Jerome Boateng

23. Oktober 2019 15:10; Akt: 23.10.2019 15:12 Print

Ein Abgeschriebener soll es richten

Im Sommer schien Jerome Boateng bei den Bayern auf dem Abstellgleis. Jetzt brauchen sie ihn mehr denn je. Ob er Lust hat, zu helfen?

Zwei Gegentore in jedem der letzten fünf Spiele: Die Bayern-Abwehr wackelt auch beim 3:2-Sieg in Piräus - und muss neu auch auf Lucas Hernandez verzichten.

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Die Sache schien erledigt, die Akte geschlossen. Jerome Boateng war beim FC Bayern zu Saisonbeginn auf dem Abstellgleis gelandet. Ein Transfer noch im Sommer schien möglich, spätestens im Winter unausweichlich. Bereits im Frühling gab Nationaltrainer Joachim Löw bekannt, künftig mehr auf junge Spieler zu setzen, was den 31-jährigen Weltmeister definitiv nicht mehr einschließt. Und bei den Bayern gab es nach den Zuzügen von Benjamin Pavard und Lucas Hernandez sowie hinter dem neuen Bayern-Liebling Niklas Süle in der Abwehr kaum noch Platz für Boateng. «Ich würde ihm als Freund empfehlen, den Verein zu verlassen. Er braucht eine neue Herausforderung, er wirkt wie ein Fremdkörper», sagte Präsident Uli Hoeness noch Ende Mai.

Doch Hoeness sagt generell ziemlich viel über ziemlich viele, und so dürfte der Präsident auch über Boateng bald schon wieder etwas anderes sagen. Denn der Berliner ist für den kriselnden FCB vielleicht gerade so wichtig wie seit Monaten nicht mehr. Süle, sein Nachfolger in der Innenverteidigung? Fällt mit einem Kreuzbandriss monatelang aus, verpasst womöglich sogar die EM 2020. Hernandez, sein Mitkonkurrent in der Abwehr? Verletzte sich am Dienstagabend beim Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus (3:2) am Innenband (Teilruptur) und fällt wohl bis zur Winterpause aus. Noch in der Länderspielpause reklamierte Bayern heftig beim französischen Verband, der den angeblich angeschlagenen Hernandez aufgeboten und eingesetzt hatte.

Beim bescheidenen Auftritt in Athens Hafenviertel löste Boateng nach einer Stunde den verletzten Hernandez ab. In der Meisterschaft pendelte Boateng zwischen Bank, Tribüne und Startelf, wurde von Trainer Niko Kovac immer etwas herumgeschoben. Damit dürfte jetzt Schluss sein, Boateng wieder die zentrale Figur in der Abwehr werden. Ob der nach den brüskierenden Äußerungen von Hoeness noch Lust hat, sich für den FC Bayern zu zerreisssen, wird sich zeigen. Im Sommer zerschlug sich ein Wechselvorhaben zu Juventus Turin, erste Gerüchte handelten auch von einem Transfer in seine Heimatstadt, zu seinem ersten Bundesligaclub Hertha Berlin.

Rummenigge: «Wir spielen zu sorglos»

Boatengs Aktivitäten neben dem Platz erweckten zuletzt nicht unbedingt den Eindruck eines hundertprozentig auf seinen Arbeitgeber fokussierten Fußballers. In der Länderspielpause war er bei der Buchvorstellung von Rihanna in New York, anschließend gab er während vier Tagen an, sich um «familäre Dinge» kümmern zu müssen. Gleichzeitig wechselte er noch seinen Berater.

Die Beziehung zu Boateng ist nur eine von vielen Baustellen derzeit bei den Bayern. Noch in der Nacht nach dem Spiel gegen Piräus zeigte sich die Führungsriege wenig begeistert von der derzeitigen Einstellung im Team. Clubchef Karl-Heinz Rummenigge hielt beim Teamessen im Hotel eine Rede und sagte dort: «Wir müssen auch ein bisschen selbstkritisch sein. Wir spielen mir gerade ein bisschen zu sorglos.»

Tatsächlich haben die Bayern gerade defensiv trotz noch immer einigermassen positiven Resultaten seit Wochen einen Hänger. In fünf Spielen in Folge haben sie jeweils zwei Tore bekommen, und das nicht nur gegen Champions-League-Teilnehmer wie Piräus oder Tottenham, sondern auch gegen Bundesliga-Schlusslicht Paderborn (3:2) oder zuletzt am Wochenende gegen Augsburg (2:2). Mit Boateng soll nun ein vermeintlich Abgeschriebener helfen, das wieder hinzubiegen.

(L'essentiel/mrm)

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