten kann und jede Entscheidung, die inländischen Wettkämpfe aufzugeben, zu diesem Zeitpunkt verfrüht und nicht gerechtfertigt ist», schreibt der europäische Verband. Die Uefa arbeite mit den europäischen Ligen an Lösung für das Saisonende über den 30. Juni hinaus.

Allerdings scherte Belgien als erster großer Mitgliedsverband aus und verkündete den Abbruch der Pro League wegen der Corona-Pandemie. Der Meister 2019/2020 heißt FC Brügge. In der regulären Saison waren 29 von 30 Spieltagen gespielt. Im Anschluss hätten die Playoffs begonnen. Unklar sind Auf- und Absteiger, welche Teams im Europacup spielen und auch der Cupfinal stand noch aus. Dieses Fragen soll eine Arbeitsgruppe klären.

Die Liga ist tot, der Spaß ist weg

Die Entscheidung in Belgien könnte wegweisend für andere Ligen sein. Die Niederlande diskutieren über ein ähnliches Szenario. Ajax Amsterdam kann nicht verstehen, dass der nationale Verband (KNVB) die restlichen acht Spieltage der Eredivisie bis 3. August austragen will. Die Liga sei tot, der Spaß weg, argumentiert Marc Overmars, der den Abbruch fordert. «Ich hatte gehofft, dass der Verband selbständig entscheidet und sich nicht hinter dem Rücken der Uefa versteckt», sagte der Ajax-Sportdirektor dem «Telegraaf».

Das Bestreben der Uefa, eine einheitliche Lösung zu finden, auch um eine Flut von Klagen zu verhindern, ist in Gefahr. Das Vorpreschen der Belgier soll keine Nachahmer finden. In vielen Ländern wehrt man sich noch gegen ein vorzeitiges Saisonende.

Deutschland

Nach 25 von 34 Spieltagen: In der Bundesliga ist die Meisterschaft bis 30. April ausgesetzt. Die Bayern führen die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund an. (Bild: Keystone)

In der Bundesliga ist die Meisterschaft bis 30. April ausgesetzt. Derzeit hoffen die Verantwortlichen, Anfang oder Mitte Mai wieder spielen zu können. Um die Saison bis 30. Juni zu finalisieren, wird es Geisterspiele brauchen. Wie «mdr.de» berichtet, plant die DFL, die Teams alle drei Tage per Schnelltest auf den Virus zu testen. Außerdem muss ein Team antreten, sobald es über mehr als 13 gesunde Feldspieler verfügt. Wenn nicht, wird das Spiel als Niederlage gewertet.

Spanien

Nach 27 von 38 Spieltagen: Der Kampf um den Titel ist eng. Lediglich zwei Punkte trennen die Erzrivalen Barcelona (1.) und Real Madrid (2.) an der Tabellenspitze. (Bild: Keystone)

Die iberische Halbinsel hat bereits mehr als 10 000 Tote und über 112 000 Infizierte (Stand, Freitag, 3. April). Der spanische Radiosender «Cope» will dennoch von einem Protokoll wissen, wie «La Liga» den Spielbetrieb aufnehmen möchte. Zwar sei der Zeitpunkt unklar, aber es wird empfohlen, dass mindestens 15 Tage lang trainiert werden müsse, ehe wieder gespielt werden könne. Die Spieler sollen Handschuhe und Mundschutz tragen, und regelmäßig getestet werden.

England

Nach 29 von 38 Spieltagen: In der Premier League ruht der Ball vorerst bis 1. Mai. Die Ausgangslage ist noch eindeutiger als in Belgien. Liverpool hat 25 Punkte (!) Vorsprung auf Manchester City (ein Spiel weniger), der erste Meistertitel nach 30 Jahren ist den «Reds» kaum noch zu nehmen. (Bild: Keystone)

In der Premier League ruht der Ball erst einmal bis 1. Mai. Die Ausgangslage ist aber noch eindeutiger als in Belgien. Liverpool hat 25 Punkte(!) Vorsprung auf Manchester City - bei neun ausstehenden Runden. Die Pläne auf der Insel beinhalten, dass man nur in ausgewählten Stadien (London und Birmingham) fertigspielt. Die Mannschaften, die Unparteiischen und auch die Mitarbeiter der TV-Stationen sollen dafür in Hotels isoliert werden. Sorgen macht man sich über die zu erwartende Menschenmasse, die es sich nicht nehmen lassen würde, den ersten Meistertitel der «Reds» nach 30 Jahren ausgiebig zu feiern.

Italien

Nach 26 von 38 Spieltagen: Juventus Turin führte beim Unterbrechung mit einem Punkt mehr als Lazio Rom die Rangliste der Serie A an. (Bild: Keystone)

Bei fast 14 000 Toten und mehr als 115 000 Infizierten (Stand, Freitag, 3. April) ist in Italien derzeit nicht an Fußball zu denken. Noch soll die Serie A fortgesetzt werden, aber es mehren sich die Stimmen der Abbruch-Befürworter. Brescia-Präsident Maßimo Cellino sagte der «Gazzetta dello Sport», dass er aus Respekt gegenüber den Angehörigen der Toten mit seiner Mannschaft nicht mehr antreten wolle. «Wir haben hier Lastwagen, die Tote transportieren», wird der Präsident des abstiegsgefährdeten Clubs zitiert. Die Spitzenclubs planen am Freitag ein Treffen.

Frankreich

Nach 28 von 38 Spieltagen: Mit einem 12-Punkte-Polster und einem Spiel weniger führte Paris St.-Germain die Ligue an, ehe das Coronavirus den Spielbetrieb lahmlegte. (Bild: Keystone)

Auch in der Ligue 1 ist unklar, wie es weitergeht. Die Liga würde die Meisterschaft gerne fortführen und bis 15. Juli abschließen.

Österreich

Nach 22 von 22 regulären Spieltagen: Nach Abschluss einer Doppelrunde spielen die ersten sechs Mannschaften (LASK, Salzburg, Rapid, Wolfsberger AC, Sturm Graz und Hartberg) weiter um die Meisterschaft, die letzen sechs gegen den Abstieg. Ob es weitergeht ist aber ungewiss. Derzeit ruht der Ball bis 30. April. (Bild: Keystone)

Aus der Bundesliga gibt es noch keine eindeutigen Signale. Wie in der Schweiz steht der Spielbetrieb auch in Österreich bis 30. April still. Liga-Vorstand Christian Ebenbauer erklärte, die Saison bis Anfang August abschließen zu wollen. Dass aber ab Anfang Mai wieder gespielt werden kann, glaubt niemand. Geplant ist ein Krisen-Gipfel nach Ostern.

Die größten Unsicherheiten: Wer steigt ab und wer auf? Wer darf nächste Saison in den internationalen Wettbewerben mitspielen? Und was passiert mit den nationalen Cup-Finals? Eine perfekte und zufriedenstellende Lösung für alle Clubs ist wohl illusorisch. Könnte die Saison irgendwie zu Ende gespielt werden, würden sich zumindest diese Fragen von selbst klären. Und: Leistungssportler wollen sich mit der Konkurrenz messen. Entscheidungen am grünen Tisch wünscht sich keiner.

Schweiz

Nach 23 von 36 Spieltagen: St. Gallen (+20) und YB (+15) stehen punktgleich an der Tabellenspitze. (Bild: Keystone)

In der Super League waren 23 von 36 Runden bis zum Unterbrechung gespielt. St. Gallen und YB teilen sich punktgleich die Tabellenspitze. Würde der Spielbetrieb nach belgischem Muster eingestellt, wären die Ostschweizer zum dritten Mal nach 1904 und 2000 Meister. Müsste die Wintertabelle als Schlussrangliste herhalten, weil da jedes Team zweimal gegeneinander gespielt hat, wäre YB Meister.

Bei keiner Variante könnte ausgeschlossen werden, dass ein Club die Entscheidung vor Gericht anfechten würde. Schließlich geht es um viel Geld (Champions League) und Existenzen (Ligaerhalt und Aufstieg). Ein Überblick darüber, wie andere europäische Ligen planen.

(L'essentiel)

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